Gbagbos Leute aus der Botschaft geworfen

Der Ivorer Laurent Gbagbo hält trotz Wahlniederlage an seinem Präsidentenamt fest. Frankreich und Belgien isolieren den Machthaber nun mit diplomatischen Mitteln.

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Im Machtkampf in der Elfenbeinküste entgleitet dem bisherigen Staatschef Laurent Gbagbo zunehmend die Kontrolle über den diplomatischen Dienst. Die Botschaft in Paris, eine der wichtigsten Vertretungen des Landes, wurde am Montag von Vertrauten des international anerkannten Wahlsiegers Alassane Ouattara übernommen. Ein Streikaufruf von Outtaras Partei verhallte dagegen weitgehend ungehört.

Nach Angaben des Pariser Aussenministeriums leitete Frankreich am Montag die Anerkennung eines neuen Botschafters der Elfenbeinküste ein, der von Ouattara ernannt wurde. Der Diplomat, dessen Name zunächst nicht genannt wurde, soll Nachfolger von Amtsinhaber Pierre Kipré werden, der Gbagbo nahesteht. Anhänger von Ouattara übernahmen die Botschaft, nachdem die bisherigen Mitarbeiter das Gebäude im schicken 16. Arrondissement verlassen hatten. Rund 20 französische Polizisten bewachten den Eingang.

Auch Belgien zieht nach

Gbagbo warf der ehemaligen Kolonialmacht Frankreich und den USA in der französischen Zeitung «Le Figaro» vom Montag vor, ein «Komplott» gegen ihn zu schmieden. In der Zeitung «Le Monde» warnte er vor einem «Bürgerkrieg» in der Elfenbeinküste. Paris wies die Anschuldigungen als «haltlos» zurück.

Auch Belgien vollzog am Montag einen Wechsel in den diplomatischen Beziehungen zur Elfenbeinküste. Wie das Aussenministerium in Brüssel mitteilte, werde das Land künftig einen Gesandten Ouattaras als Geschäftsträger der Botschaft anerkennen. Bereits in der vergangenen Woche hatte die Vollversammlung der Vereinten Nationen einen von Ouattara benannten Botschafter akkreditiert.

Die Massnahmen der afrikanischen Staaten

Auch der Druck der afrikanischen Staaten auf Gbagbo nimmt weiter zu. Am Dienstag wollten drei Staatschefs von Ländern der Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft (ECOWAS) - Benins Boni Yayi, Sierra Leones Ernest Koroma und Pedro Pires von Kap Verde - nach Abidjan reisen, um Gbagbo zum Rücktritt zu bewegen. Die Afrikanische Union (AU) beauftragte am Montag ausgerechnet den kenianischen Ministerpräsident Raila Odinga, die Bemühungen zur Lösung der Krise in der Elfenbeinküste zu leiten. Odinga hatte als erster afrikanischer Regierungschef militärische Schritte gegen Gbagbo gefordert.

Ungeachtet des Streikaufrufs ging in der ivorischen Metropole Abidjan das Leben wie gewohnt weiter, wie AFP-Reporter berichteten. Lediglich in Bouaké im Landesinnern blieben am Montag Banken und der Markt der Stadt geschlossen. Bouaké ist eine Hochburg der ehemaligen Rebellenbewegung Forces Nouvelles (FN), die Ouattara nahesteht. Ouattaras Partei RHDP hatte ihre Anhänger dazu aufgerufen, ab Montag so lange nicht zur Arbeit gehen, bis Gbagbo zurücktrete.

(jak/AFP)

Erstellt: 27.12.2010, 22:01 Uhr

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