Ägyptens Todesurteilsautomaten

Die neusten Todesurteile gegen Mursi-Anhänger verschärfen den Konflikt zwischen Staat und Islamisten.

Brutale Methoden der ägyptischen Obrigkeit: Bestürzte Angehörige von zu Tode Verurteilten.

Brutale Methoden der ägyptischen Obrigkeit: Bestürzte Angehörige von zu Tode Verurteilten. Bild: Reuters

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Noch ein Gerichtstag in Ägypten, wieder Hunderte Todesurteile nach Blitzverfahren, über 600 diesmal, wieder in Minia, der oberägyptischen Hochburg der Muslimbruderschaft, vernachlässigt, verarmt, radikal – nicht erst seit heute. Unter den Verurteilten für den Überfall auf eine Polizeistation ist Mohammed Badie, Oberhaupt der Muslimbruderschaft und angeklagt in diversen Prozessen. Ein Todesurteil gegen den «Murshed» – auch dies hat es schon einmal gegeben.

Es sind alte brutale Methoden, Signal-, ja, Schau-Urteile, in einem vertrauten Konflikt: der Sicherheitsapparat gegen die Islamisten. Jeder Vernünftige und viele Ägypter wissen sehr wohl, dass diesen Konflikt niemand gewinnen kann, aber vor allem das Land verliert. Aber ein paar Rechnungen sind noch offen, ein paar Eskalationsstufen geht es noch hinauf, bis die Kontrahenten erkennen, dass Gewalt nicht das einzige Instrument in einer politischen Auseinandersetzung ist.

Richterschaft verspielt Vertrauen

Zwar verkündet der Innenminister in begeisterter Realitätsferne, 99 Prozent der terroristischen Zellen seien vernichtet. Aber viele Menschen wissen es besser. Allmählich – endlich! – weicht bei vielen sogar die kindliche Heilserwartung an Ex-Armeechef Sisi, der demnächst wohl Präsident wird. Strom, Wasser, Lebensmittelpreise, Streiks – nicht mal ein Supermann könnte diese Plagen schnell beenden. Und dass die Richterschaft sich als Todesurteilsautomat gibt und damit als zivile Institution auf lange Zeit Vertrauen verspielt, dürfte den Weg zur Stabilität nicht leichter machen.

Erstellt: 28.04.2014, 14:18 Uhr

Sonja Zekri ist Korrespondentin von Tagesanzeiger.ch/Newsnet in Kairo.

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