Geheime Waffendeals für syrische Rebellen

Saudiarabien hat den syrischen Aufständischen offenbar Tausende Gewehre und Raketenwerfer geliefert. Diese sollen aus Kroatien stammen. Zudem erwägen die USA erstmals direkte Hilfe für die Rebellen.

Stammten laut Blogger Brown Moses aus Kroatien: Waffensysteme auf einem Youtube-Clip der syrischen Rebellen. (Screenshot Brown Moses/Youtube)

Stammten laut Blogger Brown Moses aus Kroatien: Waffensysteme auf einem Youtube-Clip der syrischen Rebellen. (Screenshot Brown Moses/Youtube)

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Saudiarabien hat die syrischen Rebellen offenbar im grossen Stil mit kroatischen Waffen versorgt. Dies berichtet die «New York Times» unter Berufung auf anonyme amerikanische und westliche Behördenvertreter. Saudiarabien soll Kroatien Tausende Sturmgewehre, Minenwerfer, Maschinengewehre und tragbare Raketenwerfer abgekauft haben.

Ab Dezember 2012 wurden die Waffen über ein geheimes Versorgungsnetz via Jordanien zu den Aufständischen in Syrien geliefert. Laut der Zeitung könnte das Kriegsmaterial durchaus direkt mit einigen militärischen Erfolgen der Rebellen in den vergangenen Wochen in Verbindung gebracht werden.

Laut dem Blogger Brown Moses, der anhand von Fotos und Videos die Bewaffnung der Aufständischen im Syrien-Konflikt analysiert, tauchte das Material aus früherer jugoslawischer Produktion erstmals im Januar 2013 auf Youtube-Clips von Rebellen auf.

Jordanische Transportmaschinen in Zagreb

Die Waffen stammten gemäss den Informanten der «New York Times» aus nicht erfassten kroatischen Beständen aus der Zeit der Balkankriege. Die Lieferungen seien ab Dezember mit mehreren Flugzeugen aus Kroatien ausgeflogen worden. Tatsächlich berichtete auch die kroatische Tageszeitung «Jutarnji List» vor kurzem, dass zwischen Mitte Dezember und Ende Januar ungewöhnlich viele jordanische Transportmaschinen auf dem Flughafen Pleso in Zagreb gesichtet worden waren.

Kroatien winkt jedoch ab. Das Aussenministerium wehrt sich gegenüber der Zeitung vehement dagegen, das Kriegsmaterial verkauft zu haben. Und der kroatische Militäranalyst Igor Tabak gibt zu bedenken, Kroatien werde sicherlich nicht seine EU-Kandidatur durch illegale Waffenverkäufe gefährden. Gleichzeitig merkt Tabak aber an, dass eine Lieferung dieser Grösse wohl kaum ohne die Unterstützung einzelner Staaten und Geheimdienste möglich ist.

Ob nebst Saudiarabien tatsächlich weitere Länder und Geheimdienste an der Lieferung beteiligt waren, ist laut der «New York Times» kaum festzustellen. Bei der CIA, im Weissen Haus und in verschiedenen europäischen Ländern lehne man einen Kommentar zum Fall ab.

Unterstützt Washington bald die Rebellen?

In den vergangenen Wochen stieg in Saudiarabien und im Westen das Unbehagen über das verstärkte Einwirken Teherans im Syrien-Konflikt. Der Iran und die mit ihm verbündete schiitische Hizbollah aus dem Libanon bauen in Syrien offenbar ein Netzwerk von Milizen auf (Tagesanzeiger.ch/Newsnet berichtete). Die von Saudiarabien organisierte Waffenlieferung weist laut der Zeitung darauf hin, dass sich die Regierungen verschiedener westlicher und arabischer Länder mittlerweile doch für eine direkte Unterstützung der Aufständischen in Syrien entscheiden könnten.

Offenbar prüft die US-Regierung, den Rebellen unter anderem Schutzwesten zu liefern. Denkbar sei auch, eine militärische Ausbildung anzubieten. Dies berichtete die «Washington Post» unter Berufung auf Regierungsvertreter.

Der neue US-Aussenminister John Kerry werde diesen angedachten Politikwechsel auf seiner Antrittsreise durch mehrere Staaten der EU und des Nahen Ostens ansprechen, hiess es. In den USA gebe es aber Vorbehalte gegenüber Waffenlieferungen an die Rebellen.

Kerry wird bei der Konferenz der Freunde Syriens morgen in Rom mit Vertretern der syrischen Opposition zusammenkommen. Bei seinem Besuch in London sagte Kerry am Montag, US-Präsident Barack Obama prüfe weitere Schritte, «um unsere Verpflichtung gegenüber unschuldigen Menschen zu erfüllen». Einzelheiten nannte er nicht. (kpn)

Erstellt: 27.02.2013, 10:59 Uhr

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