IS bekennt sich zu Anschlägen in Beirut

Zwei Selbstmordattentäter haben vor einem Einkaufszentrum in Beirut Sprengstoffgürtel gezündet. Dabei sind über 40 Menschen getötet worden.

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Selbstmordattentäter haben im Süden der libanesischen Hauptstadt Beirut bei einen der blutigsten Anschläge der vergangenen Jahre Dutzende Zivilisten getötet. Zwei Angreifer rissen nach Angaben aus der Regierung am Donnerstag in einem Schiitenviertel mindestens 43 Menschen mit in den Tod. Ausserdem seien 239 Personen verletzt worden, teilte des Gesundheitsministerium mit. Die sunnitische Terrororganisation Islamischer Staat bekannte sich zu dem Anschlag.

Ein Regierungsbeamter berichtete, zwei Selbstmordattentäter hätten sich während des Feierabendverkehrs in dem vorwiegend von Schiiten bewohnten Vorort Burdsch al-Baradschne in die Luft gesprengt. Ein Attentäter habe seinen Sprengsatz vor einer schiitischen Moschee gezündet, der Zweite in einer Bäckerei. Die beiden Tatorte lagen weniger als 50 Meter auseinander.

Zwei Explosionen im Abstand von sieben Minuten

Ein dritter Selbstmordattentäter sei tot mit abgerissenen Beinen gefunden worden, sagte der Beamte weiter. Er habe noch einen funktionstüchtigen Sprengstoffgürtel getragen. Wahrscheinlich sei er dem zweiten Attentäter zu nahe gekommen, als dieser zuschlug.

Der Fernsehsender Al-Majadin berichtete ebenfalls von einem dritten Attentäter und zeigte Filmaufnahmen eines bärtigen jungen Mannes mit einem Sprengstoffgürtel. Der Hisbollah-Sender Al-Manar TV berichtete von zwei Explosionen, die im Abstand von sieben Minuten zu hören gewesen seien.

Soldaten und Hisbollah-Kämpfer riegelten den Tatort ab. Krankenhäuser riefen zu Blutspenden auf und baten die Anwohner, in ihren Häusern zu bleiben, um die Rettungskräfte nicht zu behindern. Die Hizbollah rief die Menschen auf, alle Cafés in der Nähe zu verlassen und verdächtige Vorgänge zu melden.

IS-Erklärung auf sozialen Netzwerken

Der IS erklärte über mit der Terrormiliz verbundene soziale Netzwerke, er stehe hinter dem Anschlag, der mit einem präparierten Motorrad und von einem Kämpfer mit einem Sprengstoffgürtel ausgeführt worden sei. Von einem dritten Attentäter war nicht die Rede. Die Mitteilung konnte nicht unabhängig überprüft werden, ähnelte aber früheren Anschlagsbekenntnissen des IS.

Hisbollah-Sprecher Bilal Farhat sprach von einen teuflischen Angriff. «Sie hatten es nur auf unschuldige Menschen abgesehen», sagte er der Nachrichtenagentur AP. «Sie zielten auf Zivilisten, Betende, unbewaffnete Menschen, Frauen, Alte.»

Ministerpräsident Tammam Salam rief die Bevölkerung zur Einigkeit auf. Die UN-Sonderkoordinatorin für den Libanon Sigrid Kaag nannte das Attentat eine ruchlose Attacke. Die internationale Gemeinschaft stehe an der Seite des Libanon. Auch der mit der Hizbollah verbündete Iran verurteilte die Tat.

USA verurteilen Anschlag

Die US-Regierung hat den Doppel-Anschlag als «entsetzlichen» Terrorakt verurteilt. «Solche Terrorakte stärken nur unsere Verpflichtung zur Unterstützung der staatlichen Institutionen des Libanon, einschliesslich der Sicherheitskräfte, um einen stabilen, souveränen und sichern Libanon zu gewährleisten», erklärte der Sprecher des Nationalen Sicherheitsrats, Ned Price, am Donnerstag.

Auch UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon verurteilte den Anschlag als «verachtenswerte Tat». In einer Erklärung zeigte er sich «zutiefst betrübt» und forderte, die Verantwortlichen schnell zur Rechenschaft zu ziehen. Die UNO werde die Bemühungen des libanesischen Staates und seiner Sicherheitskräfte um die Sicherheit des Landes und der Bevölkerung weiter unterstützen.

Der deutsche Aussenminister Frank-Walter Steinmeier hat sich bestürzt über den Doppel-Anschlag geäussert. Der schreckliche Terroranschlag sei «ein direkter und bewusster Angriff auf die Stabilität des Libanon», erklärte Steinmeier am späten Donnerstagabend in Berlin.

Die Absicht der Attentäter, ein Klima des Hasses und der Zwietracht zwischen den Konfessionen im Libanon zu schüren, dürfe nicht aufgehen. «Ich fordere daher alle gemässigten politischen Kräfte im Libanon auf, sich nun mehr denn je um einen politischen Ausgleich zu bemühen und einer weiteren Eskalation entgegenzuwirken», fügte Steinmeier hinzu.

1,1 Millionen Syrer sind in den Libanon geflohen

Das Stadtviertel gilt als Hochburg der schiitischen Miliz Hizbollah, die den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad im Bürgerkrieg unterstützt. Beide bekämpfen in Syrien auch gegen den IS. Mehr als 1,1 Millionen Syrer sind vor den Kämpfen in den Libanon geflohen.

In dem Viertel hatte es bereits mehrmals Anschläge gegeben. Sunnitische Extremisten haben mit weiteren Attacken gedroht. Der Anschlag vom Donnerstag ist der zweite in Beirut, für den der ISdie Verantwortung übernimmt. Vor knapp zwei Jahren hatte die Terrormiliz ein anderes Schiitenviertel in der Stadt angegriffen, wie die Gruppe Site Intelligence Group mitteilte, die Extremistenwebseiten beobachtet. (AFP)

Erstellt: 12.11.2015, 18:51 Uhr

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