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200'000 Bewohner aus Aleppo geflohen

Am zweiten Tag infolge lieferten sich Armee und Rebellen heftige Kämpfe in Aleppo. Dabei konnten sich die Aufständischen offenbar in mehreren Vierteln behaupten. Tausende Syrer flüchteten vor den blutigen Gefechten.

Erbitterter Kampf um Aleppo: Regierungstruppen und Regimegegner haben sich am Sonntag blutige Gefechte in der syrischen Wirtschaftsmetropole Aleppo geliefert. Die Armee griff die Stadt im Nordwesten Syriens den zweiten Tag in Folge mit Panzern, Artillerie und Helikoptern an, doch konnten sich die Aufständischen in mehreren umkämpften Stadtteilen behaupten, wie ein AFP-Reporter aus Aleppo berichtete.

Nach Angaben eines Aufständischen, der seinen Namen mit Abu Alaa angab, setzte die Armee den Beschuss des Salaheddin-Quartiers am Sonntag fort, in dem die Aufständischen am Samstag eine Bodenoffensive zurückgeschlagen hatten. Salaheddin ist eine der Hochburgen der Aufständischen in Aleppo.

Schutz in Kellern

Zudem gebe es Gefechte in den Stadtteilen Bab al-Nasr, Bab al-Dschadid und in der historischen Altstadt. In den engen Gassen und überdachten Märkten des als Weltkulturerbe gelisteten Viertels könne die Armee ihre Panzer nicht einsetzen, sagte Abu Alaa.

Mit Blick auf Aleppo berichteten die Syrischen Menschenrechtsbeobachter in London von der bisher schwersten militärischen Konfrontation in Syrien seit dem Beginn der Revolte gegen Machthaber Bashar al-Assad im März 2011.

Nach UNO-Schätzungen flohen innerhalb vom 48 Stunden 200'000 Menschen aus der Stadt. UNO-Nothilfekoordinatorin Valerie Amos forderte am Sonntag freien Zugang für Hilfsorganisationen nach Aleppo. Die verbliebenen Einwohner der Stadt suchten in Kellern Schutz vor dem Beschuss aus Panzern und Helikoptern.

Flüchtlingscamp in Jordanien

Wenige Kilometer von der syrischen Grenze entfernt hat Jordanien ein erstes Zeltcamp für Flüchtlinge aus dem Nachbarland eröffnet. Der Strom von Flüchtlingen lasse keine andere Wahl, erklärte Innenminister Ghaleb Subi. Viele Jordanier hätten Flüchtlinge in ihren Häusern aufgenommen, doch der Druck sei zu gross geworden.

Die ersten 600 Flüchtlinge sollten noch am Sonntag in das Camp einziehen. Die Zeltstadt ist zunächst für 5'000 Menschen ausgelegt. Im Notfall könne sie so erweitert werden, dass sie mehr als 100'000 Flüchtlinge auffangen könne, erklärte UNHCR-Vertreter Andrew Harper.

Druck auf Russland und China

Angesichts der eskalierenden Kämpfe rang die internationale Gemeinschaft um ein Mandat zum Eingreifen und rief eindringlich zu einem Ende der Gewalt auf. Die Arabische Liga teilte mit, sie wolle mit einer Resolution in der UNO-Vollversammlung erreichen, dass sichere Orte für die Zivilbevölkerung geschaffen werden.

Sie appellierte an die Regierung in Damaskus, «den Kreislauf des Tötens und der Gewalt zu stoppen und die Belagerung syrischer Wohnquartier zu beenden». Der UNO-Sondergesandte Kofi Annan forderte die Regierung von Präsident Assad und die Rebellen auf, «Zurückhaltung zu üben und Blutvergiessen zu vermeiden».

Frankreichs Präsident François Hollande rief angesichts der Offensive und eines befürchteten Massakers an der Zivilbevölkerung Aleppos die UNO-Vetomächte Russland und China, die mehrfach ihr ihr Veto gegen Resolutionen des UNO-Sicherheitsrates zu Syrien eingelegt hatten, zum Einlenken auf.

Angst vor einem Machtvakuum

Die US-Regierung warnte nach einem Bericht der «Washington Post» die syrischen Rebellen davor, nach einem Sturz von Assad staatliche Institutionen und die Armee vollständig zu zerschlagen. Dies könnte zu einem Machtvakuum sowie zu Gewalt und Chaos wie im Irak nach dem Fall von Saddam Hussein 2003 führen, berichtet das Blatt.

Das Regime verstärkte unterdessen nach Berichten des «Spiegel» die Sicherung seiner Chemiewaffendepots und verlegte Teile des Arsenals. Aus Erkenntnissen westlicher Geheimdienste gehe hervor, dass die Regierung Schlüsselstellungen in den Lagern neu mit regimetreuen Alawiten besetzt habe, schreibt das Magazin.

Ein Teil des Waffenkontingents sei von einem Flugplatz in der Nähe von Homs in ein besser geschütztes Lager gebracht worden. Dies solle offenbar nicht einer Mobilmachung dienen, sondern der Absicherung der Bestände. Vor allem Israel hat Sorge geäussert, dass die Chemiewaffen in die Hände der Hizbollah gelangen könnten.

sda/dapd/AFP/wid

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