Der terroristische Kronprinz

Hamza Bin Laden soll al-Qaida popularisieren.

Das aktuellste Bild zeigt den 28-jährigen Hamza noch als Teenager.

Das aktuellste Bild zeigt den 28-jährigen Hamza noch als Teenager.

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Es ist, als würde Osama Bin Laden vom Grab aus sprechen. Der dünne Bariton seines Sohns ertönt neuerdings regelmässig auf einschlägigen Websites. Die sanfte Stimme Hamza Bin Ladens erinnert Fachleute stark an den Terroristen, den Kopf hinter den Anschlägen vom 11. September 2001, der 2011 von einem amerikanischen Kommando in Pakistan erschossen wurde.

Hamzas Botschaft – verbreitet nur wenige Tage vor dem Bombenmord an Kindern in Manchester – ist ohnehin ganz im Stil des Vaters gehalten. Also alles andere als sanft: «Folgt denjenigen, die vor euch den Weg der Märtyrer gegangen sind. Plant eifrig Anschläge auf die Ungläubigen, um ihnen lähmende Verluste beizubringen.» Dann fordert Hamza Rache in den USA und in Europa für syrische Kinder, die bei US-Luftschlägen ums Leben gekommen sind.

Der 28-jährige Hamza gilt als Osamas Liebling unter dessen – laut Schätzungen – etwa zwanzig Kindern von drei Frauen. Ein Jugendfreund beschreibt ihn in der «Washington Post» als «ausgesprochen intelligenten Burschen, einen ­leidenschaftlichen Reiter wie sein Vater». Nach den Anschlägen von 2001 liess Osama seinen Sohn in den Iran bringen, in Sicherheit vor amerikanischen Bomben. Von dort aus hatte Hamza Briefe geschrieben, die später von US-Soldaten erbeutet wurden. «Mich macht es traurig», vertraute er dem Vater an, «dass die Gotteskrieger weitermarschieren, aber ich nicht dabei bin.» Osama hätte seinen Sohn lieber als geistlichen Führer gesehen. Aber er änderte seine Pläne. «Hamza ist ein Gotteskrieger, er denkt wie sie und teilt ihre Sorgen», schrieb er einem Vertrauten.

«Hamza ist ein Gotteskrieger, er denkt wie sie und teilt ihre Sorgen»Osama Bin Laden

Als der Iran Hamza 2010 ausreisen liess, kehrte er zu seinem Vater zurück, der sich in Afghanistan und Pakistan versteckt hielt. Ein Jahr später entging er dem US-Kommando in Abbottabad, das seinen Vater und einen seiner Brüder tötete. Er befand sich in einem anderen Versteck. 2015 präsentierte ihn Osamas Stellvertreter Ayman al-Zawahri in einem Video als «Löwen von al-Qaida». Und Anfang Jahr setzten die USA Hamza auf ihre Terroristenliste.

Terrorismusexperten sehen in den neuesten Internetauftritten von Bin Laden Junior den Versuch al-Qaidas, junge Jihadisten zu rekrutieren. Das Terrornetzwerk will die Chance nutzen, die sich durch die militärischen Rückschläge des grossen Konkurrenten IS ergeben. Hamza unterlässt es in seinen Botschaften, den IS zu kritisieren, und unterscheidet sich darin auffällig von anderen al-Qaida-Grössen. Das passt gemäss Fachleuten zur Strategie, dem IS Gefolgschaft abspenstig zu machen.

Der junge Bin Laden hat die richtige Abstammung für einen neuen Star des Jihadismus, er hat auch die Stimme. Was ihm noch fehlt, ist ein Gesicht. Das aktuellste Bild zeigt ihn noch als Teenager. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 31.05.2017, 19:02 Uhr

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