Der Iran liefert Assad Tonnen von Waffen

Drehscheibe für die iranische Hilfe an das bedrängte syrische Regime ist der Irak. Amerikanische Politiker fordern Konsequenzen.

Partner im Krieg: Bashar al-Assad (l.), Mahmoud Ahmadinejad.

Partner im Krieg: Bashar al-Assad (l.), Mahmoud Ahmadinejad. Bild: Keystone

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Immer mehr iranische Waffen für das Assad-Regime werden offenbar mit Zivilflugzeugen über den Irak ins Land gebracht. Über den irakischen Luftraum schicke Teheran in Jumbojets seiner Fluggesellschaften Iran Air und Mahan Air «Militärpersonal und grosse Mengen an Waffen», berichtete Reuters unter Berufung auf Geheimdienstinformationen westlicher Regierungen. Erst im vergangenen Monat hatte die US-Regierung Druck auf die irakische Führung ausgeübt, um Waffenlieferungen über die Luft zu unterbinden – offenbar ohne Erfolg.

Bagdad hatte den Vorwurf, es dulde solche Waffenlieferungen, als «substanzlos» bestritten. Den Reuters-Informationen zufolge sind aber sowohl die iranischen Fluggesellschaften, die Modelltypen der eingesetzten Maschinen – unter anderem Grossraumflugzeuge vom Typ Boeing 747 – als auch deren Kennnummern bekannt. Weiter heisst es laut Reuters im Report: «Die Maschinen fliegen fast täglich vom Iran nach Syrien. Sie haben Angehörige der iranischen Revolutionsgarden und Dutzende Tonnen an Waffen an Bord, um die syrischen Streitkräfte und Milizen für den Kampf gegen die Aufständischen aufzurüsten.»

Zivilflugzeuge als Tarnung

Den westlichen Informationen zufolge sind die iranischen Waffenlieferungen über den Irak weit umfangreicher und systematischer als bisher bekannt. Die westlichen Dienste sehen den Rückgriff auf Zivilflugzeuge als Reaktion auf die US-Kritik an die irakische Adresse: «Es ist Teil eines geänderten iranischen Vorgehens, nachdem US-Vertreter das Problem kürzlich angesprochen hatten», heisst es in dem Geheimbericht. «Das widerlegt auch die Beteuerungen irakischer Regierungsvertreter.» Die Bagdader Führung hatte nach den US-Vorwürfen erklärt, «Premierminister Nouri al-Maliki hat sich immer für eine friedliche Lösung in Syrien ausgesprochen und gegen jede Waffenlieferung oder Einmischung von aussen». Im US-Senat wurde bereits gefordert, die Hilfen für den Irak zu kürzen, wenn Bagdad die iranische Hilfe für Syrien nicht unterbinde.

Laut dem Bericht wird über den Irak aber auch auf dem Landweg mittels Lastwagen Militärmaterial nach Syrien transportiert. Der Iran und Syrien haben keine gemeinsame Grenze. Das Regime in Teheran ist der engste Partner des international isolierten syrischen Präsidenten Assad. Führende Vertreter der paramilitärischen iranischen Revolutionsgarden hatten offen erklärt, man werde das Regime in Damaskus im Kampf gegen die durch «zionistische Intrigen» ausgebrochene Revolte notfalls auch offen militärisch unterstützen. Der Oberkommandierende der Revolutionsgarden, Mohammed Jafari, hatte zudem eingeräumt, dass sich iranische «Berater» in Syrien befänden.

«Letztes Mittel» Chemiewaffen

Andere Berichte widersprechen dem: Angeblich unterstützen iranische Berater die syrischen Streitkräfte inzwischen sogar dabei, einen möglichen Einsatz von Giftgas vorzubereiten. Das syrische Regime ist einem Bericht der Londoner «Times» zufolge durch den bereits eineinhalbjährigen Aufstand so stark unter Druck geraten, dass nun offenbar auch der Einsatz von Chemiewaffen erwogen wird. Das zumindest behauptete ein desertierter syrischer General im Interview mit der «Times».

Der frühere Chef des syrischen Chemiewaffenprogramms, Generalmajor Anden Sillu, sagte, bei Treffen hochrangiger Offiziere und Regimevertreter sei es darum gegangen, wann dieses «letzte Mittel» gegen die Rebellen eingesetzt werden müsse. Ein solcher Fall sei der Verlust der Kontrolle über das seit Wochen heftig umkämpfte Aleppo, die zweitgrösste Stadt des Landes. An diesen geheimen Lagebesprechungen sollen iranische Revolutionsgardisten teilgenommen haben. «Sie haben uns ständig Wissenschaftler geschickt oder unsere Wissenschaftler zu sich geholt», sagte der zur Freien Syrischen Armee übergelaufene General Sillu. Syriens Chemiewaffenbestände sind weltweit die grössten nach denen der Vereinigten Staaten, Russlands und Nordkoreas.

Erstellt: 21.09.2012, 06:40 Uhr

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Atomprogramm

Iran räumt ein, gelogen zu haben
Fereydoun Abbasi-Davani, Chef der iranischen Atomenergiebehörde, gab sich in einem Interview mit der arabischen Zeitung «Al-Hayat» überraschend freimütig. Sein Land habe jene Organisation, die weltweit die Einhaltung des Atomwaffensperrvertrags überwacht, angeschwindelt: «Wir hatten keine andere Wahl, als die IAEA und andere Spione zu belügen», sagte Abbasi. Und weiter: «Zuweilen lieferten wir falsche Informationen, um unsere Atomanlagen und unsere Errungenschaften zu verteidigen.» Westliche Beobachter misstrauen den Angaben des Iran zu seinem Atomprogramm schon lange. Während Teheran behauptet, die Atomenergie nur friedlich nutzen zu wollen, wird das Regime im Westen verdächtigt, nach der Atombombe zu streben. Die IAEA beschuldigt Iran mangelnder Zusammenarbeit. Abbasi begründete die Täuschungsmanöver: «Es ist unzumutbar, dass die IAEA uns im Voraus für schuldig erklärt und wir unsere Unschuld beweisen müssen.»

Experten deuten Abbasis Geständnis als gefährliches diplomatisches Manöver. «Er will das Ansehen der IAEA schmälern und das Vertrauen in die Organisation erschüttern», sagt der israelische Iran-Experte Menashe Amir: «Die Botschaft lautet: Ihr habt keine Ahnung, was bei uns geschieht. Und wenn ihr mehr Druck auf uns ausübt, erhaltet ihr noch weniger Einblick.» Abbasis Aussagen seien Teil einer Kampagne gegen die IAEA. Anfang Woche beschuldigte Abbasi die IAEA, westlichen Geheimdiensten Informationen zu übermitteln. Der Iran werde IAEA-Chef Yukiya Amano für Angriffe auf das Atomprogramm des Iran zur Verantwortung ziehen. Laut Abbasi haben «Terroristen und Saboteure» die IAEA infiltriert. (gy)

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