Bern

«Es liegen israelische Soldaten im Krankenhaus»

Der israelische Botschafter in Bern, Ilan Elgar, verteidigt das Vorgehen der israelischen Armee gegen den Schiffskonvoi.

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Ilan Elgar, die Attacke des israelischen Militärs auf den Konvoi wirft hohe Wellen. Wie ist die Aktion in Ihren Augen abgelaufen?
Ilan Elgar:?Die Organisatoren dieser Flotte haben klargestellt, dass es nicht um humanitäre Hilfe, sondern um eine politische Aktion geht. Die Teilnehmer haben sich hinter der Maske der humanitären Hilfe versteckt. Sie sagten aber sehr klar, es gehe um das Brechen der israelischen Blockade von Gaza.

In der Genfer Konvention steht, es müsse garantiert sein, dass Hilfsleistungen und Nahrungsmittel nach Gaza kommen können. Soll dies nun nicht mehr gelten?
Man muss betonen, dass es zwischen Israel und dem Gazastreifen auf dem Landweg Übergänge gibt. Dort werden täglich Hilfsgüter nach Gaza gebracht. Jede Woche sind es 15'000 Tonnen. Angeblich sollen auf der Flotte 10'000 Tonnen transportiert worden sein. Die sind unter dem Strich nicht massgebend. Es war eine politische Frage. Das hatte nichts zu tun mit humanitärer Hilfe. Israel hat die Flotte ja mehrmals aufgefordert, ihre Güter in einen israelischen Hafen zu bringen, von wo sie nach Gaza hätten gebracht werden können. Das wurde von der Gruppe zurückgewiesen.

Die internationale Empörung ist trotzdem gross. Die Rede ist von 19 Toten, die der Angriff gefordert hat. Wie reagiert Israel darauf?
Die letzte Zahl, die ich gehört habe, war neun und nicht 19. Unter den Betroffenen waren nicht nur Zivilisten. Es liegen zehn israelische Soldaten im Krankenhaus, zwei befinden sich in einem ziemlich ernsten Zustand. Die Soldaten haben auf dem Schiff nicht gleich angefangen zu schiessen. Das geschah erst 40 Minuten nach der Landung auf dem Schiff. Es war ein Akt der Selbstverteidigung. Sie wurden schwer angegriffen von gewaltsamen Menschen, die sich als Friedensaktivisten auszeichnen wollen. Doch das hat nichts mit Frieden zu tun. Fünf der sechs Schiffe wurden widerstandslos in einen Hafen gebracht. Nur auf einem bestimmten Schiff gab es schwere Gewalt.

Ist der Friedensprozess im Nahen Osten nach diesem Ereignis bedroht?
Das alles hat sehr wenig zu tun mit dem Friedensprozess. Diese Flotte wollte die Blockade gegen Gaza brechen. Die Hamas ist auf jeden Fall kein Friedenspartner, wie sie selber sagt. Sie ist auch ein Feind der palästinensischen Behörden, mit denen wir derzeit indirekte Gespräche führen. Leider indirekte – ich hoffe, dass dieser Dialog in naher Zukunft direkt wird. Das Ereignis auf dem Meer hat kaum grossen Einfluss auf den Friedensprozess.

Das sehen internationale Mächte anders. Haben Sie Verständnis?
Die Frage ist, wie das Verhältnis zwischen uns und den Palästinensern ist. Das ist wichtig, weil wir dort leben. Ich hoffe, dass wir in naher Zukunft einen Frieden erreichen. Eine politische Provokation, die vor allem durch eine sogenannte türkische Friedensorganisation organisiert wurde, die in enger Verbindung mit Terrororganisationen steht, hat nichts mit der Förderung eines Friedensprozesses zu tun. (Berner Zeitung)

Erstellt: 02.06.2010, 10:45 Uhr

Botschafter Ilan Elgar

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