Bub als Märtyrer des Aufstands

In Syrien ist der Tod des 13-jährigen Hamza Ali al-Khatib zum Symbol für den brutalen Sadismus des Assad-Regimes geworden.

Zu Tode gefoltert und zum Symbol geworden: Hamza Ali al-Khatib.

Zu Tode gefoltert und zum Symbol geworden: Hamza Ali al-Khatib. Bild: Facebook (Supporters of Hamza Ali al-Khateeb)

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Protestierende haben den Namen des «Kinder-Märtyrers» Hamza Ali al-Khatib auf Demonstrationen gerufen, eine Facebook-Seite des toten Buben wurde inzwischen über 60'000-mal abgerufen. Der junge Syrer war Medienberichten zufolge mit seinem Vater am 29. April zu einer Demonstration im Dorf Jisa nahe Daraa an der Grenze zu Jordanien gegangen. Er wurde festgenommen und seinen Eltern einen Monat später tot zurückgegeben.

Vor wenigen Tagen hatten syrische Menschenrechtler ein Video des geschundenen Körpers von Hamza Ali al-Khatib veröffentlicht. Es zeigt den aufgeblähten Leib des Jungen mit Schuss-, Stich- und Brandverletzungen. Kniescheiben und Kiefer sind zerschmettert, die Genitalien abgeschnitten. Ein Doktor hatte später ausgesagt, der Körper zeige keine Folterspuren, sondern die bereits einsetzende Verwesung. Obwohl die Behörden seinen Eltern verboten hatten, über den Foltertod ihres Sohnes zu reden, erlaubte der Vater ein Video der Leiche. Kurz darauf sei er nach Angaben exilsyrischer Aktivisten festgenommen worden, berichtet die «New York Times». Ob diese Angaben stimmen, wann das Video aufgenommen wurde und was genau mit dem Jungen geschah, ist nicht unabhängig zu überprüfen, da Syrien keine ausländischen Journalisten zulässt. Allerdings waren Mitte März Minderjährige in Daraa misshandelt worden, nachdem sie regierungskritische Sprüche an Wände gesprüht hatten.

Assad erlässt Generalamnestie

Die UNO-Hochkommissarin für Menschenrechte, Navi Pillay, verurteilte die «schockierende Brutalität» des Assad-Regimes, das eine völlige «Nichtachtung» grundlegender Menschenrechte zeigt. Sie forderte Assad auf, eine Untersuchungskommission zuzulassen. Bislang hatte aber nicht einmal das Rote Kreuz ungehindert Zugang. Auch der ägyptische Aussenminister Nabil al-Arabi mahnte Assad, er solle die Reformwünsche seines Volkes «positiv» sehen und alle Probleme «friedlich» lösen.

Angeblich zeigte der Aufruf Wirkung: Präsident Assad soll am Dienstagabend eine Generalamnestie für alle politischen Gefangenen erlassen haben. Die Amnestie schliesse auch die inhaftierten Mitglieder der Muslimbrüder mit ein, berichtete die amtliche Nachrichtenagentur Sana. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 31.05.2011, 23:22 Uhr

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