Der irre Assad-Neffe Suleiman

Suleiman al-Assad hat aus nichtigem Grund einen syrischen Offizier erschossen. Das empört selbst Regimeanhänger: Sie fordern die Hinrichtung des Assad-Verwandten.

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Suleiman al-Assad macht dem miserablen Ruf seiner Familie alle Ehre. Der Neffe zweiten Grades des Diktators Bashar al-Assad hat in der vergangenen Woche wegen eines Streits im Strassenverkehr einen ranghohen Offizier der syrischen Armee erschossen. Dem tödlichen Streit war offenbar ein Überholmanöver vorausgegangen, wie die syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtet. Diese beruft sich auf Augenzeugen.

Das spätere Opfer, Luftwaffenoberst Hassan al-Sheikh, soll den Assad-Verwandten an einer Kreuzung überholt haben. Suleiman al-Assad verfolgte das Fahrzeug des Offiziers und schnitt ihm den Weg ab. Danach sei Suleiman aus seinem Hummer ausgestiegen. Nach einem heftigen Wortwechsel habe der Assad-Neffe mit einer Kalaschnikow sieben Schüsse auf Sheikh abgegeben. Dies berichtet der arabische Nachrichtensender al-Jazeera.

Fall Suleiman entzweit die Alawiten

In der regimefreundlichen Stadt Latakia, wo sich die Schiesserei ereignete, demonstrieren inzwischen Tausende Menschen. Sie verlangen die Bestrafung des Assad-Verwandten. Der Bruder des getöteten Offiziers hat am Wochenende ein Video in Umlauf gebracht. Darin fordern Bewohner von Latakia sogar die Hinrichtung von Suleiman al-Assad. Der Fall Suleiman entzweit die Gemeinschaft der Alawiten, der sowohl der Assad-Clan als auch die Familie des Opfers angehören. Auch die meisten Demonstranten sind Alawiten. Sie wollen nun jeden Abend auf die Strasse gehen.

Louay Hussein, ein prominenter Aktivist der alawitischen Opposition, hat auf Facebook ein deutliches Statement abgegeben: «Das war nicht das erste Mal, dass ein Gangster der Assad-Familie einen alawitischen Bewohner von Latakia angegriffen und getötet hat. Nicht alle Mitglieder der Assad-Familie sind Gangster oder Kriminelle, aber viele von ihnen sind es.» Und weiter schreibt Hussein: «Sie töten, sie vergewaltigen, sie stehlen, sie entführen Frauen, sie beschlagnahmen Vermögen. Sie haben die Alawiten in den letzten 40 Jahren öfters angegriffen, als es die Sunniten getan haben. Das sind Mafiosi, die glauben, über dem Gesetz zu stehen.»

Selbstherrlicher, krimineller Teenager

Medienberichten zufolge gehört Suleiman al-Assad zu jenem Teil des Assad-Clans, die der Aktivist Hussein in seinem Facebook-Eintrag als Gangster und Kriminelle bezeichnet. Suleiman, der gemäss unterschiedlichen Angaben 18 oder 19 Jahre alt ist, soll sich wie ein Warlord aufführen, der glaubt, dass Gesetze und Regeln ihn nichts angehen. «Die harmloseren Anekdoten, die über ihn kursieren, handeln davon, wie er mit seinem Hummer über den Strand rast und Badegäste belästigt», schreibt «Spiegel online». «Die ernsteren Geschichten berichten, dass er schon mehrfach auf Menschen geschossen habe.» Suleiman ist Sohn des reichen Assad-Cousins Hilal, Kommandant einer Freiwilligenmiliz, der letztes Jahr bei Kämpfen ums Leben kam.

Auf Facebook gibt es eine Seite über den «Son of God – Suleiman Al Assad». Fotos zeigen ihn beim Wasserpfeiferauchen, beim Hantieren mit einem Sturmgewehr oder auch beim Protzen mit Panzer und Range Rover (siehe Bildstrecke). Ob der Killer von Luftwaffenoffizier Sheikh jemals ernsthaft zur strafrechtlichen Verantwortung gezogen wird, ist fraglich.

Diktator Assad verspricht Bestrafung

Immerhin: Der syrische Machthaber Assad soll die Bestrafung seines Verwandten in Aussicht gestellt haben. Die Witwe des Opfers, Mayssa Ghanem, sagte der regierungsnahen Zeitung «Al-Watan», sie habe ein «Versprechen von Präsident Assad erhalten, den Täter zu bestrafen, egal wer er ist». Dieses Versprechen sei ihr von einer «offiziellen Delegation» überbracht worden, die nach Latakia gekommen sei, um ihr Beileid auszusprechen. Über die Art der versprochenen Bestrafung ist nichts bekannt. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 10.08.2015, 10:00 Uhr

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