«Der beste Deal, der zu bekommen war»

Stolz verkündete Benjamin Netanyahu die Freilassung des Soldaten Gilad Shalit, der im Jahr 2006 durch die Hamas verschleppt wurde. Der Preis, den die Israelis für den Gefangenentausch bezahlen, ist hoch.

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Der vor mehr als fünf Jahren von palästinensischen Extremisten im Gazastreifen verschleppte israelische Soldat Gilad Shalit soll in den kommenden Tagen freikommen. Israel habe sich «in mühsamen Verhandlungen» mit der radikalislamischen Palästinenserorganisation Hamas geeinigt, sagte der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanyahu heute Abend.

Shalit werde in den kommenden Tagen heimkehren, verkündete der Ministerpräsident in einer Fernsehansprache, nachdem Israel und die Hamas sich zuvor auf einen Gefangenenaustausch geeinigt hatten. Im Gegenzug für Shalits Befreiung sollen mehr als 1000 palästinensische Gefangene aus israelischer Haft entlassen werden. Netanyahu habe der Regierung ein Abkommen vorgelegt, mit dem Shalit «seinen Eltern und dem gesamten israelischen Volk gesund und wohlbehalten zurückgebracht» werde.

Deal bereits vor Tagen beschlossen

Die bereits am Donnerstag erzielte Einigung sei am Dienstag unterzeichnet worden, sagte Netanyahu. Diese schliesse auch die Freilassung von Palästinensern ein, die wegen tödlicher Anschläge auf Israelis verurteilt worden seien. Er verstehe den Schmerz der israelischen Familien, die geliebte Angehörige durch die palästinensische Gewalt verloren hätten, sagte der Ministerpräsident. Aber Israel habe angesichts der Unruhe in der Region «den besten Deal erhalten, der zu bekommen war».

Nach stundenlangen Debatten segnete das Kabinett von Netanyahu den Handel in der Nacht auf heute mit grosser Mehrheit ab. 26 Minister stimmten dafür und 3 dagegen.

Hamas-Chef Khaled Mashal sagte, insgesamt sollten «in zwei Phasen» 1027 Gefangene, unter ihnen 27 Frauen freikommen. Nach Angaben aus Palästinenserkreisen soll sich darunter auch der in Israel inhaftierte Fatah-Anführer Marwan Barghouti, der im Jahr 2004 von einem israelischen Gericht zu fünfmal lebenslänglich verurteilt worden war.

Palästinenser versammeln sich zu Freudenfeier

Im Norden des Gazastreifens versammelten sich am Dienstagabend nach Hamas-Angaben zehntausende Palästinenser zu Freudenfeiern angesichts der bevorstehenden Freilassung der Gefangenen. Sie feierten den «Sieg des Widerstands und das Erreichen eines Abkommens zum Austausch» von Gefangenen, teilte die Hamas mit.

Shalit war am 25. Juni 2006 am Rande des Gazastreifens von einem palästinensischen Kommando verschleppt worden. An der Aktion waren drei Palästinensergruppen, darunter die Hamas, beteiligt. Im Jahr 2009 waren Verhandlungen zur Freilassung des Soldaten unter deutscher und ägyptischer Vermittlung fast zum Abschluss gekommen. Doch hatten sich die beiden Seiten letztlich nicht darauf einigen können, welche palästinensischen Häftlinge im Austausch für Shalit, der auch die französische Staatsangehörigkeit besitzt, freikommen sollten. (mrs/dapd/afp)

Erstellt: 11.10.2011, 20:03 Uhr

Netanjahu will nicht genehmigte Siedlungen anerkennen lassen

Die israelische Regierung prüft nach eigenen Angaben rechtliche Möglichkeiten zur Legalisierung nicht genehmigter Außenposten jüdischer Siedlungen auf privatem palästinensischem Boden. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu wolle eine Kommission ernennen, die eine «konkrete Politik» hinsichtlich entsprechender Siedlungen im Westjordanland bestimme, deren Status nicht geklärt sei, hieß es am Dienstag in einer Erklärung des Büros Netanjahus. (sda)

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