Ägypten verdächtigt al-Qaida

Nach dem Anschlag auf eine Kirche in Alexandria haben die Behörden erste Verdächtige festgenommen. Die betroffenen Kopten vermuten, dass der Streit um zwei Frauen Grund für den Anschlag ist.

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Ägyptische Ermittler haben nach dem Anschlag auf eine Kirche in Alexandria sieben Verdächtige festgenommen. Das berichtet der «Guardian» heute Morgen. Zehn weitere Verdächtige seien inzwischen wieder freigelassen worden.

Der Selbstmordattentäter riss in der Neujahrsnacht im ägyptischen Alexandria 21 Gläubige mit in den Tod. 97 Menschen wurden nach offiziellen Angaben verletzt. Der koptische Klerus sagte aus Trauer über den Anschlag die Feierlichkeiten zum Weihnachtsfest am 7. Januar ab. Die Terrortat wurde weltweit verurteilt.

Nach Angaben der britischen Zeitung gehen Experten in Ägypten davon aus, dass die Terrororganisation al-Qaida hinter dem Anschlag steckt. «Die technischen Hintergründe, die grosse Anzahl der Opfer und geäusserte Drohungen weisen alle auf al-Qaida hin», zitiert der «Guardian» Diaa Rashwan, einen Terrorexperten aus Kairo. Bislang hat sich niemand zur Tat bekannt.

Streit um zwei Konvertitinnen

Tatsächlich hat die Terrororganisation den Kopten in Ägypten vorgeworfen, zwei zum Islam konvertierte Frauen als «Geiseln» zu halten. Die koptische Kirche widersprach in einer am Sonntag verbreiteten Erklärung dieser Deutung der Tragödie. «Der Anschlag ist das Ergebnis der anhaltenden konfessionellen Stimmungsmache der letzten Monate», hiess es darin. Ägyptische Medien hatten den Fall der beiden angeblichen Konvertitinnen oft reisserisch und tendenziös dargestellt.

Am Sonntag kam es in Alexandria zu neuen Zusammenstössen zwischen Kopten und der Polizei gekommen.Die Polizei habe Tränengas eingesetzt. Nach Medienberichten verlangten die Demonstranten in Alexandria und Kairo einen besseren Schutz für Christen in Ägypten. Auch in Assiut - knapp 400 Kilometer südlich von Kairo - hätten etwa 2000 Kopten demonstriert, schrieb die Zeitung «The Daily News Egypt» online. Sicherheitskräfte hätten mehrere Verdächtige festgenommen, berichtete der arabische Nachrichtensender al-Jazeera .

Immer wieder Auseinandersetzungen

Wütende Christen bewarfen nach dem Anschlag eine Moschee in der Nähe mit Steinen. Die Polizei trieb die Menge auseinander. Die St. Markus- und Petri-Kirche ist eines der grössten Gotteshäuser der Kopten in Alexandria.

Der ägyptische Präsident Hosni Mubarak rief alle Ägypter, ob Christen oder Muslime, zu Geschlossenheit bei der Bekämpfung des Terrorismus auf. Seine Behörden würden dafür sorgen, dass die Täter aufgespürt würden und «dem Terrorismus der Arm abgehackt» werde, erklärte Mubarak in einer Fernsehansprache. Auch das amtliche Islam-Institut Al-Azhar und die oppositionelle islamische Moslembruderschaft verurteilten den Anschlag.

Etwa zehn Prozent der Ägypter sind Christen. Wegen des Baus von Kirchen, Konvertierungen und Landdisputen kommt es immer wieder zu Spannungen und gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Christen und Muslimen.

(oku/sda)

Erstellt: 03.01.2011, 08:05 Uhr

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