Angst vor neuem Bürgerkrieg im Südsudan

Die blutigen Unruhen im jüngsten Staat der Welt sollen etwa 500 Tote gefordert haben. Präsident Salva Kiir hat Spitzenpolitiker festnehmen lassen, die angeblich Putschisten sind.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Im Zusammenhang mit einem angeblichen Putschversuch im Südsudan sind zu Beginn der Woche wesentlich mehr Menschen ums Leben gekommen als ursprünglich angenommen – womöglich sogar bis zu 500 Personen, offenbar fast ausschliesslich Soldaten. Diese Zahl soll der Chef der UNO-Friedenstruppen, Herve Ladsous, am Dienstag in einer nicht öffentlichen Sitzung des Sicherheitsrat in New York genannt haben, in deren Verlauf er den Rat von der angespannten Lage in dem vor zweieinhalb Jahren unabhängig gewordenen jüngsten Staat der Welt unterrichtete.

Unter Berufung auf örtliche Quellen sprach Casie Copeland von der Brüsseler Expertengruppe International Crisis Group sogar von «deutlich über 500 Toten»: Die Hauptstadt des Südsudan, Juba, soll «teilweise in Schutt und Asche gelegt» worden sein. UNO-Quellen wollen ausserdem von 800 Verletzten wissen, mehr als 20'000 Menschen seien in das Hauptquartier des Staatenbunds in Juba geflohen. Zwei Tage nach dem vermeintlichen Putschversuch weiteten sich die Kämpfe offenbar auch auf die Provinzstadt Bor aus: Das Mobilfunknetz des Landes ist nach wie vor lahmgelegt.

Kämpfe wegen eines «Missverständnisses»

Die Regierung unter Präsident Salva Kiir liess unterdessen zehn, zum Teil hochrangige Politiker festnehmen: Der Kopf der angeblichen Putschisten, der ehemalige Vizepräsident Riek Machar, soll sich indessen noch auf der Flucht befinden. Gegenüber dem in Paris beheimateten südsudanesischen Onlinedienst «Sudan Tribune» dementierte Machar, dass es sich um einen Putschversuch gehandelt habe: Die Kämpfe zwischen den verschiedenen Einheiten der Präsidentengarde seien vielmehr auf ein «Missverständnis» zurückzuführen.

Zu den verhafteten Personen zählen der ehemalige Finanzminister Kosti Manibe, Ex-Justizminister John Luk Jok sowie der einstige Innenminister Gier Chuang Aluong, die allesamt gemeinsam mit Vizepräsident Machar im Juli von Präsident Kiir gefeuert worden waren: ein Hinweis darauf, dass es sich um einen Machtkampf innerhalb der regierenden Südsudanesischen Volksbefreiungsbewegung (SPLM) handelt.

Konflikte entlang ethnischer Trennungslinien

Beobachter befürchten, dass sich der Konflikt in einen regelrechten neuen Bürgerkrieg ausweiten könnte. Die Kämpfe fänden grösstenteils entlang ethnischer Trennungslinien zwischen den beiden grössten südsudanesischen Bevölkerungsgruppen statt, gab Frankreichs UNO-Botschafter Gerard Araud in New York bekannt: den Dinka, zu denen Präsident Kiir zählt, sowie den von Machar geführten Nuer.

Im Südsudan selbst wurde diese Darstellung allerdings dementiert: Der Konflikt habe nichts mit ethnischer Zugehörigkeit zu tun, wird der Gouverneur der Provinz Unity, Simon Kun Pouch, auf der offiziellen Webseite der Regierung zitiert. Kritik am Führungsstil Kiirs wird bereits seit längerer Zeit geäussert: Dem Präsidenten wird unter anderem vorgeworfen, nicht konsequent genug gegen die weitverbreitete Korruption in dem Erdöl exportierenden Staat vorzugehen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 18.12.2013, 18:55 Uhr

Artikel zum Thema

Bis zu 500 Tote im Südsudan

Die Gewalt im Südsudan eskaliert: Kämpfe gegen Putschisten in den Reihen der Armee könnten bisher 500 Todesopfer gefordert haben. Der Konflikt verläuft offenbar entlang ethnischer Linien. Mehr...

Soldaten wollten Regierung im Südsudan stürzen

Mehrere Militäreinrichtungen in der Hauptstadt Juba wurden von Soldaten angegriffen – erfolglos. Der südsudanesische Staatschef spricht von einem Putschversuch. Verantwortlich soll der Ex-Vizepräsident sein. Mehr...

Einigung im sudanesischen Öl-Streit

Weil Khartum als Bezahlung selbstständig Öl abzweigte, stoppte Südsudan die Produktion, die Wirtschaft brach ein. Nun haben die beiden Staaten eine Einigung erreicht. Mehr...

Krise im Südsudan

Briten ziehen Botschaftspersonal ab

Grossbritannien reagiert auf die Krise im Südsudan und zieht einen Teil seines diplomatischen Personals aus dem Land ab. Das teilte das Aussenministerium in London am Mittwoch mit. Die Botschaft selbst bleibe aber geöffnet. Am Dienstag hatte bereits die Vertretung der USA ihre Arbeit ausgesetzt und US-Bürger in dem Land zur unverzüglichen Ausreise aufgerufen. Die Unruhen weiten sich inzwischen von Juba auf andere Landesteile aus. (vin/dapd)

Bildstrecke

Der Südsudan feiert seine Unabhängigkeit

Der Südsudan feiert seine Unabhängigkeit Am 9. Juli 2011 hat sich der Südsudan offiziell vom Norden losgelöst und ist damit zum jüngsten afrikanischen Staat geworden.

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Blogs

Sweet Home Zwischen Blau und Grün

Mamablog Weihnachts-Countdown ohne Stress

Die Welt in Bildern

Umstrittene Staatsoberhäupter: Bewohner von Pyongyang verneigen sich zu Ehren des siebten Todestags des nordkoreanischen Dikdators Kim Il Sung vor seiner Statue und deren seines Nachfolgers Kim Jong Il. (17. Dezember 2018)
(Bild: KIM Won Jin) Mehr...