«Das neue Video könnte den IS Rückhalt kosten»

Hetzt der IS die arabische Welt mit der abscheulichen Hinrichtung des jordanischen Piloten nun gegen sich auf? Dazu Nahost-Korrespondent Paul-Anton Krüger.

Brutal ermordet: Ein Mann, bei dem es sich um den jordanischen Kampfjet-Piloten Muas al-Kasasba handeln soll, vor seiner Ermordung. (Standbild aus einem IS-Video/Reuters). (4. Februar 2015)

Brutal ermordet: Ein Mann, bei dem es sich um den jordanischen Kampfjet-Piloten Muas al-Kasasba handeln soll, vor seiner Ermordung. (Standbild aus einem IS-Video/Reuters). (4. Februar 2015) Bild: Reuters

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In der westlichen Welt war das Entsetzen über die Verbrennung des jordanischen Piloten durch den IS riesig. Wie wurde die Hinrichtung in der arabischen Welt aufgenommen?
Die offizielle Reaktion ist blankes Entsetzen. Der Grossteil der Bevölkerung teilt dieses Gefühl. Die Reaktion unterscheidet sich also nicht gross von derjenigen im Westen. Besonders in Jordanien herrscht grosse Solidarität mit dem getöteten Piloten und seiner Familie. Die Kritik am Anti-IS-Einsatz, die es in Jordanien bisher gab, verstummt. Natürlich gibt es auch Jihadisten, die die Tat im Internet feiern und zu weiteren Hinrichtungen aufrufen, doch das sind Einzelfälle.

Es gibt Hinweise, dass der Pilot schon Anfang Januar hingerichtet wurde. Ist Jordanien wirklich überrascht von der Nachricht?
Die Regierung wollte alles tun, um den Piloten zu befreien. Um den 8. Januar gab es dann Berichte syrischer Aktivisten, dass er bereits tot sei. Daraufhin wurde Jordanien vorsichtig: Die Regierung verlangte vom IS ein Lebenszeichen des Piloten, das sie aber nicht bekam. Seine Hinrichtung wurde deshalb vielleicht erwartet, über die definitive Nachricht ist man dennoch überrascht und entsetzt – insbesondere wegen der Brutalität.

Der Rückhalt des IS schwindet also. War die besonders brutale Hinrichtung ein strategischer Fehler?
Das ist schwierig zu sagen. Der Westen interpretiert in die Handlungen des IS immer eine Strategie – dabei wissen wir gar nicht, ob der IS wirklich strategisch vorgeht. Ich wäre deshalb vorsichtig mit solchen Interpretationen. Was aber klar ist: Das neue Video könnte den IS weiter Rückhalt von Leuten kosten, die der Idee des IS sonst nicht grundsätzlich abgeneigt waren. Sogar die al-Qaida hat sich von den brutalen Tötungen distanziert. Aber vielleicht verfolgt der IS ja andere Ziele.

Welche könnten das sein?
Auch da kann man nur spekulieren. Zum einen zielt das aktuelle Video in Optik und Dramaturgie auf den Westen: Der IS will schockieren. Zudem dürfte es dazu dienen, weitere Jihadisten zu rekrutieren, die sich ohnehin vom IS angezogen fühlen. Ebenfalls auffällig ist, dass der IS bei der ganzen Geiselnahme versucht hat, sich auf Augenhöhe mit einem Staat darzustellen: Die Terroristen haben verhandelt, forderten einen Gefangenenaustausch. Der IS als Staatsgebilde entspricht ganz klar dem Selbstbild der Terrormiliz.

Wird die Hinrichtung der gefangenen Al-Qaida-Terroristen in Jordanien als gelungene Rache für die Tötung des Piloten empfunden?
Das Gefühl, auf den Tod des Piloten zu reagieren, ist natürlich da, das Militär hat eine Reaktion angekündigt. Das Land ist aber vor allem schockiert und traurig. Die Todesstrafe wird im arabischen Raum anders aufgenommen als im Westen: Hier haben viele die Todesstrafe im Gesetz, hingerichtet wurden jetzt zwei seit längerem rechtmässig verurteilte Straftäter. Das verschafft manchen vielleicht Genugtuung und ist auch ein Signal an militante Islamisten, aber ich denke, dass die Trauer und das Entsetzen überwiegen.

Erstellt: 04.02.2015, 14:53 Uhr

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