AFP-Fotograf und BBC-Reporter sterben bei Anschlag in Afghanistan

Eine Attentatsserie hat in Afghanistan Dutzende Opfer gefordert. Unter den Toten sind mehrere Journalisten.

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Afghanistan ist am Montag von einer Attentatsserie heimgesucht worden. Bei einem Doppelanschlag der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in der Hauptstadt Kabul wurden nach Behördenangaben 25 Menschen getötet, unter ihnen mehrere Journalisten.

Die beiden Anschläge in der Hauptstadt, zu denen sich der IS bekannte, wurden kurz hintereinander während des morgendlichen Berufsverkehrs im Viertel Schaschdarak verübt. Ein Attentäter auf einem Motorrad sprengte sich nahe dem Sitz des Geheimdienstes NDS in die Luft und tötete mehrere Menschen. In dem Stadtviertel befinden sich auch die US-Botschaft und das Nato-Hauptquartier.

Bombe explodiert in Journalistengruppe

Wenig später wurde eine zweite Bombe in demselben Stadtviertel in einer Gruppe von Journalisten gezündet, die zum Anschlagort geeilt waren, wie ein Polizeisprecher sagte. Dabei seien mehrere Journalisten getötet oder verletzt worden.

Der Selbstmordattentäter des zweiten Anschlags hatte sich laut Berichten als Journalist ausgegeben und eine Kamera getragen. Die Bombe explodierte, als Helfer sich um die Verletzten des ersten Anschlags kümmerten.

Der Chef-Fotograf der französischen Nachrichtenagentur AFP, Shah Marai, und BBC-Reporter Ahmad Shah waren unter den Todesopfern. Die anderen getöteten Journalisten arbeiteten für die afghanischen Fernsehsender 1TV, Tolo News und Dschahan TV. 49 Menschen wurden zum Teil schwer verletzt, wie das Innenministerium mitteilte. Die Organisation «Reporter ohne Grenzen» sprach vom tödlichsten Tag für Journalisten in Afghanistan seit dem Sturz der Taliban 2001.

Bestürzung nach Journalisten-Tod

AFP-Informationsdirektorin Michèle Léridon äusserte sich bestürzt über Marais Tod. Dieser sei ein «verheerender Schlag» für die mutigen Kollegen im Kabuler Büro und die Agentur insgesamt. Auch afghanische Behördenvertreter und Journalisten reagierten mit Trauer und Bestürzung.

Frankreich verurteilte den Doppelanschlag in Kabul aufs Schärfste. Angesichts der getöteten Journalisten sprach die Regierung in einer Stellungnahme auf der Webseite ihrer Botschaft in Kabul ihre Unterstützung für die Presse- und Meinungsfreiheit aus.

Auch die USA würdigten in einer Mitteilung auf der Internetseite ihrer Botschaft die «tapferen Journalisten», die bei ihrer Arbeit ums Leben kamen. «Wo die Medien in Gefahr sind, sind alle anderen Menschenrechte umso mehr bedroht», hiess es.

Nach Angaben von «Reporter ohne Grenzen» (ROG) ist Afghanistan das drittgefährlichste Land für Journalisten hinter Syrien und Mexiko. Neun Journalisten verloren dort demnach 2017 in Verbindung mit ihrer Arbeit ihr Leben.

Bei den Explosionen vom Montag handelt es sich bereits um den achten grösseren Anschlag in Kabul seit Jahresanfang. In den ersten vier Monaten des Jahres wurden in der afghanischen Hauptstadt Hunderte Menschen getötet und verletzt.

Elf Kinder getötet

Im Süden Afghanistans tötete ein Selbstmordattentäter derweil mindestens elf Kinder und sich selbst. Bei dem Anschlag nahe einer Moschee in der Provinz Kandahar wurden zudem 16 Menschen verletzt, wie örtliche Behörden mitteilten.

In der Provinz Nangarhar wurde zudem bei einem Anschlag der Chef der Kriminalpolizei des Distrikts Behsud getötet. Der Vize-Bezirksgouverneur sowie drei weitere Polizisten seien verletzt worden, berichtete der Sender Tolo News unter Berufung auf Behörden. (AFP)

Erstellt: 30.04.2018, 16:17 Uhr

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