Israel tötet Aktivisten – weltweite Kritik

Mit einem nächtlichen Angriff auf ein internationales Solidaritätsschiff vor der Küste Gazas erntet Israel heftige Kritik. Noch ist unklar, was genau passiert ist.

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Israel hat mit einem Angriff auf einen internationalen Schiffskonvoi mit Hilfsgütern für Palästinenser Bestürzung in weiten Teilen der Welt ausgelöst. Laut israelischem Privatfernsehen wurden am Montagmorgen 19 Menschen getötet und 26 verletzt, als die Flottille mit Kurs auf den Gazastreifen gewaltsam gestoppt wurde.

Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas nannte den Einsatz ein «Massaker». Nach einem Bericht des israelischen Privatsenders «10» eröffneten israelische Soldaten das Feuer, nachdem einige der pro-palästinensischen Aktivisten der Flottille sie mit Äxten und Messern angegriffen hätten. Die israelische Armee sprach von mindestens zehn Toten beim Sturm auf den Konvoi in internationalen Gewässern im Mittelmeer. In einem unbestätigten Bericht des von der radikalislamischen Hamas betriebenen Fernsehsenders El-Aksa war von etwa 50 Verletzten die Rede.

«Enorme Provokation»

Israels Industrie- und Handelsminister Benjamin Ben Elieser drückte sein «Bedauern über die Toten» aus. Die Armee habe nicht die Absicht gehabt, das Feuer zu eröffnen, «aber es gab eine enorme Provokation», sagte Elieser dem israelischen Militärrundfunk. Bei der Erstürmung wurden nach Armeeangaben mindestens vier israelische Soldaten verletzt, einer davon durch eine Kugel.

Palästinenserpräsident Abbas verhängte ein dreitägige Trauer in den Palästinensergebieten und forderte eine Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrates. Die Arabische Liga will auf einer ausserordentlichen Sitzung über «eine gemeinsame arabische Haltung» gegen den Angriff beraten. Der Angriff auf die «Friedens-Flottille» sei «eine sehr starke Botschaft, mit der Israel signalisiert, dass es keinen Frieden will», sagte Liga-Chef Amr Mussa.

Demonstrationen vor israelischen Botschaften

Die Hamas, die im Gazastreifen die Macht hat, rief zu einer Intifada vor den Botschaften Israels in der ganzen Welt auf. Araber und Muslime weltweit sollten sich erheben, erklärte die Bewegung. In Istanbul versammelten sich tausende Menschen zu Protesten vor dem israelischen Konsulat und bewarfen das Gebäude mit Steinen. Die Polizei drängte die Demonstranten mit Wasserwerfern und Reizgas ab. Auch in der jordanischen Hautsstadt Amman protestierten spontan rund 2000 Menschen gegen Israel.

Die Türkei warnte Israel vor möglichen «irreparablen Folgen» des Angriffs in den bilateralen Beziehungen. «Wir verurteilen diese unmenschlichen Praktiken Israels scharf», erklärte das Aussenministerium in Ankara. Der Militäreinsatz gegen die Flottille sei ein «klarer» Bruch des internationalen Rechts.

EU verlangt Untersuchung

Die spanische Regierung, die derzeit die EU-Ratspräsidentschaft innehat, bezeichnete den Militäreinsatz als «vollkommen unangemessen». EU-Aussenministerin Catherine Ashton forderte eine «umfassende Untersuchung» des Vorfalls, wie ihr Sprecher mitteilte. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon zeigte sich wie seine Menschenrechtskommissarin Navi Pillay «schockiert» über die Gewaltanwendung.

Die kleine Flotte mit etwa 10'000 Tonnen Hilfsgüter an Bord sollte offenbar nach ihrem gewaltsamen Stopp zum israelischen Hafen Aschdod eskortiert werden. Seit der Machtübernahme der Hamas im Sommer 2007 im Gazastreifen hält Israel eine Blockade des kleinen Gebietes aufrecht, das mit rund 1,5 Millionen Bewohnern als das dichtest besiedelte der Welt gilt. (afp/ddp/sda)

Erstellt: 31.05.2010, 15:24 Uhr

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