Die weissen Teufel sind zurück

Im Kampf gegen Boko Haram mischen südafrikanische und osteuropäische Söldner mit. Sie verdingen sich für 400 Dollar pro Tag.

Ein US-Soldat trainiert Truppen im Tschad. Foto: Emmanuel Braun (Reuters)

Ein US-Soldat trainiert Truppen im Tschad. Foto: Emmanuel Braun (Reuters)

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Der kürzliche Tod eines weissen Südafrikaners hat Gerüchte bestätigt, wonach die nigerianische Regierung im Kampf gegen die Boko-Haram-Sekte auch ausländische Söldner einsetzt – und zwar wesentlich mehr als bislang vermutet. Gegenüber verschiedenen internationalen Medienunternehmen sprachen namentlich nicht genannte nigerianische Militärs und Regierungsbeamte sowie westliche Diplomaten von «mehreren Hundert» Südafrikanern und Ex-Soldaten aus den Gebieten der ehemaligen ­Sowjetunion, die sich im Nordosten Nigerias für rund 400 US-Dollar am Tag als Söldner verdingten. Offiziell räumte die nigerianische Regierung bislang lediglich die Präsenz «militärischer Berater» ein. Südafrikas Regierung kündigte an, die Legionäre bei ihrer Rückkehr in die Heimat vor Gericht zu stellen.

Versehentlich erschossen

Der Tod des 59-jährigen südafrikanischen Ex-Soldaten Leon Mare Lotz wurde von dessen Frau in Pretoria bestätigt. «Ich weiss, dass er mit einigen seiner Waffenbrüder offenen Auges für eine gefährliche Operation nach Nigeria ging und dass er dort getötet wurde», sagte Almari Lotz der Zeitung «Beeld». Nach Berichten aus Nigeria wurde das Fahrzeug des Soldaten der ehemaligen Apartheid-Armee versehentlich von einem nigerianischen Panzer beschossen. Die Besatzung des Panzers habe den Konvoi, in dem Lotz in der Nähe der umkämpften Grenzstadt Bama unterwegs war, für eine Fahrzeuggruppe der islamistischen Sekte gehalten, hiess es. Lotz soll zusammen mit seinem schwarzen südafrikanischen Fahrer sowie mehreren nigerianischen Soldaten getötet worden sein.

Berichte über die Anwesenheit ausländischer Söldner kursieren in Nigeria bereits seit Wochen. Eine nigerianische Zeitung veröffentlichte kürzlich Bilder von Weissen in Uniform, die in Maiduguri, einem Brennpunkt des gewalttätigen Konflikts mit der Sekte, in einem Fahrzeug patrouillierten. Ein nigerianischer Offizier bestätigte gegenüber «Voice of America», dass über 100 Söldner aus Südafrika und den ehemaligen Sowjetrepubliken auf dem Flughafen von Maiduguri stationiert seien, von wo aus sie auch Angriffe mit Jets und Helikoptern auf die Extremisten flögen. «Alle Luftangriffe werden von weissen Piloten ausgeführt», zitiert der Sender den Offizier. Die «New York Times» gibt die Äusserungen eines westlichen Diplomaten wieder, der von «einigen Hundert Söldnern» spricht: Sie seien mit Nachtsichtgeräten ausgerüstet und spielten eine «entscheidende operative Rolle». «Sie greifen Boko Haram meist sehr erfolgreich in der Dunkelheit an», sagte der Diplomat: «Am nächsten Morgen zieht dann die nigerianische Armee in das Dorf oder die Stadt ein und meldet ihren Triumph.» In den vergangenen Wochen sollen mindestens 36 von Boko Haram kontrollierte Gemeinden zurückerobert worden sein.

Der Tschad kämpft erfolgreich

Die Erfolge gehen allerdings nicht nur auf die Söldner und die nigerianische Armee zurück, sondern auch auf Operationen von Truppen aus den Nachbarstaaten, vor allem dem Tschad und Nigers. Nigerias Regierung hatte die für den 14. Februar geplanten Wahlen auf den 28. März verschoben und dafür ­Sicherheitsgründe angegeben. Beobachter gehen allerdings davon aus, dass die in Bedrängnis geratene Regierungspartei PDP für einen Wahlsieg Erfolge im Kampf gegen Boko Haram braucht.

Den von Korruption und miserabler Moral gebeutelten Streitkräften war es in den vergangenen Jahren nicht gelungen, die Extremisten in Schach zu halten. Inzwischen hofft man in der Hauptstadt Abuja, dass Boko Haram bis zu den Wahlen «besiegt» sein könnte. Das Militär des Tschad will in der vergangenen Woche mindestens 500 Sektenmitglieder getötet haben.

Der Schulterschluss von Boko Haram mit dem Islamischen Staat (IS) in Syrien und im Irak wird von Experten als Zeichen der Schwäche gewertet. Ein IS-Sprecher teilte mit, Jihadisten müssten jetzt nicht mehr nach Syrien reisen, sondern könnten sich in Nigeria dem Kampf für ein islamisches Kalifat anschliessen.

Recherchen südafrikanischer Medien zufolge gehört zumindest ein Teil der Söldner dem Unternehmen Pilgrim ­Africa Ltd. an, das von einem ehemaligen Mitglied von Executive Outcome ­gegründet wurde. Diese südafrikanische Firma machte in den 90er-Jahren weltweit auf sich aufmerksam: Ihre «An­gestellten», vor allem weisse Elitesoldaten der einstigen Apartheid-Armee, kämpften sowohl in Angola wie in Sierra Leone auf der Seite der Regierung gegen Rebellen.

Die Regierung in Pretoria erliess 1998 ein Gesetz, das das Söldnerwesen unter Strafe stellt: Executive Outcome wurde daraufhin aufgelöst. Verteidigungs­ministerin Nosiviwe Mapisa-Nqakula kündigte bereits rechtliche Schritte gegen die in Nigeria kämpfenden Südafrikaner an: «Die Polizei muss sicherstellen, dass sie bei ihrer Rückkehr verhaftet und vor Gericht gestellt werden», so die südafrikanische Ministerin.

Erstellt: 17.03.2015, 21:01 Uhr

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