Afrikas Herz schlägt für Handys

Die wirtschaftliche Verflechtung von Afrika und China wird immer enger. Das zeigt nicht nur die Reise des chinesischen Präsidenten in den Kongo, sondern auch der Boom der Mobiltelefone.

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Der chinesische Präsident Xi Jinping besucht zum ersten Mal Afrika, den «Kontinent der Hoffnung und des Versprechens». Nach dem Besuch in Tansania und Südafrika, wo er zahlreiche Kooperationsabkommen abgeschlossen hat, steht die Demokratische Republik Kongo auf Jinpings Reiseplan. Der kongolesische Präsident Denis Sassou-Nguesso sagte am Mittwoch gegenüber den Medien, der Besuch von Xi Jinping sei ein historisches Ereignis.

An der Zusammenarbeit mit Afrika hat China handfeste Interessen. Der Handel mit Afrika ist in den vergangenen Jahren explodiert. 2012 erreichte das Handelsvolumen rund 200 Milliarden Dollar. Wenn der östliche Wirtschaftsriese das Potenzial Afrikas lobt, hat er also nicht zuletzt dessen Rohstoffreichtum im Auge. Tansania, Südafrika und besonders der Kongo besitzen Bodenschätze, die China braucht. Gold, Diamanten, Coltan, Blei, Zink, Mangan, Uran und Kohle liegen unter der Oberfläche des zweitgrössten afrikanischen Staates.

Blutiger Coltanabbau

Einer der Rohstoffe, die die chinesische IT-Industrie besonders interessieren, ist das Erz Coltan (Columbit-Tantalit). Coltan wird für die Produktion von Kondensatoren in Mikrochips von Mobiltelefonen und Laptops verwendet. Ein Grossteil der weltweiten Coltan-Vorräte liegt in den bewaldeten Hügeln der östlichen Kivu-Provinzen. Hier herrscht seit anderthalb Jahrzehnten ein blutiger Dauerkrieg zwischen den Regierungssoldaten und verschiedenen Rebellengruppen. Die Nachrichtenagentur Afrika.info berichtet, dass sich die Zahl bewaffneter Rebellengruppen in Nord- und Südkivu in den letzten fünf Jahren verdoppelt habe. Die Zivilbevölkerung bezahlt den Blutzoll und flieht vor der Gewalt. Hilfswerke sprechen von Tausenden von Flüchtlingen. Allein nach Ruanda sollen im Jahr 2012 43'000 Kongolesen geflohen sein.

Die Kämpfer unterschiedlicher Provenienz und Ethnien greifen Dörfer an und zwingen die Zivilbevölkerung in die Minen. Dort kratzen die sogenannten Local Diggers das Coltan in Handarbeit aus der Erde. Für den Weiterverkauf des Erzes müssen sie den jeweiligen Machthabern eine «Steuer» abliefern. Die sogenannte Lala Salama ist laut Afrika.info in vielen Ostprovinzen des Kongo verbreitet und finanziert den Krieg. «Politische Ziele sind bei den Kämpfenden kaum mehr auszumachen, es geht um die Kontrolle der Bergwerke», schrieb jüngst der «Spiegel». Wer die Bergwerke kontrolliert, wird reich – und hat dementsprechend wenig Interesse an einer Lösung des Konflikts.

Kein Luxusgut

Das Coltan gelangt über Uganda und Ruanda nach China oder Südkorea, wo es verarbeitet und in die Mikrochips von Handys eingebaut wird. In der Form von Mobiltelefonen kehrt es danach wieder in den Kongo zurück. Trotz der bitteren Armut besitzt die Mehrheit der Kongolesen nämlich ein Handy. Nach Angaben der Regierung hatten im vergangenen Jahr etwa 90 Prozent der Einwohner des Kongo Zugang zu Mobiltelefonen. «Selbst die Ärmsten haben ein Handy», sagt Thierry Lézin Moungalla, der kongolesische Minister für Telekommunikation, gegenüber Afrika.info. Die wachsende Verbreitung von Mobiltelefonen interpretiert «The Economist» als Beleg für das Wirtschaftswachstum des «aufstrebenden Afrika». Der Markt für Telekommunikation in Afrika ist noch lange nicht ausgeschöpft.

In westlichen Ländern mag es erstaunen, dass Millionen von Menschen, die zum grossen Teil von der Hand in den Mund leben, ein Mobiltelefon besitzen. Doch Handys haben einen grossen Vorteil: Sie funktionieren orts- und kabelunabhängig. In einem grossen Land, in dem es an Infrastruktur wie Strassen und Leitungen mangelt, bietet das Mobilfunknetz eine attraktive Möglichkeit der Kommunikation.

Infrastruktur aus China

Trotz des unermesslichen Reichtums an Rohstoffen profitiert die Mehrheit der Kongolesen bisher wenig vom Export von Coltan und anderer für die IT-Industrie notwendiger Stoffe. Solange die Bodenschätze des Kongo in der Illegalität des Bürgerkriegs abgebaut werden, schafft der Rohstoffboom weder stabile Arbeitsplätze, noch trägt er zum Aufbau eines funktionierenden Staates bei.

Doch auch hier springen Chinesen in die Bresche: Chinesische Unternehmen betreiben in afrikanischen Ländern gross angelegte Infrastrukturprojekte. Diese dienen nicht zuletzt der Erschliessung der Minen, tragen aber auch zur technischen Modernisierung des Landes bei. So verlegt das Unternehmen China Intertelecom Constructions ein Glasfaserkabel quer durch den Kongo. Dazu reisen unzählige chinesische Ingenieure und Bauarbeiter in das Herz Afrikas.

Das erste afrikanische Smartphone

Die Zusammenarbeit zwischen China und dem Kongo folgte bisher der Logik: Afrika liefert die Rohstoffe und China die Technologie. Ein Handypionier aus Kongo-Brazzaville zeigt nun, dass sich das langsam ändern könnte. Der junge Informatiker Vérone Mankou hat nach einem Tablet nun auch ein Smartphone entwickelt. Ende 2012 kamen 5000 Stück auf den Markt. Das berichtet Afrika.info. Das erste afrikanische Smartphone – sein Name Elikia bedeutet Hoffnung – läuft mit dem Betriebssystem Android und kostet umgerechnet 190 Dollar. Dieser Preis liegt deutlich unter denjenigen internationaler Hersteller, die am Absatzmarkt Afrika natürlich interessiert sind. Damit dieser günstige Preis garantiert werden kann, wird Elikia bezeichnenderweise in China produziert.

Auch innovative Köpfe aus Kamerun, Nigeria und Kenia lassen eigene Tablets in China produzieren. Die «Africa Review» schreibt: «Junge Afrikaner entwickeln Geräte, die mit ausländischen Produkten konkurrieren können.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 28.03.2013, 15:05 Uhr

(Bild: TA-Grafik)

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Konfliktmineralien

Die US-Börsenaufsicht hat Coltan und andere Tantal-Erze 2010 offiziell als «Konfliktmineralien» klassifiziert. In den USA börsennotierte Unternehmen müssen jedes Jahr erklären, ob sie Mineralien aus der Demokratischen Republik Kongo oder einem Nachbarland verwenden. Falls sie das tun, müssen sie nachweisen, dass es sich nicht um Konfliktmineralien handelt, die direkt oder indirekt bewaffneten Gruppen nützen. Die «tageszeitung» berichtet, dass dieses neue Gesetz zum Zusammenbruch des legalen Mineralienexports aus dem Ostkongo geführt habe. Dass die Nachfrage aus den USA zurückgegangen ist, kann China nur freuen. (mal)

Mit einer App die Familie suchen

Auch Unicef macht sich Smartphones zunutze. Das Kinderhilfswerk hat die Mobile-App Rapid FTR entwickelt. Sie soll kongolesischen Flüchtlingskindern in Uganda helfen, ihre Familienmitglieder, die sie während der Kriegswirren verloren haben, wiederzufinden.

Vérone Mankou stellt sein Smartphone vor

Illegaler Coltanabbau im Kongo

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