«Es wird auch uns gelingen»

Im Sudan demonstrieren Studenten gegen das autoritäre Regime von Präsident Omar al-Bashir. Die durch die Abspaltung des Südens ausgelösten Proteste versucht er mit Gewalt zu unterdrücken.

Mit Gewalt gegen Proteste: Polizisten auf Khartums Hauptstrasse setzten Schlagstöcke gegen die Demonstranten ein und verhafteten Dutzende.

Mit Gewalt gegen Proteste: Polizisten auf Khartums Hauptstrasse setzten Schlagstöcke gegen die Demonstranten ein und verhafteten Dutzende. Bild: Reuters

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Vieles spricht dafür, dass der Sudan bald von einer ähnlichen Protestwelle wie Ägypten heimgesucht wird. Die Opposition wird in Khartum genauso harsch behandelt wie in Kairo, erst kürzlich wurde der populäre Islamist und Oppositionsführer Hassan al-Turabi wieder hinter Gitter gesetzt. Demonstrationen sind im Sudan verboten – zumindest wenn sie regierungskritisch sind.

Bisher hielt sich die Opposition gegen Präsident Omar al-Bashir innerhalb der dominierenden arabischen Bevölkerung angesichts der Bedrohung durch andere Bevölkerungsgruppen noch in engen Grenzen. Jahrzehntelang führte die arabische Elite einen Bürgerkrieg gegen die im Süden lebenden Afrikaner, und als dieser vor sechs Jahren ein Ende fand, fingen die Auseinandersetzungen mit den Afrikanern in den westlichen Darfur-Provinzen an. Der 1989 durch einen Putsch an die Macht gekommene Militärmann Bashir ruinierte durch sein grausames Vorgehen seinen internationalen Ruf und wurde schliesslich vom Strafgerichtshof in Den Haag wegen Völkermordes und Kriegsverbrechen angeklagt. Doch der Druck von aussen schweisste die arabische Minderheit zusammen.

Erstes Todesopfer

Das ändert sich nun – ausgelöst durch die Abspaltung der Südsudanesen, die nach dem Referendum im Januar inzwischen beschlossene Sache ist. Der Verlust von 25 Prozent der Landesfläche und 20 Prozent der Bevölkerung wirft die Nordsudanesen auf sich selbst zurück und hat bereits zu einer Zunahme der Spannungen mit Bashirs Regierung geführt. Vor seiner Verhaftung hatte Islamist Turabi den Sturz des Präsidenten «spätestens für die Zeit nach der Auszählung der Stimmen des Volksentscheids» angekündigt: Mehrere Oppositionsparteien schlossen sich zusammen, um die herrschende Nationale Kongresspartei herausfordern zu können.

Ihnen kamen nun aber lose organisierte Studenten zuvor, die in den vergangenen zwei Wochen bereits wiederholt in verschiedenen Universitätsstädten auf die Strasse gingen. Die Polizei reagierte jedes Mal mit Härte, setzte Schlagstöcke ein und verhaftete Dutzende. Anfang Woche gab es das erste Todesopfer: In einem Spital in Omdurman, der Zwillingsstadt Khartums, starb Mohammed Abdulrahman, nachdem er von der Polizei brutal verprügelt worden war. In Sprechchören und auf Plakaten erinnern die Studenten auf die Vorgänge in Tunesien und Ägypten: «Unsere tunesischen und ägyptischen Brüder haben es geschafft, es wird auch uns gelingen», heisst es etwa.

Unabhängige Berichterstattung behindert

Wo sie kann, geht die Regierung mit Zensur gegen die sich formierende Opposition vor: Zwei unabhängige Zeitungen, die über die Proteste berichten wollten, wurden kürzlich an der Auslieferung gehindert. Ob der Studentenprotest auf die breite Bevölkerung übergreifen wird, ist noch unklar. Für Bashirs Regime besonders gefährlich ist die sich abzeichnende Wirtschaftskrise, die ebenfalls durch die Abspaltung des Südens ausgelöst wurde: Bald wird der Norden auf einen beträchtlichen Teil seiner Erdöleinnahmen verzichten müssen, die bislang für einen Grossteil seiner Exporterlöse sorgten. Bereits musste die Regierung ihre Subventionen für Benzin und Zucker kürzen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 01.02.2011, 22:17 Uhr

Jordanien

Der König tauscht den Regierungschef aus

Nach Protesten hat der jordanische König Abdullah II. gestern den Regierungschef gegen einen Ex-Regierungschef ausgewechselt: Marouf al-Bakhit soll eine neue Regierung bilden und «wahrhaftige politische Reformen» in Angriff nehmen, wie das Königshaus mitteilte. Bakhits Aufgabe bestehe darin, «praktische, schnelle und konkrete Schritte» zu unternehmen, um politische Neuerungen umzusetzen und allen Jordaniern ein «anständiges Leben» zu bieten. Ökonomische Reformen seien nötig, um das Leben der Menschen zu verbessern, «aber wir werden das nicht ohne echte politische Reformen erreichen». Die Menschen müssten stärker an Entscheidungen beteiligt werden.

Der 64-jährige Bakhit, der bereits von 2005 bis 2007 Ministerpräsident gewesen war, ist in der jordanischen Bevölkerung beliebt. Die Wut der Menschen auf der Strasse hatte sich primär gegen seinen Vorgänger Samir Rifai gerichtet, der seit 2009 im Amt war. Die Demonstranten machten ihn für gestiegene Lebensmittel- und Benzinpreise sowie für zögerliche Reformen verantwortlich.

Die oppositionelle Islamische Aktionsfront (FAI) kritisierte Bakhits Ernennung. Er sei kein Reformer, sagte ein FAI-Führungsmitglied. Man werde das weitere Vorgehen gemeinsam mit der Muslimbruderschaft beraten. Ein anderer Führer der islamistischen Opposition betonte jedoch: «Jordanien ist nicht Ägypten.» Die Demonstranten wollten den König nicht stürzen, sondern kämpften für demokratische Reformen.(SDA)

Artikel zum Thema

Im Juli entsteht der 193. Staat der Welt

Die Regierung des Sudan akzeptiert den Ausgang der Volksabstimmung über einen unabhängigen Staat im Süden. Sie strebt gute Beziehungen mit dem neuen Nachbarn an. Mehr...

Wuchtiges Ja für unabhängigen Südsudan

Fast 99 Prozent der Südsudanesen haben in der Volksabstimmung über die Zukunft ihres Landes für einen eigenen Staat gestimmt. 3,8 Millionen Wähler votierten für die Unabhängigkeit, nur 45'000 dagegen. Mehr...

Bildstrecke: Wahlen im Sudan

Im Sudan sind die ersten Auszählungen zur Loslösung des Südens veröffentlicht. Die Aussprache für eine Teilung des Landes ist überbewältigend. Mehr...

Kommentare

Blogs

Sweet Home 10 festliche Köstlichkeiten

Mamablog Der wahre Held meiner Geschichten

Die Welt in Bildern

Haben keine Höhenangst: Zwei Fensterputzer haben sich in Tokyo als Hund und Wildschein verkleidet. Die beiden Tiere sind in Japan die Sternzeichen dieses und des nächsten Jahres. (13. Dezember 2018)
(Bild: Kim Kyung-Hoon) Mehr...