«Bin Laden hatte Helfer in Pakistan»

Obamas Geduld mit Pakistan neigt sich dem Ende zu. Der US-Präsident will wissen, wieso sich Bin Laden sieben Jahre lang frei bewegen konnte. Das Vertrauen in den Verbündeten im Terror-Kampf ist erschüttert.

«Wir wissen nicht, ob Mitglieder der Regierung daran beteiligt waren»: US-Präsident Barack Obama über Bin Ladens Untertauchen in Pakistan.

«Wir wissen nicht, ob Mitglieder der Regierung daran beteiligt waren»: US-Präsident Barack Obama über Bin Ladens Untertauchen in Pakistan. Bild: Reuters

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Eine Woche nach der Tötung von Osama Bin Laden hat US-Präsident Barack Obama von Pakistan eine Untersuchung zu den Helfern des Terrorchefs gefordert. «Wir glauben, dass es ein Netzwerk an Unterstützern in Pakistan für Bin Laden gegeben haben muss», sagte Obama dem Sender CBS in einem Interview. Dieses müsse die pakistanische Regierung untersuchen.

Gleichwohl gebe es aber noch keine Informationen darüber, wer die Helfer Bin Ladens seien, fügte Obama in seinen ersten öffentlichen Äusserungen seit der Tötung des Al-Qaida-Chefs hinzu. «Wir wissen auch nicht, ob Mitglieder der Regierung daran beteiligt waren», sagte er CBS weiter. Pakistan habe zugesichert, ebenfalls ein Interesse daran zu haben, herauszufinden, von wem Bin Laden Unterstützung erhielt. Diese Fragen könnten aber nicht innerhalb weniger Tage geklärt werden.

Keine Alternative zur Kooperation

Der Tod von Al-Qaida-Chef Osama Bin Laden vor den Toren von Islamabad hat sowohl im US-Kongress als auch in der Regierung Barack Obamas für grossen Verdruss über den Verbündeten Pakistan geführt. Gleichwohl wird es kaum zu einem endgültigen Ende der für beide Seiten zuweilen mehr als ärgerlichen Beziehung kommen. Eine echte Alternative zu der Kooperation gibt es nämlich nicht.

«Es ist nicht immer eine einfache Beziehung», bestätigte US-Aussenministerin Hillary Clinton erst vor wenigen Tagen. Es ist aber eine, die für beide Seiten nützlich ist. «Wir werden die Kooperationen zwischen unseren Regierungen, unseren Streitkräften sowie unseren Strafverfolgungsbehörden fortsetzen», sagte Clinton.

Alarmierende Fragen aufgeworfen

Dass Osama Bin Laden ausgerechnet in einer wohnlichen Unterkunft inmitten Pakistans gestellt wurde, hat nicht gerade das Vertrauen der USA in seinen Verbündeten im Anti-Terror-Kampf gestärkt. Denn entweder wussten pakistanische Behörden vom Aufenthaltsort bin Ladens oder sie waren schlicht unfähig herauszufinden, wer da jahrelang direkt vor ihrer Nase lebte.

Ginge es nach den beschämten pakistanischen Behörden, dann trifft letzteres zu, doch im US-Kongress fordern wütende Abgeordnete bereits die Kürzung oder gar Streichung der jährlichen Hilfen für Pakistan in Höhe von beinahe 1,3 Milliarden Dollar (1,1 Milliarden Franken).

Doch ob Komplizenschaft oder Inkompetenz, Pakistans Versagen in Sachen Bin Laden wirft alarmierende Fragen auf. Noch Mitte der Woche lehnte es der Sprecher des Weissen Hauses, Jay Carney, ab, dazu irgendetwas zu sagen.

Gegenseitige Abhängigkeit

Die US-Regierung ist derzeit noch mit Untersuchungen beschäftigt. Doch jeder Beweis, dass Pakistan den getöteten Al-Qaida-Chef oder sein Terrornetzwerk unterstützt hat, erhöht den Druck auf die USA, Hilfen im Militärbereich sowie bei der Unterstützung für die fragile Regierung von Präsident Asif Ali Zardari zu beenden.

Doch keiner von beiden will das. Die USA brauchen Pakistans Hilfe beim Kampf gegen die Anhänger Bin Ladens. Und Zardaris Regierung fürchtet eine Machtübernahme der Islamisten, sollte sie die Unterstützung aus Washington verlieren.

Eine vorbelastete Beziehung

Im US-Kongress gehen die Meinungen derweil auseinander. Während die einen in dem Versteck Bin Ladens den Beweis für Pakistans doppeltes Spiel sehen, fordern andere eine Ausweitung des Kampfes gegen den Terrorismus. Gleichwohl hätte es kaum einen schlechteren Zeitpunkt für die gegenwärtige Krise geben können.

Belastete doch bereits der Fall des CIA-Mitarbeiters Raymond Davis, der zwei Pakistaner tötete sowie Vorwürfe des US-Generalstabschefs das Verhältnis. So hatte Mike Mullen dem pakistanischen Geheimdienst vorgeworfen, Verbindungen zum Hakkani-Netzwerk zu unterhalten. Dabei handelt es sich um eine von Pakistan aus agierenden Gruppierung, die den afghanischen Taliban zuzurechnen ist.

Die USA schliessen weitere Alleingänge nicht aus

US-Vertreter äusserten diese Woche den Verdacht, dass sich auch Al-Qaidas mutmassliche Nummer Zwei, Ajman al Sawahri, in Pakistan aufhalte. Mark Toner, Sprecher des Aussenministeriums in Washington hatte neue Alleingänge der USA jedenfalls nicht ausgeschlossen. Schliesslich sei Al-Qaida nicht von seinem Vorhaben abgerückt, weitere Anschläge auf die USA auszuüben. «Dies ist ein andauernder bewaffneter Konflikt und wir glauben, dass die USA nach internationalem Recht die Autorität besitzen, Gewalt anzuwenden, um sich nötigenfalls selbst zu verteidigen.»

Die USA sind sich dabei aber immer der Tatsache bewusst, dass sie auf Pakistans Unterstützung angewiesen bleiben. Nicht zuletzt bei der Beendigung des Krieges in Afghanistan kommt dem Nachbarland eine Schlüsselstellung zu.

(kpn/sda, dapd)

Erstellt: 09.05.2011, 00:00 Uhr

Pakistans Präsident soll zurücktreten

Der ehemalige pakistanische Aussenminister Shah Mahmood Qureshi hat nach der Tötung von Osama Bin Laden den Präsidenten und den Ministerpräsidenten seines Landes zum Rücktritt aufgefordert.

Der US-Militäreinsatz in der Stadt Abbottabad habe die Souveränität Pakistans verletzt, sagte Qureshi dem Fernsehsender Geo TV. Präsident Asif Ali Zardari und Ministerpräsident Yousuf Raza Gilani sollten dafür die Verantwortung übernehmen und ihre Ämter niederlegen. Qureshi ist ein Parteifreund von Zardari und Gilani und derzeit Abgeordneter der regierenden Pakistanischen Volkspartei.

Chaudhry Nisar Ali Khan, Chef der grössten Oppositionspartei des Landes, forderte auch den Rücktritt der Militär- und Geheimdienstchefs. Nach solch einer grossen Tragödie sollten alle Verantwortlichen zurücktreten. Dies werde von den Bürgern auf der Strasse verlangt. Es wird allgemein davon ausgegangen, dass Militär und Geheimdienst diejenigen sind, die in Pakistan wirklich an den Hebeln der Macht sitzen. (dapd)

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In der Residenz von Bin Laden

In der Residenz von Bin Laden Ein Rundgang durch das Haus des getöteten Terroristen im pakistanischen Abbottabad.

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