Geheimes US-Kommando fliegt auf

Offiziell gibt es keine amerikanische Militäroperation in Libyen. Da machen sich Fotos einer Spezialeinheit auf Facebook schlecht.

Ein Fehler: US-Spezialkräfte posieren zusammen mit libyschen Soldaten. (Bild: Libyan Air Force / Facebook)

Ein Fehler: US-Spezialkräfte posieren zusammen mit libyschen Soldaten. (Bild: Libyan Air Force / Facebook)

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Zum ersten Mal seit eineinhalb Jahren gibt es wieder einen Beweis dafür, dass amerikanische Spezialkräfte in Libyen aktiv sind. Eine Undercover-Mission flog auf, weil die libysche Luftwaffe auf Facebook Bilder eines amerikanischen Spezialkommandos veröffentlichte. Zudem verbreitete sie detaillierte Informationen über dessen Grösse, Ausrüstung und Standort.

Gemäss den Aussagen der libyschen Luftwaffe sind 20 Amerikaner am 14. Dezember um 6 Uhr morgens mit einem US-Militärflugzeug auf der Luftwaffenbasis Wattayah gelandet. Allerdings seien sie aufgetaucht, ohne sich mit dem ortsansässigen Kommando abzusprechen, schrieb die Luftwaffe in einer Stellungnahme. Die Männer hätten kampfbereit ausgesehen, seien mit kugelsicheren Westen, modernen Sturmgewehren inklusive Schalldämpfer, Pistolen, Nachtsicht- und GPS-Geräten ausgerüstet gewesen.

Nach Angaben der Luftwaffe haben die Amerikaner von der Koordination mit einer anderen Abteilung des libyschen Militärs gesprochen. Weil sie keine Aufenthaltserlaubnis hatten, wurden sie aber von lokalen Kommandanten aufgefordert, die Militärbasis zu verlassen. Dieser Forderung ist das US-Spezialkommando anscheinend nachgekommen. Wie ein Bild der libyschen Luftwaffe zeigt, belud es sein Geländefahrzeug vorher noch mit Waffen und Ausrüstung.

Mit welchem Ziel die Spezialkräfte unterwegs waren, ist unklar. Wie der Sender NBC berichtet, haben anonyme Beamte des US-Verteidigungsministeriums den Vorfall bestätigt. Elitetruppen seien seit einiger Zeit «in und um Libyen», allerdings nur, um das libysche Militär zu beraten, und nicht für Kampfeinsätze.

Die nun veröffentlichten Bilder lassen an dieser Aussage zweifeln. «The Guardian» vermutet, dass das US-Spezialkommando die Aufgabe hat, Angriffe gegen Stützpunkte des sogenannten Islamischen Staats durchzuführen und damit dessen Ausbreitung in Libyen zu verhindern. Nach Angaben der englischen Zeitung liegt die Luftwaffenbasis Wattayah, wo die Amerikaner gelandet sind, in der Nähe der Kleinstadt Ajaylat im Nordwesten des Landes, die eine IS-Basis sein soll. Dieses verdeckte Vorgehen gegen die Terrormiliz verfolgen die USA gemäss verschiedenen amerikanischen Medien bereits im Irak und in Syrien.

Erstellt: 18.12.2015, 15:35 Uhr

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