Das Kalifat handelt mit Frauen

Die Milizen des Islamischen Staats (IS) sollen dutzende jesidische Frauen aus dem Irak nach Syrien verschleppt haben, berichten Menschenrechtsorganisationen. Dort würden sie als Bräute verkauft.

Evakuierung in einem Helikopter: Diese Frau und ihre Kinder konnten vor den heranrückenden Islamisten gerettet werden. (29. August 2014)

Evakuierung in einem Helikopter: Diese Frau und ihre Kinder konnten vor den heranrückenden Islamisten gerettet werden. (29. August 2014) Bild: Reuters

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Es gebe mindestens 27 dokumentierte Fälle von Frauen, die für rund tausend Dollar an IS-Kämpfer verkauft worden seien, meldete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Samstag.

Insgesamt seien rund 300 Frauen und Mädchen im Irak entführt und als Kriegsbeute nach Syrien verschleppt worden. Das Schicksal der meisten von ihnen sei unklar.

Vor ihrem Verkauf als Braut seien die Frauen gezwungen geworden, zum Islam zu konvertieren, berichtete die Beobachtungsstelle weiter. Sie bezieht ihre Informationen von einem dichten Netz aus Informanten in Syrien.

Verkauf nur an die eigenen Kämpfer

Einige syrische Araber und Kurden versuchten den Angaben zufolge zwar noch, die Frauen zu kaufen und dann freizulassen. Doch habe der IS die Frauen nur an Kämpfer aus den eigenen Reihen verkauft.

Die Gläubigen der kurdischsprachigen Jesiden-Minderheit werden vom IS als Teufelsanbeter betrachtet und deshalb besonders unbarmherzig verfolgt. Vor der Syrischen Beobachtungsstelle hatten schon UNO-Vertreter und Jesiden berichtet, dass jesidische Mädchen und Frauen von IS-Kämpfern getötet oder gekidnappt worden seien.

Soldat vor laufender Kamera enthauptet

Ebenfalls am Samstag hat IS ein Video veröffentlicht, das die Enthauptung eines libanesischen Soldaten zeigt. Beim Opfer soll es sich um einen sunnitischen Soldaten aus dem Norden Libanons handeln. Er geriet zusammen mit 18 Kameraden in die Gewalt syrischer Islamisten, als diese Anfang August gemeinsam mit der IS-Miliz die libanesische Armee angriffen und für fünf Tage die Grenzstadt Arsal unter ihre Kontrolle brachten.

Die Dschihadistenmiliz Islamische Staat fordert die Freilassung eines in Libanon einsitzenden Rebellenkommandeurs sowie mehrerer anderer Islamisten. Nur kurz nach dem Video, das die Enthauptung zeigt, veröffentlichten die Extremisten einen weiteren Film. Dieser zeigt neun Soldaten, die um ihr Leben betteln und ihre Familien aufrufen, sich für eine Freilassung der inhaftierten Islamisten einzusetzen.

Neue Offensive gestartet

Irakische Streitkräfte, schiitische Milizionäre und kurdische Kämpfer haben derweil eine gemeinsame Offensive zur Befreiung einer seit mehr als zwei Monaten von sunnitischen Dschihadisten belagerten Stadt begonnen. Der Einsatz zur Befreiung des mehrheitlich von turkmenischen Schiiten bewohnten Amerli aus der Umzingelung durch Kämpfer des Islamischen Staates (IS) habe mit Unterstützung durch die irakische Luftwaffe begonnen, sagte Generalleutnant Abdulamir al-Saidi. Ein Sprecher der schiitischen Badr-Miliz sagte, tausende Kämpfer der Miliz seien an der Seite von Freiwilligen und Soldaten im Einsatz. Nördlich von Amerli waren zudem zwei weitere Schiiten-Milizen im Einsatz.

Amerli wird seit mehr als zwei Monaten von IS-Kämpfern belagert. In der Stadt sind Trinkwasser und Nahrung knapp. Die Bewohner sind wegen ihres schiitischen Glaubens in Gefahr, den die sunnitischen Extremisten als Ketzerei betrachten. Zudem droht ihnen wegen ihres hartnäckigen Widerstands gegen die Islamisten im Falle einer Eroberung Amerlis harte Vergeltung durch die IS-Kämpfer.

Die USA erwägen nach eigenen Angaben den Abwurf von Hilfslieferungen aus der Luft ebenso wie Luftangriffe, um den Bewohnern der Stadt zur Hilfe zu kommen. (ldc/sda)

Erstellt: 30.08.2014, 17:02 Uhr

«USA haben Warnung ignoriert»

Der iranische Präsident Hassan Ruhani hat den USA vorgeworfen, die ständigen Warnungen vor der sunnitischen Terrormiliz Islamischer Staat (IS) ignoriert zu haben. «Das waren die gleichen Elemente, die in Syrien aktiv waren, und schon damals haben wir vo«»r dieser neuen Terrorwelle gewarnt», sagte Ruhani am Samstag. Aber wie auch bei den Taliban und Al-Kaida in Afghanistan hätten die USA das Bedrohungspotenzial erst spät erkannt.

Der Iran werde den Irak im Kampf gegen den IS weiterhin unterstützen, aber eine direkte Zusammenarbeit dabei mit den USA gebe es noch nicht. «Wir unterstützen aber jedes Land, das den Terrorismus bekämpft», sagte Ruhani. (sda)

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