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800 Tonnen Raketen und Bomben, 100 Tote

Heftige israelische Luftangriffe auf Ziele im Gazastreifen haben mehr als 100 Menschen getötet. Im Gegenzug nahmen militante Palästinenser den internationalen Flughafen Ben Gurion bei Tel Aviv ins Visier.

Feiern sich als Sieger: Palästinenser in Gaza-Stadt nach der Einigung auf die Waffenruhe. (26. August 2014)
Feiern sich als Sieger: Palästinenser in Gaza-Stadt nach der Einigung auf die Waffenruhe. (26. August 2014)
AP Photo/Khalil Hamra, Keystone
Jubel in Gaza-Stadt: Eine Familie in einem Auto. (26. August 2014)
Jubel in Gaza-Stadt: Eine Familie in einem Auto. (26. August 2014)
AP Photo/Adel Hana, Keystone
Public Viewing der besonderen Art: Israelis sitzen auf einem Sofa auf einem Hügel der Stadt Sderot und blicken in Richtung Gazastreifen. (12. Juli 2014)
Public Viewing der besonderen Art: Israelis sitzen auf einem Sofa auf einem Hügel der Stadt Sderot und blicken in Richtung Gazastreifen. (12. Juli 2014)
Lefteris Pitarakis, Keystone
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Die israelische Luftwaffe fliegt seit Dienstag massive Einsätze gegen Ziele im Gazastreifen, um die Raketenangriffe durch militante Palästinenser zu unterbinden. Auslöser der schwersten Krise seit 2012 waren der gewaltsame Tod dreier jüdischer Jugendlicher und der mutmassliche Rachemord an einem palästinensischen Knaben. Darüber hinaus will die im Gazastreifen herrschende Hamas Israel und Ägypten zwingen, die Abriegelung des Gebietes zu lockern.

Binnen drei Tagen beschoss die Luftwaffe nach israelischen Angaben 1100 Ziele im Gazastreifen. Mehr als 800 Tonnen Raketen und Bomben schlugen nach Armeeangaben in dem kleinen Palästinensergebiet am Mittelmeer ein. Über 100 Menschen wurden nach palästinensischen Angaben getötet, weitere 680 verletzt. Bei den meisten Opfern handelt es sich um Zivilisten.

Mögliche Bodenoffensive

Das israelische Sicherheitskabinett beschloss am Donnerstagabend, die Luftangriffe auf den Gazastreifen weiter auszudehnen. Ausserdem wurden drei Infanteriebrigaden an die Grenze verlegt - für eine mögliche Bodenoffensive, um den Raketenbeschuss aus dem Gazastreifen zu unterbinden. Insgesamt wurden 33'000 israelische Reservisten mobilisiert.

US-Präsident Barack Obama bot dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanyahu eine Vermittlung an. Zugleich signalisierte Washington Israel Rückendeckung im Fall einer Bodenoffensive.

Militante Palästinenser feuerten in den vergangenen Tagen nach israelischen Angaben 550 Raketen auf Israel ab. Die Raketenabwehr habe etwa 120 weitere Geschosse in der Luft abgefangen, sagte der israelische Armeesprecher Peter Lerner.

Am Freitag beschossen Palästinenser erstmals den internationalen Flughafen Ben Gurion. Drei Raketen seien über dem Grossraum von Tel Aviv abgefangen worden, teilte die israelische Armee mit. Erstmals seit Beginn des Schlagabtausches wurden auch aus dem Libanon Raketen auf Israel abgefeuert.

Kritik wegen ziviler Opfer

Die UNO-Menschenrechtskommissarin Navi Pillay rief Israel wie auch Palästinenser auf, die Rechte der Zivilbevölkerung zu respektieren. Sie kritisierte sowohl das israelische Vorgehen als auch die Raketenangriffe militanter Palästinenser. Berichte über die Bombardierung von Wohnhäusern im Gazastreifen gäben Anlass zur Sorge, dass Israel die Menschenrechte verletze, sagte Pillay in Genf.

Die israelische Armee betonte, sie tue alles, um den Tod von Zivilisten zu verhindern. Doch in vielen Fällen würden die Hamas-Mitglieder ihre Wohnhäuser zum Beispiel als Waffenlager oder Kommandozentralen benutzen. In diesen Fällen würden die Häuser «nach internationalem Recht zu militärischen Zielen», heisst es in einer Mitteilung. Dabei sei es «unvermeidlich», dass auch Zivilisten zu Schaden kämen.

Warnungen ohne Wirkung

Kritik an den israelischen Luftangriffen äusserte auch die israelische Menschenrechtsorganisation «Betselem». Die Angriffe stellten «einen schweren Bruch des Völkerrechts» dar.

Um zivile Opfer zu vermeiden, kündigt die israelische Armee ihre Angriffe gewöhnlich telefonisch an. Anschliessend setze das Militär einen «Warnschuss» ab, indem es eine Mini-Rakete ohne Sprengkopf auf das Dach abschiesse, berichtete «Betselem». Die Bewohner könnten sich in Sicherheit bringen. Danach werde das markierte Haus bombardiert.

Nach Angaben der UNO-Hilfsorganisation für Palästinaflüchtlinge (UNRWA) wurden schätzungsweise 300'000 der 1,8 Millionen Bewohner des Gazastreifens zum Verlassen ihrer Häuser aufgefordert. Diese Taktik habe die israelische Armee bereits im Gaza-Krieg 2012 angewandt, schrieb der UNRWA-Sprecher Chris Gunness im Kurzmitteilungsdienst Twitter. Allerdings würden viele Zivilisten dieser Aufforderung diesmal keine Folge leisten.

AP/sda/chk

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