Das Rennen um die strategische Meerenge

Mit der Intervention im Jemen will eine sunnitische Koalition unter Führung Saudiarabiens die legitime Regierung stützen. Das dürfte aber nicht der einzige Grund sein.

Nadelöhr des internationalen Handels: Seemann Julian Polk hält Ausschau während der Flugzeugträger USS George Washington die Meerenge von Bab al-Mandab passiert.

Nadelöhr des internationalen Handels: Seemann Julian Polk hält Ausschau während der Flugzeugträger USS George Washington die Meerenge von Bab al-Mandab passiert. Bild: US Navy/AFP

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Mit dem Eingreifen einer Militärallianz unter Führung Saudi-Arabiens soll der Vormarsch der Huthi-Milizen auf die Hafenstadt Aden, der Heimatstadt und Hochburg von Präsident Abd Rabbo Mansur Hadi, gestoppt werden. Das sunnitische Bündnis fürchtet auch, dass die vom Iran unterstützten schiitischen Kämpfer die Kontrolle über die nahe gelegene Meerenge Bab al-Mandab erlangen könnten.

Die rund 30 Kilometer breite Meeresstrasse verbindet das Rote Meer mit dem Golf von Aden und dem Indischen Ozean – und ist von strategischer Bedeutung für den Welthandel. Fast 40 Prozent des internationalen Handels per Schiff werden Schätzungen zufolge über den Bab al-Mandab abgewickelt, ein Grossteil davon über den zum Mittelmeer führenden Suezkanal.

Grosse Bedeutung: Bab al-Mandab mit rotem Kreis markiert. (Karte: Google maps)

Nicht nur für Ägypten und Israel, auch für die Grossmächte spielt die Wasserstrasse eine wichtige Rolle. Auf der der Arabischen Halbinsel gegenüberliegenden afrikanischen Seite der Meerenge, in Dschibuti, sind sowohl Frankreich als auch die USA militärisch präsent.

«Rote Linie» für Ägypten

Für Kairo stellt der Bab al-Mandab eine «rote Linie» dar, wie der ägyptische Botschafter im Jemen, Jussef al-Scharkawi, unlängst erklärte. «Die nationale Sicherheit des Jemen hängt eng mit derjenigen des Roten Meeres, des (Persischen) Golfs und des Bab al-Mandab zusammen», fügte der Diplomat hinzu. Prompt entsandte Kairo am Donnerstag vier Kriegsschiffe in den Golf von Aden.

Im Jemen herrschen bereits seit Jahren politisches Chaos und Gewalt. Das nutzten die Huthi-Milizionäre aus, die seit dem Sommer vergangenen Jahres auf die Hauptstadt vorrückten und diese im September erreichten. Am Mittwoch gelang es ihnen, den etwa 180 Kilometer entfernten Flughafen von Aden vorübergehend einzunehmen. Bis zum Bab al-Mandab sind es von dort 150 Kilometer in westlicher Richtung.

Sollte die Huthi-Miliz die Kontrolle über die Meerenge erlangen, wäre der Iran nach Ansicht des jemenitischen Politikexperten Bassem al-Hakimi der «Hauptgewinner». Teheran hätte dann eine «Trumpfkarte» in der Hand, die es bei den Verhandlungen über das iranische Atomprogramm ausspielen könnte.

Iran für «freie Durchfahrt»

Der ehemalige britische Botschafter im Iran, Richard Dalton, teilt diese Meinung nicht. Der Einfluss Teherans auf die Huthi-Miliz werde masslos übertrieben, sagt der heutige Forscher an der Denkfabrik Chatham House.

Ausserdem gebe es keinen Grund für die Annahme, dass der Iran Interesse daran habe, den Schiffsverkehr durch den Bab al-Mandab zu behindern. Teheran sei für «freie Durchfahrt» und halte sich an die Regeln.

Der Iran selbst bestreitet, den Griff der Huthi-Rebellen nach der Macht im Jemen zu unterstützen. «Die Iraner wollen ihren kalten Konflikt mit den Saudis davor bewahren, zu einem heissen Konflikt zu werden», sagte Ali Vaez, iranischer Analyst bei der International Crisis Group.

Das Eingreifen Saudi-Arabiens im Jemen könnte jedoch das Gegenteil zur Folge haben: Es bestehe das «grosse Risiko», dass es eine «Intervention ohne Ende» werde, befürchtet Firas Abi Ali von der Londoner Analysefirma IHS. (rub/sda)

Erstellt: 27.03.2015, 11:02 Uhr

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