Das grausame Gefängnis der Jihadisten

Scheinhinrichtungen, Hunger, Schläge: Ein spanischer Journalist schildert seine Zeit im «Guantánamo-Lager» des Islamischen Staates. Besonders brutal sei «Jihadi John» gewesen.

War über ein halbes Jahr Geisel der IS-Jihadisten: Der spanische Journalist Javier Espinosa, hier vor seiner Gefangenschaft im Mai 2012.

War über ein halbes Jahr Geisel der IS-Jihadisten: Der spanische Journalist Javier Espinosa, hier vor seiner Gefangenschaft im Mai 2012. Bild: Joan Borras /Keystone

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Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hat nach Angaben einer ihrer ehemaligen Geiseln ein Guantánamo-ähnliches Gefangenenlager eingerichtet. Das schrieb der spanische Journalist Javier Espinosa in der Zeitung «El Mundo».

Er sei mit mehr als 20 weiteren Geiseln - Journalisten und humanitäre Helfer aus Europa, den USA und Lateinamerika - in einem Haus nördlich der syrischen Grossstadt Aleppo festgehalten worden. Die Geiselnehmer hätten dort das Gefangenenlager Guantánamo auf Kuba nachbilden wollen, wo die USA nach den Anschlägen vom 11. September 2001 «feindliche Kämpfer» einsperrten.

Nachdem ihnen erst Kameras, Laptops und alle weiteren persönlichen Gegenstände weggenommen wurden, hätten sie sich nackt ausziehen müssen. «Wir wurden in orange Uniformen gesteckt und bekamen Nummern», schreibt Espinosa. Er war Nummer 43 – und wurde fortan nur noch so gerufen.

«Wir wurden in orange Uniformen gesteckt und bekamen Nummern»Javier Espinosa

«Sie sagten uns, wir müssten dort lange bleiben, weil wir die ersten waren, die sie gefangen genommen haben», schrieb Espinosa in dem Artikel in «El Mundo». Drei besonders brutale Wachen hätten wiederholt Exekutionen vorgetäuscht. Manchmal seien Geiseln gezwungen worden, ein Video von der Tötung eines russischen Ingenieurs anzuschauen. Die Wächter hätten gedroht, dass ihnen dasselbe Schicksal drohe.

Die Gefangenen lebten den Schilderungen des spanischen Journalisten zufolge unter widerlichen Umständen: Sie schliefen auf dem Boden, litten Kälte und Hunger, bekamen nichts zu trinken, durften nicht einmal ihre Notdurft verrichten. Monatelang hätten sie sich nicht duschen können, manche Gefangene wurden auch geschlagen. Der als «Jihadi John» berühmt-berüchtige IS-Extremist habe Espinosa mit dem Tod gedroht: Einmal habe er seine Kehle mit einem Schwert gestreichelt, ein andermal ihm eine ungeladene Pistole an den Hals gehalten und dreimal abgedrückt.

Schicksal unbekannt

Espinosa schreibt, der US-Journalist James Foley, der im vergangenen Jahr vom IS getötet wurde, habe ihm berichtet, dass die Jihadistengruppe lange Zeit vorgehabt habe, ein Lager wie Guantánamo für westliche Geiseln zu schaffen: Sie hätten «ein Hochsicherheitsgefängnis mit Kameras und vielen Wachen» geplant.

Die Odyssee von Javier Espinosa: Am 16. September 2013 wurde er in der syrischen Stadt Deir Ezzor entführt. Neben der Zeit im «Guantánamo-Lager» verbrachte er mit den anderen Gefangenen auch einige Tage in einem unterirdischen Gefängnis, von ihm «Chalet» genannt. Am 29. März 2014 wurde Espinosa freigelassen.

Espinosa wartete nach eigenen Angaben bis jetzt mit der Veröffentlichung von Details aus dieser Zeit, weil der IS gedroht habe, Mitgefangene hinzurichten, wenn er von seiner Gefangenschaft berichte. Von den insgesamt 23 Gefangenen aus Espinosas Gruppe wurden 15 freigelassen, sechs vom IS hingerichtet und eine bei einem US-Bombenangriff getötet. Das Schicksal des britischen Fotografen John Cantlie ist ungewiss, in einem IS-Video war er kürzlich lebend zu sehen. (thu/sda)

Erstellt: 16.03.2015, 20:00 Uhr

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