Geistlicher wird Chef der syrischen Opposition

Vertreter der syrischen Rebellen haben sich auf eine neue Führungsgruppe geeinigt. Chef der Opposition wird der Scheich Ahmed al-Chatib. Die USA bezeichnen den Zusammenschluss als Meilenstein im Syrienkonflikt.

Steht dem neuen 60-köpfigen Gremium der syrischen Opposition vor: Ahmad al-Chatib (r.) umarmt den bisherigen Oppositions-Chef Haitham al-Maleh (l.) in Doha, Katar. (9. November 2012)

Steht dem neuen 60-köpfigen Gremium der syrischen Opposition vor: Ahmad al-Chatib (r.) umarmt den bisherigen Oppositions-Chef Haitham al-Maleh (l.) in Doha, Katar. (9. November 2012) Bild: Reuters

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Nach tagelangen Verhandlungen und unter dem Druck der internationalen Gemeinschaft haben sich Vertreter der syrischen Opposition auf die Gründung einer neuen Führungsgruppe geeinigt. Die neue Gruppe solle den Namen Syrische Nationalkoalition für Opposition und Revolutionäre Kräfte tragen, sagte Ali Sadr el Din Bajanuni, der an den Verhandlungen beteiligt war, am Sonntag. Die Initiative werde ohne Ausnahme von allen Oppositionsparteien unterstützt.

Die neue Führungsgruppe soll demnach auch Vertreter der derzeit grössten oppositionellen Vereinigung, dem Syrischen Nationalrat (SNC), enthalten. Der SNC hatte sich zuvor gegen die Gründung eines neuen Führungsgremiums gewehrt, da er darin seinen eigenen Einfluss gefährdet sah. Im neuen Gremium soll der SNC 22 von insgesamt 60 Sitzen erhalten. Auch Aktivisten aus Syrien und Rebellenkommandeure sollen in der Gruppe vertreten sein.

Präsident der neuen Vereinigung wird der gemässigte islamische Prediger Ahmed al-Chatib. Der 52-Jährige stammt aus Damaskus. Er hatte Syrien vor drei Monaten verlassen, nachdem er mehrfach von den Sicherheitskräften Assads festgenommen worden war. Zu seinen Stellvertretern bestimmten die Delegierten den Dissidenten Riad Seif und die Menschenrechtsaktivistin Suhair Atassi.

Westliche Staaten kritisierten SNC

Dem gemeinsamen Entschluss der unterschiedlichen Oppositionsgruppen waren mehrtägige Verhandlungen in der katarischen Hauptstadt Doha vorausgegangen. Die Einigung könnte die Bemühungen der Opposition um internationale Unterstützung im Kampf gegen das Regime von Präsident Bashar Assad vorantreiben. Die Gewalt in Syrien dauert inzwischen seit 20 Monaten an und kostete nach Angaben von Aktivisten bislang mehr als 36'000 Menschen das Leben. Die Opposition hofft auf Waffen aus dem Ausland.

Die US-Regierung hat den Zusammenschluss der syrischen Oppositionsgruppen im Kampf gegen Staatschef Bashar al-Assad begrüsst.

Der stellvertretende Sprecher des US-Aussenministeriums, Mark Toner, erklärte, die Bildung der syrischen Nationalen Koalition sei ein Meilenstein auf dem Weg zum «Ende von Assads blutiger Herrschaft und zum Beginn einer friedlichen, gerechten und demokratischen Zukunft» für alle Menschen in Syrien.

«Wir werden mit der Nationalen Koalition zusammenarbeiten, um sicherzustellen, dass unsere humanitäre und nicht-tödliche Unterstützung den Bedürfnissen der syrischen Menschen dient», fügte der Sprecher hinzu. Zugleich dankte er der Regierung des Golfemirats Katar für deren Unterstützung.

Opposition plant Bildung einer Übergangsregierung

Die neue Führungsgruppe werde bereits unter anderem von Saudiarabien, Ägypten und der Türkei unterstützt, sagte Wael Mersa vom Syrischen Nationalrat. Dies könne «neue Kanäle für die Finanzierung» öffnen. Der SNC werde zwar an seiner Unabhängigkeit als Gruppe festhalten, wolle aber die neue Nationalkoalition aus Oppositionskräften ohne Vorbehalte unterstützen, sagte Mersa.

Die am Sonntag erzielte Einigung sieht auch die Bildung einer Übergangsregierung vor. Zudem sei eine Konferenz auf nationaler Ebene geplant, sobald das Assad-Regime entmachtet sei, heisst es in einem Entwurf, der der Einigung zugrunde liegt.

Israel feuert Raketen nach Syrien

Der Konflikt in dem Land spitzt sich unterdessen auch an der Grenze zu Israel gefährlich zu. Die israelische Armee feuerte heute Sonntag mehrere Warnschüsse auf das Nachbarland ab. Regierungschef Benjamin Netanyahu warnte, Israel sei auf alle Eventualitäten eingestellt.

Eine aus Syrien abgefeuerte Granate hatte zuvor einen israelischen Militärposten auf den Golanhöhen getroffen, wie aus israelischen Militärquellen verlautete. Verletzte gab es dabei nicht. Nach Angaben des israelischen Radios handelte es sich bei der israelischen Reaktion um die ersten Schüsse in Richtung syrischer Streitkräfte seit dem Jom-Kippur-Krieg von 1973. (rub/mw/dapd/sda)

Erstellt: 12.11.2012, 06:32 Uhr

Nach wiederholtem Granatenbeschuss aus Syrien: Israel reagiert. (Video: Reuters)

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