Der Oberste Führer stellt sich gegen die Demonstranten

Ali Khamenei will keinen politischen Wandel: Er betont die Einheit der Nation, nimmt die Revolutionsgarden in Schutz und bezichtigt Kritiker der Feindseligkeit.

Ayatollah Ali Khamenei hat das Freitagsgebet geleitet. Die gesamte Staatsführung nahm ebenfalls teil. Foto: EPA

Ayatollah Ali Khamenei hat das Freitagsgebet geleitet. Die gesamte Staatsführung nahm ebenfalls teil. Foto: EPA

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Acht Jahre ist es her, dass der Oberste Führer des Iran, Ayatollah Ali Khamenei, selbst das Freitags­gebet geleitet hat. Er tut das nur in einer Krisensituation oder wenn er Botschaften mit grundlegender Bedeutung für die Islamische Republik zu verkünden hat. Das Gebet wurde auf mehreren Kanälen des Staatsfernsehens live übertragen.

Die vergangenen zwei Wochen seien ereignisreich und aussergewöhnlich gewesen, zitierte sein Büro den Text der Predigt. Es habe «bittere und süsse Ereignisse» gegeben, aus denen das iranische Volk Lehren ziehe.

Allein diese Formulierung lässt schon die Bedeutung seines Auftritts ermessen. In dessen Zentrum stellte Khamenei die Rache des Iran für die ­Tötung des Revolutionsgarden-Generals Qassim Soleimani und den folgenden Abschuss einer ukrainischen Passagiermaschine durch die Luftabwehr, er ging aber auch auf die Zukunft des Atomabkommens ein.

Doch verletzte US-Soldaten

Den Raketenangriff auf zwei von den Amerikanern genutzte Stützpunkte im Irak bezeichnete Khamenei als «Schlag gegen das Prestige» der Supermacht USA, die er als «arrogant» bezeichnete und des Terrorismus bezichtigte. Wie das Pentagon bekannt gab, waren bei dem Angriff der Iraner doch elf US-Soldaten verletzt worden. US-Präsident Donald Trump hatte zunächst behauptet, niemandem sei etwas geschehen.

Womöglich war das eine absichtliche Unwahrheit, um keinen Druck auf eine weitere militärische Antwort und Eskalation entstehen zu lassen. Laut dem Pentagon wurden die Soldaten wegen des Verdachts auf Gehirnerschütterungen behandelt und nach Kuwait sowie nach Deutschland ausgeflogen.

Khamenei nahm mit Blick auf den unabsichtlichen Flugzeugabschuss die Revolutionsgarden in Schutz. Sie garantierten die Sicherheit des Landes. Zugleich beschuldigte er die Feinde des Iran, sich über den «extrem bitteren Vorfall» gefreut zu haben, weil sie ihn als Möglichkeit gesehen hätten, den Ruf des Iran zu zerstören und die Revolutionsgarden zu unterminieren. Sie hätten auch von Soleimanis «feiger Ermordung» ablenken wollen. Die einstündige Predigt war darauf angelegt, die Einheit der Nation zu demonstrieren.

Der «Clown» Donald Trump

Um Khamenei war auf dem grossen Gebetsplatz im Norden Teherans nicht nur die gesamte Staatsführung versammelt, sondern auch Ex-Präsident Mahmoud Ahmadinejad sowie Amir Ali Hajizadeh, der Kommandeur der Luftwaffe der Revolutionsgarden. Diese führten den Raketenangriff auf die US-Stützpunkte aus und hatten die Boeing der Ukraine International Airlines mit 176 Menschen an Bord abgeschossen.

Khamenei verwies auf die – nach seinen Worten – zehn Millionen Teilnehmer der Trauer­züge für Soleimani. Die Demonstranten, die nach dem Abschuss in Teheran und in mehr als einem Dutzend anderer Städte gegen das Regime protestiert hatten, nannte er «Handlanger der USA», die er ebenso wie Grossbritannien beschuldigte, die öffentliche Meinung über den Abschuss manipuliert zu haben. Khamenei bezeichnete US-Präsident Trump angesichts von dessen Solidaritätserklärungen auf Twitter als «Clown».

Faust im Samthandschuh

Auch gegen Frankreich, Grossbritannien und Deutschland wetterte der Oberste Führer. Diese trügen «eine eiserne Faust im Samthandschuh», sagte er mit Blick auf die Entscheidung der Europäer, den Schlichtungsmechanismus aus dem Atomabkommen zu aktivieren. «Diesen europäischen Ländern ist nicht zu trauen», so Khamenei. Er schloss Verhandlungen aber nur mit den USA aus. Die deutsche Regierung hat seither bestätigt, dass die USA den Europäern mit Autozöllen gedroht haben, sollten sie diesen Schritt nicht gehen. Das sei in einer Telefonkonferenz der politischen Direktoren der Aussenministerien in den Raum gestellt worden, hiess es. Allerdings verweisen Diplomaten darauf, dass die Europäer dem Iran diesen Schritt bereits im November angekündigt und dies bei einem Treffen der verbliebenen Vertragsparteien im Dezember in Wien wiederholt hätten.

Dessen ungeachtet, hatte der iranische Aussenminister Jawad Sarif Berichte über die Drohung als Beleg gewertet, dass die Europäer unter dem Druck des US-Präsidenten eingeknickt seien.

Erstellt: 17.01.2020, 22:27 Uhr

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