Hintergrund

Die Angst der Scheichs vor Irans Bombe

Ein saudischer Prinz droht: Sollten die Iraner tatsächlich zur Atommacht werden, müsse das Königshaus nachziehen.

Die iranische Bombe hätte «möglicherweise dramatische Konsequenzen»: Prinz Turki al-Faisal.

Die iranische Bombe hätte «möglicherweise dramatische Konsequenzen»: Prinz Turki al-Faisal. Bild: AFP

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Das Königshaus in Saudiarabien scheint zunehmend beunruhigt über das Atomprogramm, das seine Nachbarn und Erzfeinde in Teheran vorantreiben. An einem Treffen mit Nato-Vertretern habe Prinz Turki al-Faisal gewarnt, die Existenz iranischer Nuklearwaffen «würde Saudiarabien dazu zwingen, eine Politik mit ungeahnten und möglicherweise dramatischen Konsequenzen zu verfolgen». Dies berichtet der britische «Guardian».

Näher wollte der ehemalige saudische Geheimdienstchef und Botschafter in den USA nicht auf eine mögliche nukleare Aufrüstung seines Landes eingehen. Der «Guardian» zitiert jedoch einen nicht genannten hohen Beamten des Königshauses mit den unmissverständlichen Worten: «Wir können nicht mit der Situation leben, dass Iran Atomwaffen besitzt und wir nicht. Wenn der Iran solche Waffen entwickelt, müssen wir auch welche haben.» Laut diplomatischen Depeschen, die letztes Jahr von der Enthüllungsplattform Wikileaks und dem «Guardian» veröffentlicht worden waren, hatte sich der saudische König Abdullah 2008 gegenüber Washington in dieselbe Richtung geäussert.

Eine strategische Drohung?

Turki al-Faisal hat derzeit zwar kein offizielles Amt im Königreich inne. Der jüngste Sohn des 1975 verstorbenen Königs Faisal gilt aber als wichtiger Vertreter seines Landes auf dem internationalen diplomatischen Parkett und als potenzieller Aussenminister.

Beobachter gehen jedoch davon aus, dass Saudiarabien enorme diplomatische und praktische Hürden zu überwinden hätte, sollten die Ankündigungen Turki al-Faisals tatsächlich umgesetzt werden. Vielmehr drängt sich der Verdacht auf, dass die mehrheitlich sunnitischen Saudis die internationale Aufmerksamkeit wieder vermehrt auf ihre schiitischen Erzfeinde in Teheran zu lenken versuchen.

Das Königshaus wirft den Iranern zum Beispiel vor, die politische Stabilität in der Region stören zu wollen. So mische sich Teheran etwa im Libanon, in Syrien und im Irak ein. Die Sorge um den iranischen Einfluss entlockte al-Faisal bei seinem Treffen mit den Vertretern der Nato auch Kommentare zu den Unruhen in der arabischen Welt. Das «klägliche» Scheitern des alawitischen Assad-Regimes, in dem die Saudis einen Stellvertreter Teherans sehen, habe zum «bedauernswerten Verlust von Menschenleben» geführt. Ein eindeutiger Kommentar, gemessen an der Zurückhaltung, mit der die Scheichs die Entwicklungen in der Region bisher verfolgen. (ami)

Erstellt: 30.06.2011, 18:47 Uhr

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