19'000 Zivilisten von IS-Kämpfern im Irak getötet

Ein UN-Bericht listet die von der IS-Terrormiliz im Irak verübten Gräueltaten auf. Die Morde würden oft öffentlich inszeniert.

Herrschaftsgebiet des IS: Irakische Familien verlassen Falludscha. (Archivbild / 15.11.2004)

Herrschaftsgebiet des IS: Irakische Familien verlassen Falludscha. (Archivbild / 15.11.2004) Bild: Anja Niedringhaus/Keystone

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Die UNO hat im Irak fast 19'000 Tote in knapp zwei Jahren registriert. Menschen würden erschossen, enthauptet, von Bulldozern überrollt, verbrannt, verstümmelt und verschleppt, heisst es in einem Bericht.

Seit dem Vormarsch der Terrormiliz Islamischer Staat ist die Zahl ziviler Opfer stark gestiegen. Von Anfang 2014 bis Oktober 2015 wurden in dem zerrütteten Land 18'802 Zivilisten getötet und weitere 36'245 verletzt, wie die Vereinten Nationen in Bagdad berichteten. Die Zahlen und das Leiden der Bevölkerung seien erschütternd.

Einige Gräueltaten des IS könnten auf Kriegsverbrechen oder Völkermord hinauslaufen, heisst es im Bericht. Es gebe «zahlreiche Beispiele für Morde als grausame öffentliche Inszenierungen», erklärte die UN-Mission für den Irak (Unami).

Zahl der Opfer möglicherweise noch höher

Der IS hatte Anfang 2014 die irakische Stadt Falludscha und in den folgenden Monaten die Städte Mossul, Tikrit und Ramadi eingenommen. Tikrit und Ramadi sind inzwischen wieder unter der Kontrolle von irakischen Truppen und Milizen. Nach amerikanischer Darstellung hat der IS zuletzt 40 Prozent seines einstigen Herrschaftsgebiet im Irak eingebüsst. Nach wie vor hat er aber ein grosses Territorium im Irak wie auch in Syrien unter seiner Kontrolle und rief dort ein religiös-fundamentalistisches Kalifat aus.

Trotz der Rückschläge in der jüngeren Zeit töte, verstümmele und vertreibe der IS weiter Tausende irakische Zivilisten und verursache unsagbares Leid, erklärte der UN-Gesandte Jan Kubis. Allein in den sechs Monaten zwischen Mai und Oktober 2015 kamen nach UN-Daten mehr als 10'000 Menschen um. Seit Anfang 2014 seien etwa 3,2 Millionen Binnenflüchtlinge gezählt worden, darunter mehr als eine Million Kinder im Schulalter, erklärte Unami.

UN-Menschenrechtskommissar Seid Raad al-Hussein sagte, die Zahl der zivilen Opfer sei möglicherweise noch wesentlich höher. «Selbst diese obszönen Opferzahlen vermögen nicht exakt wiederzugeben, wie genau Zivilisten im Irak leiden», sagte er.

Fliehende IS-Kindersoldaten getötet

Der UN-Bericht führt IS-Gewalttaten im Detail auf, darunter Erschiessungen, Enthauptungen, das Niederwalzen mit Bulldozern und Verbrennungen bei lebendigen Leibe. Auch würden Menschen von Gebäuden geworfen. Der IS halte derzeit vermutlich an die 3500 Menschen als Geiseln oder Sklaven fest, in der Mehrzahl Frauen und Kinder der jesidischen Minderheit.

Aus der vom IS beherrschten zweitgrössten irakischen Stadt Mossul seien zudem 800 bis 900 Kinder verschleppt worden, um sie religiös zu indoktrinieren und militärisch auszubilden. Mehrere IS-Kindersoldaten seien umgebracht worden, als sie versucht hätten, aus der westirakischen Provinz Anbar zu fliehen.

«Kultur der Gewalt verwurzelt»

Die Opferzahlen sind allerdings immer noch weit niedriger als während des irakischen Bürgerkriegs 2006, als nach UN-Daten 34'000 Zivilisten getötet wurden. Damals wurde – noch mit Hilfe der US-Armee – der hauptsächlich zwischen Sunniten und Schiiten ausgetragene Konflikt eingedämmt. Bis 2011, als die US-Kampftruppen abzogen, sank die Zahl der zivilen Todesopfer auf 2800.

Die nun wieder angestiegene Gewalt und die täglichen Grausamkeiten würden die Gesellschaft auf lange Zeit prägen, vermutete Menschenrechtsaktivistin Hana Adwar. «Die Kultur der Gewalt ist jetzt im Irak verwurzelt, es wird nicht einfach sein, das zu bekämpfen.» (ij/sda)

Erstellt: 19.01.2016, 19:45 Uhr

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