Der russische Bombenteppich

Dank der russischen Luftwaffe sind die Truppen des syrischen Regimes auf dem Vormarsch. Zahlen und Fakten zum Einsatz.

Am 15. Januar zog das russische Verteidigungsministerium Bilanz über die ersten drei Monate des Einsatzes in Syrien. (Screenshot Pressekonferenz russisches Verteidigungsministerium)

Am 15. Januar zog das russische Verteidigungsministerium Bilanz über die ersten drei Monate des Einsatzes in Syrien. (Screenshot Pressekonferenz russisches Verteidigungsministerium)

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In der Nacht haben sich die USA, Russland und die wichtigen Regionalmächte, die in Syrien aktiv sind, auf eine Feuerpause in einer Woche geeinigt. Noch gehen die Kämpfe weiter. Russische Jets flogen auch heute wieder Angriffe nahe Aleppo, der wichtigsten Grossstadt, die Gegner des syrischen Regimes noch zum Teil kontrollieren.

Seit Ende September werfen russische Jets Bomben über Syrien ab. Am 15. Januar zog das russische Militär Bilanz. Auf einer grossen Leinwand wurden den Pressevertretern Zahlen, Karten und Videos von Luftschlägen präsentiert. Die Kernbotschaft lautete: Man habe die «Terroristen» empfindlich getroffen und weiträumig zurückgedrängt.

5662Flüge zwischen dem 30. September 2015 und Mitte Januar 2016

Bis dahin hatten die Russen laut eigenen Angaben bereits 5662-mal ein Flugzeug zu einem Kampfeinsatz losgeschickt. Seither sind nochmals gegen 1500 Starts hinzugekommen, wie den verschiedenen offiziellen Communiqués des Verteidigungsministeriums zu entnehmen ist.

Russland führt nach eigener Darstellung in Syrien einen Krieg gegen den Terror. Deshalb nennt es seine Gegner auch pauschal «Terroristen». In der offiziellen Kommunikation wird primär der Kampf gegen den Islamischen Staat betont.

Analysen der Angriffsziele zeigen aber, dass bis heute vor allem Gebiete bombardiert werden, in denen der IS gar nicht präsent ist. Gut sichtbar wird das in einer Grafik des amerikanischen Institute for the Study of War für den Zeitraum vom 29. Januar bis zum 7. Februar. Das Territorium des IS ist grau markiert, jenes der Kurden violett, jenes anderer Rebellengruppen gelb und das Gebiet der syrischen Regierung rosa.

Russische Luftangriffe zwischen dem 29. Januar und dem 7. Februar. (Quelle: Institute for the Study of War) Zum Vergrössern hier klicken.

Auf der Karte ist gut erkennbar, wie die russische Luftwaffe die Offensiven der syrischen Armee in der Region um die Grossstadt Aleppo und in der Provinz Latakia im Grenzgebiet zur Türkei vorbereitete. Hier eskalierte die Lage vor und während der Friedensgespräche in Genf, die letzte Woche ergebnislos abgebrochen wurden.

Wer genau ins Visier genommen wurde, ist kaum nachprüfbar. Denn in beiden Gebieten operieren neben moderaten Rebellengruppen auch islamistische Organisationen wie die Al-Nusra-Front. Letztere wird auch vom UNO-Sicherheitsrat als Terrororganisation eingestuft.

Die Luftschläge der US-Streitkräfte konzentrieren sich in Syrien dagegen viel stärker auf Gebiete, die vom IS kontrolliert werden. Jedoch auch nicht ausschliesslich, wie eine laufend aktualisierte Übersichtsgrafik der BBC zeigt, die hier zu finden ist.

Über 1000 tote Zivilisten

Gemäss Berichten von Menschenrechtsorganisationen geht die russische Luftwaffe bei ihren Einsätzen weniger zurückhaltend vor als die Koalition unter Führung der USA. Russische Bomben sollen in Syrien schon mehr als 1000 Zivilisten getötet haben. Im Fall der USA sollen es einige hundert Zivilisten sein. Die US-Koalition fliegt schon ein Jahr länger Angriffe als die Russen.

Weiter wirft die Organisation Human Rights Watch der russischen Luftwaffe vor, in Syrien Streubomben einzusetzen. Rund 100 Staaten haben sich inzwischen für einen Verzicht auf Streumunition ausgesprochen, da diese Zivilisten übermässig stark gefährdet. Sowohl Russland als auch die USA haben die entsprechende Konvention jedoch nicht unterzeichnet.

Teile einer Streubombe werden am 30. Januar 2016 in der syrischen Stadt Kfat Zita eingesammelt. Quelle: HRW/Syria Civil Defense

Human Rights Watch dokumentierte seit Ende Januar in mindestens 14 Fällen den Einsatz von Streumunition durch Russland. Der Kreml weist dies zurück. (ldc)

Erstellt: 12.02.2016, 18:01 Uhr

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