Assad soll Streubomben eingesetzt haben

Neue Anklage an das syrische Regime: Hunderte NGOs werfen der Regierung vor, umstrittene Streubomben in grossem Ausmass eingesetzt zu haben. Mindestens 165 Personen sollen dadurch getötet worden sein.

Möglicher Streubombeneinsatz in Syrien: Ein Junge hält in der Nähe der syrischen Stadt Aleppo nicht explodierte Streubomben in den Händen. (21. Februar 2013)

Möglicher Streubombeneinsatz in Syrien: Ein Junge hält in der Nähe der syrischen Stadt Aleppo nicht explodierte Streubomben in den Händen. (21. Februar 2013) Bild: Reuters

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Rund 350 Nichtregierungsorganisationen aus aller Welt haben der syrischen Regierung den Einsatz von Streubomben in grossem Ausmass vorgeworfen. Mindestens vier Mal seit Mitte 2012 habe das syrische Militär diese Munitionsart eingesetzt. Das letzte Mal geschah dies im vergangenen März, wie aus dem heute in Genf veröffentlichten Bericht der Koalition über Streumunition hervorgeht. Der Koalition gehören 350 NGO aus 90 Ländern an.

Syrien habe 2012 und 2013 als einziges Land Streubomben abgeworfen. Die Bomben seien in dicht bevölkerten Gebieten eingesetzt worden. Beim letzten erfassten Einsatz seien die Bomben am 1. März auf ein Wohnquartier um die Mittagszeit abgeworfen worden, als Kinder draussen spielten. Es seien mindestens 19 Personen getötet und 60 verletzt worden. Die nicht explodierte Munition sei für die Bevölkerung noch über Jahre hinweg eine grosse Gefahr.

Munition aus Russland und Ägypten

Insgesamt seien in den vergangenen Monaten in Syrien mindestens 165 Personen durch Streubomben getötet worden. Es sei «wahrscheinlich», dass in Syrien eingesetzte ägyptische und russische Streubomben vor dem aktuellen Konflikt ins Land gebracht worden seien, heisst es in dem Bericht.

17 Staaten stellen trotz der breiten internationalen Verurteilung dieser Waffen weiterhin Streumunition her oder behalten sich das Recht vor, dies in Zukunft zu tun. Von diesen Staaten haben drei in der Vergangenheit selbst Streubomben eingesetzt: Israel, die USA und Russland.

Bereits im vergangenen Herbst hatte sowohl die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) als auch die französische Regierung Syrien den Einsatz von Streubomben vorgeworfen.

Grossflächig verseucht

Die NGO-Koalition gibt in ihrem Bericht jeweils einen Überblick über die Verwendung dieser weitgehend geächteten Waffen. Die Konvention zum Verbot von Streumunition war 2008 verabschiedet worden und trat 2010 in Kraft. Syrien ist kein Unterzeichnerstaat.

Bis Ende Juli 2013 schlossen sich 112 Staaten der Konvention an, welche die Anwendung, Herstellung, Lagerung und den Verkauf solcher Waffen verbietet. In der Schweiz trat die Konvention im Januar 2013 in Kraft.

Streubomben setzen viele kleine Bomben über grosse Flächen frei. Diese Flächen bleiben wegen der grossen Zahl von Blindgängern auch nach dem Ende eines Konflikts verseucht. Genau wie Landminen geht die Munition bei Berührung in die Luft; wer nicht sofort getötet wird, überlebt meist schwer verstümmelt. (ajk/sda)

Erstellt: 04.09.2013, 13:07 Uhr

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