Frankreichs Justiz ermittelt im Fall des Todes von Arafat

Ende Juli hatte Yassir Arafats Witwe Anzeige eingereicht, weil sie vermutete, dass ihr Mann vergiftet wurde. Nun nehmen französische Untersuchungsrichter die Ermittlungen auf.

Wurde möglicherweise vergiftet: Jassir Arafat.

Wurde möglicherweise vergiftet: Jassir Arafat. Bild: Keystone

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Acht Jahre nach dem Tod von Palästinenserpräsident Yassir Arafat hat die französische Justiz Ermittlungen wegen Mordverdachts eingeleitet. Die Staatsanwaltschaft von Nanterre bei Paris reagierte damit auf eine Ende Juli eingereichte Anzeige von Arafats Witwe Suha. Sie vermutet, dass ihr Mann vergiftet wurde. Ein oder mehrere Untersuchungsrichter werden nun in dem Fall ermitteln. Sie sollten in Kürze ernannt werden, erfuhr die Nachrichtenagentur AFP aus informierten Kreisen.

Die palästinensische Autonomiebehörde begrüsste die in Frankreich eingeleiteten Ermittlungen. Der palästinensische Präsident Mahmud Abbas habe Frankreichs Präsidenten François Hollande darum gebeten, den Palästinensern dabei zu helfen, die Umstände von Arafats Tod aufzuklären und Ermittlungen einzuleiten, sagte Chefunterhändler Sajeb Erakat der Nachrichtenagentur AFP in Ramallah.

Arafat war am 11. November 2004 in einem Pariser Spital unter bis heute unklaren Umständen gestorben. Die Palästinenser verdächtigen Israel seit Jahren, Arafat ermordet zu haben.

Baldige Obduktion

Experten des Radiophysik-Instituts am Lausanner Universitätsspital (CHUV) wollen nach Angaben der Klinik vom Freitag bald Arafats Leichnam obduzieren. Gesucht werden Anzeichen für eine mögliche Polonium-Vergiftung.

Die Radiophysik-Experten hatten im Juli Kleidungsstücke Arafats untersucht, die er vor seinem Tod getragen haben soll. Daran stellten sie erhöhte Werte von Polonium 210 fest. Auch an Arafats Zahnbürste sowie an den Haaren waren Spuren des radioaktiven Isotops gefunden worden.

Allerdings wiesen die Schweizer Wissenschaftler ausdrücklich darauf hin, dass ihre Ergebnisse keine Beweise für eine Vergiftung Arafats seien. (kpn/sda)

Erstellt: 28.08.2012, 18:04 Uhr

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