Ägypten bricht die Beziehungen zu Syrien ab

Bewegung im Syrienkonflikt: Ägyptens Präsident Mursi fordert die Hizbollah auf, Syrien zu verlassen. Das syrische Militär nimmt jedoch trotz der Desertion zahlreicher Offiziere einen Vorort von Damaskus ein.

Die syrische Armee ist auf dem Vormarsch: Pro-Assad-Milizionäre unterwegs nach Aleppo. (15. Juni 2013)

Die syrische Armee ist auf dem Vormarsch: Pro-Assad-Milizionäre unterwegs nach Aleppo. (15. Juni 2013) Bild: Reuters

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Nach der Ankündigung der USA, die syrischen Rebellen künftig auch militärisch zu unterstützen, kommt eine gewisse Bewegung in den Syrienkonflikt.

Die wichtigsten Ereignisse und neuen Erkenntnisse der letzten Stunden:

  • Ägypten bricht die Beziehungen zu Syrien ab
  • Mehr als 70 syrische Offiziere setzen sich in die Türkei ab
  • Das syrische Militär nimmt einen Vorort von Damaskus ein
  • Russland warnt die USA vor Militärmassnahmen in Syrien
  • Die syrische Opposition soll tschetschenische Kämpfer angeworben haben
  • Der US-Entschluss zur Bewaffnung der Rebellen soll bereits früher gefallen sein

Ägypten ruft Botschafter zurück

Ägypten hat seine diplomatischen Beziehungen zu Syrien abgebrochen. Präsident Mohammed Mursi ordnete an, die syrische Botschaft in Kairo zu schliessen. Auch der ägyptische Vertreter in Damaskus sei zurückgerufen worden, sagte Mursi vor Tausenden Anhängern.

Überdies rief Mursi die radikalislamische Hisbollah-Miliz auf, ebenfalls Syrien zu verlassen und ihre Unterstützung für Präsident Bashar al-Assad zu beenden. Die libanesische Miliz kämpft an der Seite der syrischen Regierungstruppen gegen die Rebellen.

Syrisches Militär nimmt Vorort von Damaskus ein

Syrische Regierungstruppen haben laut einem Medienbericht einen Vorort der Hauptstadt Damaskus von den Rebellen zurückerobert. Mehrere Aufständische seien bei der Offensive in der Ortschaft Ahmadije getötet und zahlreiche Häuser zerstört worden, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Sana. Ein Befehlshaber der Rebellen bestätigte, dass seit Freitag in der Region gekämpft wird. Seinen Angaben zufolge kamen mindestens zwei Aufständische um.

Ahmadije liegt in der Nähe des internationalen Flughafens von Damaskus, wo die syrische Armee seit mehreren Wochen versucht, die Rebellen zurück zu drängen.

Mehr als 70 syrische Offiziere setzen sich in die Türkei ab

Nach türkischen Angaben haben sich Dutzende Offiziere der syrischen Regierungstruppen über die Grenze ins Nachbarland Türkei abgesetzt. Binnen 36 Stunden hätten 71 Offiziere, darunter 6 Generäle und 22 Oberste, die Grenze überquert, sagte ein Regierungsvertreter in Ankara der Nachrichtenagentur AFP.

Die Massendesertion geschah nach der Ankündigung der USA, die Rebellen künftig militärisch zu unterstützen. Das Weisse Haus hatte am Donnerstag unter Berufung auf Geheimdiensterkenntnisse erklärt, syrische Regierungstruppen hätten im vergangenen Jahr mehrmals «in geringem Umfang» Chemiewaffen im Bürgerkrieg eingesetzt.

Russland warnt USA vor Militärmassnahmen in Syrien

Damaskus/Moskau/Washington Russland hat erneut die US-Regierung vor Militärmassnahmen im Syrienkonflikt gewarnt. Aussenminister Sergej Lawrow bekräftigte zudem die russischen Zweifel an einem Giftgas-Einsatz in dem Bürgerkriegsland und forderte eine unabhängige Analyse.

Der Einsatz von Chemiewaffen durch die Truppen des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad mache keinen Sinn. «Das Regime feiert militärische Erfolge am Boden, wie die Opposition selbst offen zugibt», sagte Lawrow. «Was für einen Sinn macht es für das Regime, chemische Waffen zu benutzen – vor allem in so kleiner Menge?»

Das Weisse Haus hatte am Donnerstag erklärt, das syrische Regime habe im Kampf gegen die Aufständischen Giftgas eingesetzt und damit eine «rote Linie» überschritten. Washington will nun mit Hilfe des Geheimdienstes CIA den syrischen Rebellen Kleinwaffen und Munition liefern. Russland – das Assad mit Waffen beliefert - betont dagegen, die Beweise für Giftgaseinsätze seien nicht stichhaltig.

Zu Spekulationen über die Einrichtung einer Flugverbotszone über Syrien sagte Lawrow der Agentur Itar-Tass: «Man muss kein Experte sein, um zu verstehen, dass dies gegen internationales Recht verstossen würde.» Flugverbotszonen müssen vom UNO-Sicherheitsrat beschlossen werden. Russland ist dort permanentes Mitglied und hat ein Veto-Recht.

Um eine Annäherung beider Länder zum Thema Syrien zu erreichen, ist am Montag am Rande des G8-Gipfels in Nordirland ist ein Treffen zwischen Russlands Staatschef Wladimir Putin und US-Präsident Barack Obama geplant.

US-Entschluss soll bereits früher gefallen sein

In der US-Regierung ist laut Medienberichten bereits vor Wochen der Entschluss gereift, Waffen an die Aufständischen in Syrien zu liefern. Der Einsatz von chemischen Waffen durch das syrische Regime sei nur eine neue Rechtfertigung gewesen, berichtete die «Washington Post» unter Berufung auf Regierungsmitarbeiter.

In der US-Führung habe es wachsende Sorge wegen des Grosseinsatzes der libanesischen Hisbollah-Miliz in Syrien und der jüngsten militärischen Siege durch die Truppen von Präsident Assad gegeben, berichtete das «Wall Street Journal». Ein weiterer Grund für den Kurswechsel seien Personalveränderungen im nationalen Sicherheitsrat des Weissen Hauses.

Tschetschenische Kämpfer in Syrien

Dass westliche Länder die Rebellen in Syrien militärisch unterstützen, ist umstritten. Es wird befürchtet, dass die Waffen militanten Islamisten oder Extremisten in die Hände fallen könnten. Denn auch Gruppen, die dem Terrornetzwerk al-Qaida nahestehen, kämpfen in Syrien an der Seite der Rebellen gegen das Assad-Regime.

Der Präsident der russischen Teilrepublik Tschetschenien, Ramsan Kadyrow, wies darauf hin, dass die syrische Opposition seit Monaten Kämpfer aus seinem Land anwerbe. Nach Angaben des Moskauer Inlandsgeheimdienstes FSB kämpfen bis zu 200 radikale Islamisten aus dem Nordkaukasus in Syrien auf der Seite der Rebellen.

Seit Beginn des Konflikts im März 2011 sind in Syrien laut UNO-Angaben mindestens 93'000 Menschen getötet worden. Inzwischen haben Regierungstruppen mit Hilfe der libanesischen Hisbollah-Milizen die Rebellen weiter zurückgedrängt.

(mw/AP/sda/AFP)

Erstellt: 15.06.2013, 21:38 Uhr

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