General befiehlt verdeckten Einsatz von Eliteeinheiten

Das US-Militär setzt eine neue Direktive ihres Befehlshabers im Nahen Osten um. Spezialtruppen werden bei Freund und Feind für verdeckte Aktionen eingesetzt.

In Afghanistan immer wieder während Geheimaktionen unterwegs: CIA, hier laut «Washington Post» ein Geheimgefängnis in der Nähe von Kabul.

AFP

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Der oberste Befehlshaber der US-Truppen im Mittleren Osten, General David Petraeus, hat gemäss einem Artikel der «New York Times» im vergangenen September eine geheime Direktive unterzeichnet, die den verdeckten Einsatz von Eliteeinheiten erlaubt. Ziel sei es, militante Gruppierungen wie al-Qaida zu unterwandern und möglichen Bedrohungen im Iran, Saudiarabien, Somalia und weiteren Ländern in der Region entgegenzuwirken.

Das Besondere an der Direktive ist, dass nicht zwischen freundlich oder feindlich gesinnten Ländern unterschieden wird und ausser Informationen auch Kontakte zur lokalen Bevölkerung gesucht werden. Obwohl solche Operationen bereits während der Bush-Administration durchgeführt wurden, sollen die jetzigen Aktionen systematischer und längerfristig ausgerichtet werden. Schliesslich verspricht sich das US-Militär dadurch eine Verringerung ihrer Abhängigkeit von den Geheimdiensten.

Heikle Einsätze sowohl bei Freund und Feind

Problematisch sind die verdeckten Einsätze nicht nur in feindlich gesinnten Gegenden, wo verdeckt operierende Soldaten Gefahr laufen, als Spione eingestuft zu werden und dadurch den Schutz der Genfer Konvention für Kriegsgefangene verlieren.

In befreundeten Ländern könnte die Aufdeckung solcher Operationen die dortigen Regierungen in Verlegenheit bringen und je nach politischer Lage destabilisieren oder zu Konflikten führen, etwa wenn von dort aus US-Aktionen in Nachbarländer gestartet werden mit denen ein prekäres Verhältnis besteht.

Ein mögliches Beispiel der Umsetzung dieser Direktive ist die Zusammenarbeit des US-Militärs und seiner Spezialtruppen mit der jemenitischen Armee Ende 2009, drei Monate nach Unterzeichnung durch Petraeus. Im Jemen unternahmen in dieser Zeit einheimische Truppen einige erfolgreiche Offensiven gegen die dortigen al-Qaida-Ableger. Die Aktionen wurden durch Raketen-Angriffe der US-Marine unterstützt.

Kein Kompetenzgerangel mit der CIA

Obwohl es bei früheren Einsätzen immer wieder zu Kompetenzstreitigkeiten zwischen dem Pentagon und der CIA gekommen sei, scheint es bei den jetzigen Einsätzen keine Reibereien zwischen Militär und Geheimdienst zu geben. Wie die «New York Times» schreibt, spricht ein Vertreter der CIA von einer engen Beziehung zum Pentagon und koordinierten Aktionen.

Das war nicht immer so. In der Zeit als Donald Rumsfeld Verteidigungsminister war, wehrte sich die CIA vor allem gegen verdeckte Militäreinsätze ausserhalb von Kriegszonen, da einzelne Aktionen des Militärs damals schief liefen und dabei Zivilisten umkamen.

Im Gegensatz dazu dient die jetzige Direktive für Geheimeinsätze eher der Vorbereitung künftiger Militäroperationen. Das bedeutet, dass primär militante Gruppierungen ausgespäht werden sollen und die Lage in der jeweiligen Region genau evaluiert wird. Daneben werden vor allem Kontakte zu freundlich gesinnten Gruppen gesucht.

Erstellt: 25.05.2010, 16:39 Uhr

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