Anschläge fordern 70 Tote

Bei einer Anschlagsserie im Irak sind am Montag mindestens 70 Menschen getötet worden. Mehr als 300 weitere wurden verletzt. Eine längere US-Militärpräsenz wird nicht mehr ausgeschlossen

Terror in Irak: Sicherheitskräfte postieren sich in Hajaf um ein zerstörtes Fahrzeug herum.

Terror in Irak: Sicherheitskräfte postieren sich in Hajaf um ein zerstörtes Fahrzeug herum. Bild: Reuters

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Bei einer Serie von Anschlägen in über einem Dutzend Städten im Irak sind nach Behördenangaben mehr als 70 Menschen getötet worden. Über 300 weitere wurden verletzt. Es handelte sich um die schwerste Serie von Anschlägen seit mehr als einem Jahr im Irak. Nach Angaben der Behörden des Landes wurden im Lauf des Montags in 18 Städten 74 Menschen getötet. Die Anschläge richteten sich nicht gegen einzelne Bevölkerungsgruppen, sondern trafen Schiiten, Sunniten und auch Kurden.

Die meisten Opfer wurden im rund 160 Kilometer südöstlich von Bagdad gelegenen Kut gezählt. In der Stadt mit 400'000 Einwohnern detonierten nach Polizeiangaben zwei Sprengsätze. 40 Menschen wurden getötet und 65 weitere verletzt. Die Sicherheitsbehörden machten das Terrornetzwerk al-Qaida verantwortlich. UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon verurteilte die Anschläge scharf, wie ein UNO-Sprecher mitteilte. Die Taten seien besonders schwerwiegend im heiligen Monat Ramadan, hiess es am Montagabend in New York.

Ban forderte die irakische Bevölkerung auf, sich nicht von dem Versuch aufwiegeln zu lassen, mehr Gewalt im Land zu erzeugen. Vielmehr sollte die Führung in Bagdad weiter daran arbeiten, durch einen landesweiten Dialog und Versöhnung Frieden zu schaffen.

Vorwürfe: Christen zu wenig geschützt

Schockiert von der jüngsten Terrorwelle zeigten sich auch die Angehörigen der christlichen Minderheit. Nach dem Bombenanschlag am Montag vor einer im Bau befindlichen syrisch-orthodoxen Kirche in der Stadt Kirkuk, erklärte der Parlamentarier Hassan al-Alawi: «Dies ist nicht nur eine Explosion, die sich gegen ein Bauwerk richtet, das man Kirche nennt, dies ist Teil eines Genozids.»

In einem Telefoninterview der Nachrichtenagentur dpa sagte er weiter: «Die Regierung muss ihrer Verantwortung gerecht werden, damit sich diese Angriffe nicht wiederholen. Sie hat zwar immer wieder versprochen, die Christen zu schützen, aber getan hat sie nichts.»

Präsident Talabani: «Beschlüsse nicht umgesetzt»

Im Irak wächst derweil die Sorge, dass die einheimischen Sicherheitskräfte den Terroristen nach dem geplanten Abzug der US- Truppen zum Jahresende nicht gewachsen sein könnten. Der irakische Präsident Dschalal Talabani erklärte, ohne Lücken im Sicherheitsapparat wäre die Anschlagserie nicht möglich gewesen. «Und der Hauptgrund für diese Lücken ist, dass die politischen Beschlüsse nicht umgesetzt werden», fügte er hinzu.

Nach monatelangem Parteienstreit war im vergangenen Dezember eine Koalitionsregierung unter Ministerpräsident Nuri al-Maliki vereidigt worden. Die Minister für Verteidigung, Inneres und Nationale Sicherheit wurden aber wegen des Streits um die Besetzung dieser Schlüsselressorts bislang noch nicht ernannt.

Längere US-Militärpräsenz nicht ausgeschlossen

Die USA erklärten angesichts der Anschläge, Anfragen der irakischen Behörden nach einem längeren Verbleib der US-Truppen im Land berücksichtigen zu wollen. Die USA waren 2003 mit 130'000 Mann in den Irak einmarschiert; zeitweise waren bis zu 170'000 US-Soldaten im Irak. Seit dem Amtsantritt von Präsident Barack Obama zieht sich das US-Militär nach und nach zurück. (pbe/sda)

Erstellt: 15.08.2011, 23:29 Uhr

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