Bruderkuss von Mursi, Rüffel vom Grossimam

Zum ersten Mal seit 1979 besucht ein iranischer Präsident Ägypten. Die Begrüssung zwischen Mursi und Ahmadinejad fiel harmonisch aus. Doch was die beiden trennt, ist der schiitisch-sunnitische Graben.

Zumindest vordergründig harmonisch: Der ägyptische Präsident Mohammed Mursi (rechts) begrüsst Mahmoud Ahmadinejad bei seiner Ankunft in Kairo.
Video: Reuters

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Erstmals seit der Islamischen Revolution 1979 hat ein iranischer Präsident Ägypten besucht: Der ägyptische Präsident Mohammed Mursi empfing heute seinen iranischen Kollegen Mahmoud Ahmadinejad, der in der Hauptstadt Kairo ab Mittwoch am Gipfel der Organisation für Islamische Zusammenarbeit (OIC) teilnehmen will. Ahmadinejad wurde vom Leiter der Kairoer Al-Ashar-Universität zu aussenpolitischer Zurückhaltung aufgerufen.

Der Iran dürfe sich nicht in die Angelegenheiten der Monarchien am Golf einmischen, forderte Grossimam Ahmed al-Tajjeb anlässlich eines Besuchs von Ahmadinejad an der Al-Ashar-Universität, die Sunniten in aller Welt als oberste Instanz für religiöse und rechtliche Fragen gilt. Namentlich nannte al-Tajjeb die Golf-Monarchie Bahrain, wo es seit Februar 2011 Proteste der mehrheitlich schiitischen Bevölkerung gegen die sunnitische Dynastie gab. Der Grossimam forderte, die Rechte der Sunniten im Iran müssten gewahrt werden. Er verurteilte jede Art der «schiitischen Expansion in sunnitischen Ländern».

Keine diplomatischen Beziehungen seit 1979

Die Kritik al-Tajjebs an der Politik des Iran, des grössten schiitisch geprägten Landes der Welt, war in einer schriftlichen Erklärung enthalten, die beim Besuch Ahmadinejads veröffentlicht wurde. Zu Beginn seines Besuchs in der Al-Ashar-Universität machte Ahmadinejad vor Journalisten mit der Hand ein Victory-Zeichen. Al-Tajjeb forderte die Muslime der ganzen Welt auf, die zahlreichen Probleme in ihren Ländern «geeint» zu lösen.

Der Iran und Ägypten unterhalten keine diplomatischen Beziehungen. Teheran hatte sie aus Protest gegen den Friedensvertrag zwischen Ägypten und Israel 1979 abgebrochen. Ahmadinejad äusserte die Hoffnung, dass sein Besuch die Beziehungen verbessern werde. Laut der ägyptischen Nachrichtenagentur Mena sprachen die beiden Präsidenten über Wege zur Befriedung der Situation in Syrien, ohne dass eine Militärintervention notwendig werde. Während Teheran den syrischen Staatschef Bashar al-Assad unterstützt, fordert Kairo dessen Rücktritt.

Verletzte bei Demonstration am Nildelta

Bei Protesten gegen Polizeiwillkür lieferten sich Demonstranten und die ägyptische Polizei in der Nacht zum Dienstag erneut gewaltsame Auseinandersetzungen. Mindestens 18 Menschen wurden bei den Zusammenstössen in der Stadt Tanta im Nildelta nach Behördenangaben verletzt.

Beamte gingen bei den Ausschreitungen mit Tränengas gegen einen Trauerzug vor, der sich nach der Bestattung des in Polizeigewahrsam gestorbenen Aktivisten Mohammed al-Guindi der Provinzverwaltung näherte, wie Augenzeugen berichteten. Teilnehmer des Trauerzugs und Einwohner bewarfen die Polizisten mit Steinen.

(mrs/AFP)

Erstellt: 05.02.2013, 20:15 Uhr

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Gipfel der Organisation für Islamische Zusammenarbeit in Kairo

Staats- und Regierungschefs von Ländern der Organisation für Islamische Zusammenarbeit (OIC) treffen am Mittwoch zu einem zweitägigen Gipfel in der ägyptischen Hauptstadt Kairo zusammen. Im Mittelpunkt steht die Lage im Bürgerkriegsland Syrien sowie im westafrikanischen Mali. Der Gastgeber des Gipfeltreffens, Ägyptens Präsident Mohammed Mursi, hatte sich gegen die französische Militärintervention in Mali ausgesprochen. Andere Länder wie Algerien oder der Tschad unterstützen dagegen den Einsatz. Syriens Mitgliedschaft in der OIC ist seit vergangenem Sommer ausgesetzt. Der mit Syrien verbündete Iran wird durch Staatschef Mahmud Ahmadinedschad vertreten, dem ersten iranischen Präsidenten seit 1979, der Ägypten besucht. (afp)

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