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17 tote Touristen – drei Attentäter auf der Flucht

Bewaffnete haben in der Nähe des tunesischen Parlaments einen Anschlag verübt – und 19 Menschen getötet. Zwei Angreifer wurden erschossen.

Anschlag in Tunesien: Vermutlich fünf bewaffnete Männer töten vor dem Bardo Museum in Tunis 20 Menschen. Video: Reuters (18. März 2015)

Bei einem Anschlag auf das Nationalmuseum in Tunis sind insgesamt 21 Menschen ums Leben gekommen:

  • 17 ausländische Touristen, darunter fünf Japaner, vier Italiener, zwei Kolumbianer, ein Franzose, ein Pole, ein Australier sowie ein Spanier;
  • 2 tunesische Staatsbürger (ein Polizist und eine Putzfrau);
  • 2 Angreifer.

Die Identität der Täter war zunächst unklar. Im Internet sei ihr Anschlag aber von der Terrormiliz Islamischer Staat applaudiert worden, teilte eine Sprecherin der Gruppe Site mit, die Webseiten von Extremisten und Jihadisten weltweit beobachtet.

Die mit Schnellfeuergewehren bewaffneten Männer haben in Kampfanzügen auf dem Platz, an dem das Museum und das Parlament liegen, das Feuer auf Sicherheitskräfte eröffnet.

Drei flüchtige Angreifer

Die Abgeordnete Kultum Badreddine berichtete von «heftigen Schusswechseln». Laut Essid gab es bis zu fünf Täter. Drei Angreifer sollen auf der Flucht sein. Tunesiens Präsident Beji Caid Essebsi sagte in einer Fernsehansprache, das Land befinde sich in einem Krieg gegen den «Terror». «Diese barbarische Minderheitengruppe wird uns nicht ängstigen, und der Kampf gegen sie wird andauern, bis sie vernichtet ist», fügte er hinzu.

Laut Gesundheitsminister Said Aidi wurden zudem 38 Menschen verletzt, unter ihnen Touristen aus Frankreich, Südafrika, Polen, Italien und Japan. Von Opfern aus der Schweiz war zunächst nichts bekannt.

(Video: Yassine Abidi / Youtube)

Nach der ursprünglichen Schiesserei haben die Täter eine unbekannte Zahl von Touristen im Bardo-Nationalmuseum als Geiseln genommen. Tunesische Sicherheitskräfte haben laut dem Staatsfernsehen die Geiselnahme im Nationalmuseum in Tunis beendet. Dabei seien zwei Terroristen und ein Polizist getötet worden, meldete der Sender.

Das Innenministerium teilte mit, von den etwa 100 Besuchern im Museum sei die Mehrheit in Sicherheit gebracht worden. Das Gebäude sei von einer Antiterroreinheit umstellt worden:

Nach der Geiselbefreiung traf der tunesische Präsident Beji Caid Essebsi Überlebende des Angriffes:

Unklar ist der genau Tathergang. Mehrere Quellen berichten, dass die Schüsse am Morgen auf dem Vorplatz zwischen dem Bardo Museum und dem tunesischen Parlaments gefallen sind. Gemäss Reuters haben die Täter mehrere Geiseln im Museum als Geiseln genommen. Ursprünglich hätten die Angreifer versucht, das Parlament anzugreifen. Als der Angriff fehlschlug, seien sie auf das Kunstmuseum umgeschwenkt.

Augenzeuge Josep Lluis Cusido berichtete dem Radiosender «Cadena Ser», er sei bereits im Museum gewesen, als der Angriff begann. «Wir sahen eine Gruppe Leute aus einem Fahrzeug aussteigen. Sie fingen an, auf jeden zu schiessen, der über den Platz in jenem Moment lief.» Dann seien sie in das Museum eingedrungen.

«Ich sah ihre Gesichter: Sie waren rund zehn Meter von mir entfernt und schossen auf alles, das sich bewegte. (...) Ich lag fast drei Stunden auf dem Boden, aber wir überlebten», sagte der Bürgermeister des kleinen Ortes Vallmoll, der mit seiner Frau das Museum nach dem Sturm der Sicherheitskräfte schliesslich unverletzt verlassen konnte.

Die Schweizer Bundesrätin Simonetta Sommaruga verurteilte die Anschläge:

Tunesien kämpft seit Jahren mit islamistischem Terror - wenn auch nicht in diesem Ausmass. Mehrere Gruppen radikaler Islamisten sind in dem nordafrikanischen Land aktiv. Viele Tunesier sind auch nach Syrien und in den Irak gereist, um sich dort dem ISanzuschliessen.

Das Museum beherbergt die grösste archäologische Ausstellung Tunesiens und besitzt eine der umfangreichsten Sammlungen römischer Mosaike weltweit. Es liegt nahe dem tunesischen Parlament, rund vier Kilometer vom Stadtzentrum entfernt. Das Parlamentsgebäude wurde nach dem Angriff evakuiert, das Museum von Sicherheitskräften umstellt.

Seit dem Sturz des langjährigen Machthabers Zine el-Abidine Ben Ali im Jahr 2011 verfolgte Tunesien einen holprigen Weg in Richtung Demokratie. Es war dabei stabiler als andere Staaten des Arabischen Frühlings wie Libyen oder Ägypten, aber wirtschaftliche Probleme und extremistischer Terror setzten dem Land ebenso zu.

sda/AFP/BBC/Reuters/spu/pst/rsz

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