Ahmadinejad nimmt den Westen ins Gebet

Der iranische Präsident Mahmoud Ahmadinejad hat in seiner Rede vor der UNO-Generalversammlung einmal mehr für einen Eklat gesorgt. Schon nach wenigen Minuten verliessen die ersten Delegierten den Saal.

Nutzt Reden vor der UNO jeweils für Rundumschläge gegen den Westen: Irans Präsident Mahmoud Ahmadinejad.

Nutzt Reden vor der UNO jeweils für Rundumschläge gegen den Westen: Irans Präsident Mahmoud Ahmadinejad. Bild: AFP

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Mit wüsten Beschimpfungen gegen die USA, die Nato und den Westen allgemein hat Irans Präsident Mahmud Ahmadinejad wieder für einen Eklat bei den Vereinten Nationen gesorgt. Dutzende Delegierte verliessen heute während seiner Rede in New York demonstrativ den Saal.

Neben den Vertretern der USA erhoben sich auch die Delegationen der 27 EU-Mitgliedstaaten und anderer Staaten Länder von ihren Plätzen, als Ahmadinejad «die, die sich freiheitliche Demokratien nennen», als «Wurzel des Bösen», als «Sklavenmeister und Kolonialherren von damals» bezeichnete.

«Die Arroganz der Gewehrläufe»

«Wirkliche Freiheit, Gerechtigkeit, Frieden und Glück sind das Recht aller Nationen. Das kann nicht von der Arroganz und den Gewehrläufen der Nato unterdrückt werden», sagte Ahmadinejad. Die Medien seien unter einer «imperialistischen Knechtschaft und schweigen jeden tot, der den Holocaust und die Ereignisse des 11. Septembers 2001 infrage stellt.»

Vor einem Jahr hatte Ahmadinejad für einen ähnlichen Eklat gesorgt, als er behauptete, die Amerikaner hätten die Anschläge, bei denen fast 3000 Menschen starben, selbst inszeniert. «Einige europäische Länder nutzen jetzt noch, nach sechs Jahrzehnten, den Holocaust als Ausrede, die Zionisten in Israel mit Geld zu versorgen», sagte der Iraner weiter.

Neue Weltordnung empfohlen

Ansonsten stellte er minutenlang Fragen, die die Geschichte der letzten Jahrhunderte aus seiner Sicht umfassten: «Wer hat so viele Menschen aus Afrika verschleppt und den Kontinent kolonisiert? ... Wer hat den Ersten und Zweiten Weltkrieg ausgelöst, die Kriege in Korea und Vietnam und den Massenmord an den Palästinensern? ...»

«Welches Land gibt 1000 Milliarden Dollar für Rüstung aus, dominiert die Weltwirtschaft und ist für deren Krise verantwortlich. ... Wer wirft Bomben, versorgt aber nicht die Hungernden in Somalia? ... Kann die Blume der Demokratie aus den Raketen und Gewehren der Nato blühen?»

Ahmadinejad empfahl zugleich eine neue Weltordnung. Erlösung von Tyrannei und Diskriminierung könne nur Allah bringen. Während seiner Rede demonstrierten vor dem Gebäude Dutzende Exil-Iraner.

«Verachtenswerte Verschwörungstheorien»

Ahmadinejad habe die Chance gehabt, das Streben seiner Landsleute nach «Freiheit und Würde» anzusprechen, sagte der Sprecher der US-Delegation, Mark Kornblau. «Aber stattdessen hat er sich erneut abstossenden antisemitischen Verunglimpfungen und verachtenswerten Verschwörungstheorien zugewendet.»

Aus französischen Delegationskreisen hiess es, die Europäer hätten sich vorab auf das Verlassen des Saales verständigt, sobald Ahmadinejad den Holocaust erwähne. Das Auswärtige Amt in Berlin sprach von «kruden anti-amerikanischen, anti-israelischen und anti-westlichen Tiraden». Bereits in den vergangenen Jahren hatte Ahmadinejad seine Auftritte vor der Generalversammlung zum verbalen Rundumschlag gegen den Westen genutzt.

Angebot im Atomstreit

Vor seinem offiziellen Einstand in New York hatte der iranische Hardliner mit versöhnlicheren Tönen auf sich aufmerksam gemacht. Ahmadinejad bot in einem Interview mit der «New York Times» einen Stopp der Urananreicherung im Iran an, sollte der Westen im Gegenzug das Land mit Nuklearmaterial versorgen. Er bekräftigte, Teheran verfolge mit seinem Atomprogramm rein zivile Ziele.

Der Iran könnte die Produktion von schwach angereichertem Uran noch «in dieser Woche» stoppen, sagte Ahmadinejad. Voraussetzung sei, dass der Westen das Uran ebenfalls in dieser Woche ohne Vorbedingungen und im Einklang mit den Bestimmungen der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) liefere. Dies sei für den Iran auch günstiger, als das Nuklearmaterial selbst herzustellen.

Der Westen wirft Teheran vor, sein Atomprogramm militärisch auszurichten. Die IAEA hatte in einem Anfang des Monats bekannt gewordenen Bericht ihre «zunehmende Besorgnis» über die «mögliche Existenz» von geheimen nuklearen Aktivitäten mit militärischer Zielsetzung im Iran geäussert. Unter anderem werde befürchtet, dass Teheran an der Entwicklung eines atomaren Raketensprengkopfes arbeite. Der UN-Sicherheitsrat verhängte wegen des iranischen Atomprogramms bereits vier Mal Sanktionen gegen Teheran. (kle/AFP)

Erstellt: 22.09.2011, 20:25 Uhr

Artikel zum Thema

Ein rotes Telefon für den Iran

Nur mit Mühe konnten die USA und der Iran im Persischen Golf einen Konflikt abwenden. Nun soll es Pläne geben, ähnlich wie zu Zeiten der Sowjetunion, einen direkten Draht für Notfälle einzurichten. Mehr...

Iran feiert sein erstes AKW

Iranische und russische Regierungsvertreter haben das erste Atomkraftwerk des Mullah-Regimes eingeweiht. Doch der Vollbetrieb verzögert sich weiter. Mehr...

Iran treibt Atomwaffenprogramm voran

Laut einem Bericht der IAEA arbeitet das Land heimlich an Komponenten für Atomwaffen. Die Internationale Atomenergiebehörde zeigt sich «zunehmend besorgt». Der Iran dementiert die Gerüchte indes. Mehr...

Newsletter

Kurz, bündig, übersichtlich

Sonntags bis freitags ab 7 Uhr die besten Beiträge aus der Redaktion.
Newsletter «Der Morgen» jetzt abonnieren.

Kommentare

Paid Post

Ist Solarenergie teuer und ineffizient?

Die fünf hartnäckigsten Mythen rund um Fotovoltaikanlagen werden einem Faktencheck unterzogen.

Die Welt in Bildern

Nichts für schwache Arme: Chinesische Arbeiter formen ein Tonfass in einer Porzellanfabrik in Jingdezhen (23. September 2017).
Mehr...