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17 Tote bei Protesten in Pakistan

Gegen den anti-islamischen Film aus den USA und französische Mohammed-Karikaturen hat es weltweit erneut teils gewalttätige Proteste gegeben. In Pakistan waren die Ausschreitungen besonders heftig.

Vor Gericht: In Ägypten beginnt die Verhandlung gegen den ägyptischen Kopten Albert Saber wegen Gotteslästerung. Er veröffentlichte Ausschnitte des Islam-Videos im Internet. (26. September 2012)
Vor Gericht: In Ägypten beginnt die Verhandlung gegen den ägyptischen Kopten Albert Saber wegen Gotteslästerung. Er veröffentlichte Ausschnitte des Islam-Videos im Internet. (26. September 2012)
AFP
Handgemenge: Vor dem US-Botschaftsgebäude in Bangkok kommt es zu Übergriffen zwischen rund 200 protestierenden Muslimen und Polizeibeamten. (27. September 2012)
Handgemenge: Vor dem US-Botschaftsgebäude in Bangkok kommt es zu Übergriffen zwischen rund 200 protestierenden Muslimen und Polizeibeamten. (27. September 2012)
AFP
Grenzenlose Wut: In Benghazi wird während einer Demonstration gegen den Kurzfilm das US-Konsulat angegriffen. (11. September 2012)
Grenzenlose Wut: In Benghazi wird während einer Demonstration gegen den Kurzfilm das US-Konsulat angegriffen. (11. September 2012)
Reuters
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Das ohnehin angespannte US-pakistanische Verhältnis ist durch die gewalttätigen Proteste gegen das Mohammed-Schmähvideo in zahlreichen pakistanischen Städten zusätzlich belastet worden. So vermied es die Aussenministerin des Landes, Hina Rabbani Khar, am Freitag bei einem Treffen mit ihrer US-Kollegin Hillary Clinton in Washington, die Gewaltausbrüche deutlich zu verurteilen.

Vor dem Beginn der Gespräche forderte Clinton vor Reportern, «dass die Führer und Verantwortlichen sich überall zu Wort melden und die Gewalt brandmarken». Die neben ihr stehende Khar sprach danach jedoch ausschliesslich über das Schmähvideo. Sie dankte Clinton dafür, dass sie zuvor das Video verurteilt hatte. Das sei eine wichtige Botschaft, die dazu beitragen könne, die Gewalt auf den Strassen zu beenden, schloss Khar.

US-Botschaft schaltet Fernsehspot

Die USA hatten sich um Deeskalation bemüht. Präsident Barack Obama und Aussenministerin Hillary Clinton distanzierten im pakistanischen Fernsehen vom Schmähvideo. In dem von sieben Sendern ausgestrahlten Beitrag sagte Obama, die Vereinigten Staaten seien ein Land, das seit seiner Gründung alle Glaubensrichtungen akzeptiere.

Clinton betonte, die USA hätten mit dem Video nichts zu tun. Für die TV-Sendezeit gab die US-Regierung umgerechnet mehr als 65'000 Franken aus. In Islamabad erklärte der amtierende US-Botschafter, die Produktion des Schmähvideos beruhe auf der «zutiefst taktlosen Entscheidung eines Einzelnen, um Hass zu schüren».

17 Tote in Pakistan

Gegen den anti-islamischen Film aus den USA und französische Mohammed-Karikaturen hat es am Freitag weltweit erneut teils gewalttätige Proteste gegeben. In Pakistan wurden bei Ausschreitungen mindestens 17 Menschen getötet, mehr als 200 wurden verletzt. In der nordwestpakistanischen Stadt Peshawar zündete eine aufgebrachte Menge bei Protesten gegen den Film «Unschuld der Muslime» zwei Kinos an. Bei den Unruhen wurden nach Krankenhaus-Angaben fünf Menschen getötet, darunter der Fahrer eines Fernsehteams. Die Zufahrtstrassen zum US-Konsulat in Peshawar sowie zu den Büros westlicher Hilfsorganisationen und anderen potenziell gefährdeten Gebäuden blockierten die Behörden mit Schiffscontainern.

In Karachi wurden nach Angaben von Krankenhäusern zwei Polizisten erschossen und zehn Zivilisten getötet. Demonstranten versuchten dort, zum US-Konsulat zu gelangen. Die Polizei ging gegen sie mit Schüssen und Tränengas vor. Nach Polizeiangaben wurden in Karachi zudem drei Kinos angezündet. In der Hauptstadt Islamabad gingen rund 20'000 Menschen auf die Strasse. Die pakistanische Regierung hatte den Freitag zum Feiertag zu Ehren des Propheten Mohammed erklärt und zu friedlichen Protesten aufgerufen.

Demonstrationsverbot in Frankreich und Tunesien

Frankreich hatte am Freitag alle öffentlichen Demonstrationen gegen die umstrittenen Mohammed-Karikaturen einer Satire-Zeitung verboten. Es werde keine Ausnahmen geben, sagte Innenminister Manuel Valls.

Auch der grösste französische Muslim-Verband CFCM rief dazu auf, nicht auf die Strasse zu gehen. «Jeder Protest könnte missbraucht werden und wäre kontraproduktiv», sagte Verbandspräsident Mohammed Moussaoui dem Radiosender RFI. In Paris war die Polizei an zentralen Orten zu sehen, hielt sich jedoch im Hintergrund.

Auch Tunesien hatte sämtliche Demonstrationen verboten, die sich gegen den islamfeindlichen Film «Die Unschuld der Muslime», aber auch gegen die jüngst in Frankreich veröffentlichten Mohammed-Karikaturen richten könnten.

Protestmärsche in Deutschland

Weitere Proteste gegen eine Verunglimpfung Mohammeds gab es am Freitag im Irak, in Afghanistan, auf den Komoren, in Marokko, im Jemen, in Bangladesh, in Indonesien und im Libanon. In Kairo und London versammelten sich Demonstranten vor den französischen Botschaften, um gegen die Karikaturen in «Charlie Hebdo» zu protestieren.

Der grösste Protestmarsch in Deutschland fand am Freitag in Freiburg im Breisgau statt, wo sich rund 800 Menschen in der Innenstadt versammelten, wie ein Polizeisprecher sagte. In Münster versammelten sich nach Angaben der Polizei bis zum frühen Abend rund 600 Teilnehmer zu einer friedlichen Demonstration. Weitere Proteste sind am Wochenende in Hannover, Dortmund und Karlsruhe geplant.

SDA/kpn/wid

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