Die Ehefrau, die sich auf die Elitesoldaten stürzte

Osama Bin Laden hatte fünf Ehefrauen und über 20 Kinder. Seine jüngste Frau war bereit, für ihn zu sterben. Auch Verwandte, die zum Terroristen auf Distanz gingen, seien ihm gegenüber loyal, sagt eine Insiderin.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Verzweifelt soll sich Amal al-Sadah auf die Navy Seals gestürzt haben, um ihren Mann zu schützen. Doch den Tod von Osama Bin Laden konnte sie nicht verhindern. Sie wurde durch einen Beinschuss verletzt und später von den pakistanischen Behörden in ein Spital gebracht. Mithilfe ihres Passes, der in der Wohnung des Al-Qaida-Führers gefunden wurde, identifizierten die Eindringlinge die 29-Jährige als fünfte Ehefrau von Bin Laden.

Amal al-Sadah ist die Tochter einer jemenitischen Familie. Als sie 18 Jahre alt war, gaben ihre Eltern sie dem 25 Jahre älteren Bin Laden zur Frau. Die Heirat wurde laut CNN von einem hochrangigen Al-Qaida-Mitglied im Jemen, Sheikh Rashed Mohammed Saeed Ismail, arrangiert und fand im Jahr 2000 statt. Es soll sich um eine politische Hochzeit gehandelt haben. Ziel war es, die Bande zwischen Bin Laden und dem Jemen zu stärken. Amal soll schon damals sehr religiös gewesen sein und an dieselben Werte wie Bin Laden geglaubt haben.

Bin Laden war ein Familienmensch

Der ehemalige CIA-Analyst Phil Mudd zeigte sich deshalb gegenüber ABC News nicht erstaunt, dass die Frau Bin Laden verteidigte. «Im Kontext der al-Qaida war er ein ehrenwerter Mann und er wurde nicht als Terrorist, sondern als Staatsmann gesehen.»

Bin Laden war zudem ein Familienmensch. Obwohl er stets auf der Flucht war, habe er versucht, seine Familie um sich zu haben, sagt Michael Scheuer, ein ehemaliges Mitglied der CIA-Einheit, die Bin Laden jagte, gegenüber dem britischen «Independent». Amal al-Sadah war offenbar Bin Ladens Lieblingsfrau. Sie war die einzige, die zuletzt mit dem 54-Jährigen lebte.

Insgesamt hatte er – je nach Zählweise– fünf oder sechs Frauen. Als Bin Laden 17 Jahre alt war, heiratete er seine saudische Cousine Najwa Ghanem, die vermutlich zwei Jahre jünger war und später mit ihm nach Afghanistan zog. Sie hatten zusammen elf Kinder. Wenige Tage vor 9/11 soll Najwa Bin Laden verlassen haben.

1983 heiratete Bin Laden seine zweite Frau, Khadijah Sharif. Mit der neun Jahre jüngeren Frau hatte er vermutlich drei Kinder. 1990, als die Familie im Sudan lebte, liessen sich die beiden scheiden – angeblich, weil Khadijah das bescheidene Leben nicht mehr aushielt und nach Saudiarabien zurück wollte.

Die dritte Hochzeit mit Khairiah Sabar wurde von Bin Ladens erster Frau arrangiert. Sie fand 1985 statt. Khairiah gebar einen Sohn. Ob sie heute noch am Leben ist, ist unklar. Möglicherweise starb sie 2001 bei der Bombardierung von Afghanistan.

Ehe nach 48 Stunden annulliert

Bin Ladens vierte Frau war Siham Sabar. Die Hochzeit fand 1987 statt. Siham brachte vier Kinder zur Welt und starb möglicherweise wie Khairiah bei den US-Angriffen auf Afghanistan. Die nächste Ehe war von kurzer Dauer, und über sie ist wenig bekannt. Offenbar wurde sie nach nur 48 Stunden annulliert. Als offizielle fünfte Ehefrau gilt deshalb die eigentlich sechste – Amal al-Sadah, die sich mutig auf die US-Elitesoldaten stürzte. Wie viele Kinder sie mit Bin Laden hatte, ist nicht bekannt. Die Rede ist meist von sechs Kindern. Insgesamt hat Bin Laden etwa 24 Nachkommen – die genaue Zahl ist nicht bekannt.

Unklar ist, welche Rolle die Söhne des Terroristen künftig spielen könnten. Anders als bei übrigen arabischen Dynastien kamen Bin Ladens Söhne vermutlich nie als potenzielle Nachfolger infrage. Innerhalb der al-Qaida hatten sie keine Führungsposition inne, einige sollen nicht einmal mit der Terrororganisation verbandelt sein.

Heimliche Bewunderung für den Terroristen

Ein grosser Teil von Bin Ladens Verwandtschaft distanziert sich sogar vehement vom Terroristen. Sein Halbbruder Yeslam Bin Laden etwa, der seit 1980 in Genf wohnt, wird nicht gerne mit Bin Laden in Verbindung gebracht. Yeslams Ex-Frau Carmen Bin Laden glaubt jedoch, dass viele im Clan insgeheim ihren berüchtigten Verwandten bewundern würden. «In Saudiarabien ist ein Bruder ein Bruder, egal ob die politische Meinung dieselbe ist oder nicht», sagte sie gegenüber dem «Independent». «Einige Familienangehörige waren ihm ideologisch sehr nahe, und ich glaube nicht, dass sie ihm den Tod wünschten.»

Erstellt: 05.05.2011, 10:40 Uhr

Bildstrecke

Osama Bin Laden ist tot

Osama Bin Laden ist tot Der Al-Qaida-Führer starb bei einem Überraschungsangriff der USA auf sein Versteck im pakistanischen Abbottabad.

Bildstrecke

Amerikaner feiern den Tod von Osama Bin Laden

Amerikaner feiern den Tod von Osama Bin Laden In den USA haben sich Tausende auf den Strassen versammelt, um den Tod des Terroristenführers zu bejubeln.

Artikel zum Thema

Die Navy Seals haben ihr Drehbuch getötet

Die US-Regisseurin Kathryn Bigelow verfilmt die Jagd auf Osama Bin Laden. Nun funkt die Realität dazwischen. Mehr...

Bin Laden war auf eine Flucht vorbereitet

Die US-Regierung gibt neue Details zur Operation Geronimo bekannt und veröffentlicht weitere Bilder des zerstörten Anwesens. Osama Bin Laden war demnach besser auf den Ernstfall vorbereitet als angenommen. Mehr...

Der unbekannte Nachbar

Keiner mag etwas bemerkt haben. Jetzt aber regen sich die Menschen im pakistanischen Abbottabad auf – viele glauben nicht, dass Osama Bin Laden sich hier versteckt hielt. Mehr...

Weiterbildung

Gamen in der Schule

Die Schule bereitet Kinder auf die Arbeitswelt vor. Das Rüstzeug soll auch spielerisch vermittelt werden.

Blogs

Von Kopf bis Fuss Schwanger dank Zyklus-App?

Mamablog Zu jung fürs Brett? Blödsinn!

Die Welt in Bildern

Ihr Kopf ist so gross wie das Junge: Das Nashhorn Baby Kiano steht im Zoo von Erfurt neben seiner Mutter. (15. Januar 2019)
(Bild: Martin Schutt) Mehr...