Durban findet den Klima-Kompromiss

Nach Überstunden am Verhandlungstisch des Weltklimagipfels haben sich die Staaten auf ein neues Abkommen bis 2015 geeinigt. Doch wichtige Staaten fehlen – und Umweltschutzorganisationen sind skeptisch.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die internationale Gemeinschaft will bis zum Jahr 2015 einen rechtlich verbindlichen Klimavertrag erarbeiten, um so die Erderwärmung auf maximal zwei Grad zu begrenzen. Nach einem harten Ringen konnten sich die Länder beim UNO-Klimagipfel im südafrikanischen Durban heute Sonntag am frühen Morgen darauf einigen.

Auch grosse Verursacher von Treibhausgasen wie die USA, China und Indien sollen stärker in die Pflicht genommen werden. Das Abkommen soll bis 2020 in Kraft treten. Einzelheiten wie Vorgaben zur Reduzierung von Treibhausgasen blieben aber vorerst offen. Sie sollen später auch auf Grundlage neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse des Weltklimarats IPCC festgelegt werden.

Starker Druck Brüssels

Die EU hatte in Durban im Verbund mit rund 100 Staaten eine kompromisslose Strategie verfolgt. Wenn Blockierer sich nicht zu einem Fahrplan für ein rechtlich verbindliches Abkommen für alle Staaten bis 2015 bekennen, drohte die EU damit, den Gipfel platzen zu lassen.

Die EU und Indien, das zuletzt noch Widerstand geleistet hatte, verständigten sich schliesslich auf eine Formulierung, die verschiedene Stufen der Rechtsverbindlichkeit vorsieht. Die Konferenz hätte eigentlich bereits am Freitag enden sollen, war jedoch angesichts der schwierigen Verhandlungen verlänfert worden.

Neuauflage des Kyoto-Protokolls

Mit der Einigung soll auch das 2012 auslaufende Kyoto-Protokoll verlängert werden, um die Zeit bis zum neuen Vertrag zu überbrücken. Zum bisher einzig verbindlichen Klimaabkommen bekennen sich aber nur noch Staaten, die höchstens 16 Prozent der Treibhausgas-Emissionen weltweit ausmachen. Darunter ist neben der EU auch die Schweiz.

Unter dem verlängerten Kyoto-Protokoll wird bis 2020 eine CO2- Reduzierung um 25 bis 40 Prozent angestrebt. Die Details sollen aber erst im kommenden Mai beim Klimagipfel in Katar beschlossen werden. Offen blieb, wie lange diese zweite Phase – bis 2017 oder 2020 – dauern sollte.

Wichtige Staaten nicht dabei

Allerdings wollen Kanada, Japan, Russland und Neuseeland bei Kyoto II nicht mehr mitmachen. Die USA waren nie beigetreten. Bislang hatten sich 37 Industriestaaten dazu verpflichtet, ihren Ausstoss an Treibhausgasen um durchschnittlich fünf Prozent verglichen mit dem Stand von 1990 zu verringern.

In Durban wurde zudem die Arbeitsfähigkeit des internationalen Klimafonds hergestellt. Der Green Climate Fund (GCF) soll Entwicklungsländer bei Klimaschutz und Anpassung an Klimafolgen unterstützen. Der GCF soll dafür ab 2020 jährlich 100 Milliarden Euro zur Verfügung stellen.

«Historische Entscheidung»

Südafrikas Aussenministerin Maite Nkoana-Mashabane, die die Konferenz geleitet hatte, bezeichnete das Ergebnis als «historischen Meilenstein» im Kampf gegen die Klimaerwärmung. UNO-Klimachefin Christiana Figueres sagte, der Entscheid habe den Weg geebnet, «um ein breit angelegtes Klima-Regime aufzubauen».

EU-Klimakommissarin Connie Hedegaard begrüsste «bedeutende Schritte» von Seiten der Schwellenländer, wodurch die Einigung von Durban möglich geworden sei. Von einem «guten Ausgang» sprach US- Unterhändler Todd Stern.

NGO: halb zufrieden bis enttäuscht

Die Hilfsorganisation Oxfam bezeichneten die Beschlüsse als ein «wichtiges Fundament für die künftige weltweite Klimaschutzarchitektur». «Aber machen wir uns nichts vor: wegen der schwachen Klimaschutzzusagen vor allem der Industrieländer bewegt sich die Welt weiter auf eine Erwärmung von vier Grad Celsius oder mehr zu», wurde Oxfam-Klimaexperte Jan Kowalzig in einer Mitteilung zitiert.

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace zeigte sich dagegen enttäuscht. «Der unter Druck von Indien und den USA abgeschwächte Kompromiss wird nicht zu einem international verbindlichen Klimaschutzvertrag führen, sondern zu einem nur lose bindenden Abkommen», sagte Klimaexperte Martin Kaiser von Greenpeace Deutschland.

Die Konferenz habe «ein Schlupfloch für die USA und fossile Industriekonzerne unter Mithilfe von Indien geschaffen». Nun drohe erneut ein langwieriger Verhandlungsprozess. (ami/sda)

Erstellt: 11.12.2011, 07:30 Uhr

Die Teilnehmer der Klimakonferenz haben sich auf einen Kompromiss geeinigt. (Video: Reuters )

Artikel zum Thema

Leuthard will Entwicklungsländer stärker in die Pflicht nehmen

Bundesrätin Leuthard plädiert an der Klimakonferenz in Durban für umfassende Regeln bezüglich Emissionen von Treibhausgasen. So sollen Entwicklungsländer mehr Verantwortung für ihre Ausstösse übernehmen. Mehr...

«Für uns ist Kyoto eine Sache der Vergangenheit»

In Durban ringen die Länder um eine Fortführung der globalen Klimapolitik – doch die ersten erklären sie bereits für erledigt. Besser steht es um einen Fonds, für dessen Vorsitz sich auch die Schweiz bewirbt. Mehr...

«Kyoto ist kein Modell für die Zukunft»

Am Klimagipfel in Durban ist eine Nervosität spürbar, dass es zu keinem Ergebnis kommen könnte. Diese Angst sei nicht unbegründet, sagt der Schweizer Verhandlungsleiter. Ein überraschend gutes Zeugnis stellt er den USA aus. Mehr...

Paid Post

Hoher Blutdruck: Senken Sie das Risiko

Ein zu hoher Blutdruck kann gefährlich werden. Vor allem, wenn er lange nicht erkannt wird. Die jährliche Blutdruckmessung in der Rotpunkt Apotheke hilft mit, die Risiken zu senken.

Kommentare

Weiterbildung

Gamen in der Schule

Die Schule bereitet Kinder auf die Arbeitswelt vor. Das Rüstzeug soll auch spielerisch vermittelt werden.

Die Welt in Bildern

Harter Einsatz: Ein Demonstrant wird in Santiago de Chile vom Strahl eines Wasserwerfers getroffen. Die Protestbewegung fordert unter anderem höhere Untergrenzen für Löhne und Renten, günstigere Medikamente und eine neue Verfassung, die das Grundgesetz aus den Zeiten des Diktators Augusto Pinochet ersetzen soll. (9. Dezember 2019)
(Bild: Fernando Llano) Mehr...