Hintergrund

Das Milliardengeschäft mit dem Halal-Tourismus

Im Nikab am Strand, nach Geschlechtern getrennte Pools und der Koran im Hotelzimmer: Ferien, die mit der Scharia vereinbar sind, boomen. Jetzt entdeckt auch Ägypten den lukrativen Markt.

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Burkini statt Bikini und Nikab statt leichtes Stranddress, in Ägypten wurden nach dem Wahlsieg der Islamisten immer wieder Rufe nach Halal-Tourismus laut, Urlaub in Einklang mit der Scharia. Allen voran forderten dies die Salafisten, denen leichtbekleidete Touristinnen und bechernde Touristen ein Dorn im Auge waren. Mittlerweile ist der Ruf nach Halal-Tourismus in Ägypten alles andere als religiös motiviert. Anbietern von schariakonformen Ferien winken nämlich satte Gewinne.

Galten bisher Malaysia, Dubai und die Türkei als halalfreundliche Destinationen, setzen jetzt auch Geschäftsleute aus Ägypten auf diesen boomenden Markt. So hat kürzlich in Kairo mit Shouq Travel das erste Reisebüro eröffnet, welches nur Ferien anbietet, die mit islamischem Recht im Einklang sind. Das Reisebüro bietet «allen Familien, die nach der Scharia leben» Destinationen mit alkoholfreien Hotels und «Swimmingpools und Spass, die nach Geschlechtern getrennt sind» an.

Schariakonforme Angebote

Ägypten ist prädestiniert für Halal-Tourismus, erst recht, seit das Land mit Mohammed Mursi einen Islamisten als Präsidenten hat. Ägypten habe bereits etliche schariakonforme Angebote, sagt Manal Kelig, Mitbegründer der Tourismusmarketing Firma Gateway to Egypt, zum Egyptindependent.com. Laut einer Umfrage würde die Hälfte aller Muslime Halal-Reisen vorziehen, so Kelig.

Die islamische Kundschaft ist zahlungskräftig und reiselustig. Mit islamischem Tourismus wurden letztes Jahr weltweit 100 Milliarden US-Dollar umgesetzt. Führende Anbieter von Halal-Reisen wie Crescent Rating in Singapur prognostizieren stetig steigende Umsätze bis zu 192 Milliarden US-Dollar im Jahr 2020.

Nach Geschlechtern getrennte Spas

Wie ein Halal-Urlaub aussehen könnte, erzählt eine Frau auf Islamictourism.com. Nazma Begum besuchte mit ihrem Mann und den vier Kindern ein türkisches Resort, das mit der Scharia vereinbare Ferien anbietet. An der Rezeption war die Einrichtung des Hotels auf Bildschirmen zu sehen, «ohne dass dafür weibliche Models benutzt wurden». Die Gäste des Hotels beteten fünfmal am Tag, unterbrochen von Besuchen am Strand, im Spa oder im Restaurant.

Für viele Musliminnen sei der Open-Air-Pool auf dem Dach des sechsten Stockes, zu dem nur Frauen Zugang haben, ein Highlight, sagt Nazma Begum. Schon der Lift zum Pool sei nur für Frauen zugänglich. In England sei das ganz anders gewesen. «Ich war in einem Pool, der nur für Frauen hätte sein sollen, doch plötzlich stand ein Mann dort, der sagte, er sei der Bademeister.» Eine andere Frau beschreibt, wie sie es genoss, im Nikab im Meer zu baden, ohne von Frauen im Bikini schräg angeschaut zu werden.

«Religiöser Rassismus»

Das Konzept des Halal-Tourismus wird aber auch kritisiert. «Ich finde es alarmierend», sagt die Schriftstellerin Yasmin Alibhai-Brown zu Islamictourism.com. «Für mich ist das religiöser Rassismus, das heisst, dass es keine Gemeinsamkeiten gibt. Dass wir auch im Urlaub vom Rest der Menschheit getrennt sein müssen.» Alibhai-Brown stellt die rhetorische Frage: «Wie würden wir uns fühlen, wenn Werbung für ausschliesslich christliche Ferien gemacht würden.»

Ob in Ägypten in Zukunft tatsächlich Nikab tragende Frauen auf Jetski zu sehen sein werden, wie es Bilder von Shouq Travel suggerieren, sei dahin gestellt. Möglicherweise wurde dabei mit Fotoshop nachgeholfen. An den Anblick von verschleierten Frauen an den ägyptischen Stränden von Sharm al-Sheikh, Marsa Alam und Alexandria werden sich die westlichen Touristen gewöhnen müssen.

Erstellt: 04.09.2012, 11:37 Uhr

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