Ghadhafi predigt wieder

In der Nacht auf heute flog die Nato offenbar neue Angriffe auf Tripolis. Während die Rebellen an mehreren Fronten Erfolge feiern können, meldet sich der Machthaber erneut mit seiner Märtyrer-Rhetorik zu Wort.

«Wir können uns nicht zurückziehen oder kapitulieren»: Muammar al-Ghadhafi, hier während einer Rede 2010.

«Wir können uns nicht zurückziehen oder kapitulieren»: Muammar al-Ghadhafi, hier während einer Rede 2010. Bild: Keystone

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Mehrere Explosionen haben in der Nacht auf heute die libysche Hauptstadt Tripolis erschüttert. Das Staatsfernsehen berichtete, die «Nato-Kreuzfahrer-Kräfte» hätten zivile und militärische Ziele im östlichen Vorort Tadschura getroffen. Die Attacke habe mindestens eine Stunde gedauert. Dabei habe es Tote gegeben, nähere Angaben wurden nicht gemacht.

Kurz nach Mitternacht (Ortszeit) war ein Grollen zu hören und östlich von Tripolis waren Blitze zu sehen, die grosse Rauchwolken erhellten. Zudem war sporadisches Flugabwehrfeuer zu vernehmen - offenbar ein Zeichen für neue Luftangriffe der Nato.

Ghadhafis dritte Durchhalteparole

Zuvor hatte der libysche Machthaber Muammar al-Ghadhafi in einer Rundfunkansprache erklärt, sein Land werde angesichts der Angriffe durch die Rebellen und der Nato-Luftkampagne niemals aufgeben. Libyen werde weiter kämpfen und nicht zurückweichen, sagte Ghadhafi am Samstag. «Nachdem wir unsere Kinder als Märtyrer gaben, können wir uns nicht zurückziehen oder kapitulieren, oder aufgeben, oder uns einen Zentimeter bewegen», sagte er. «Seid versichert in euren Gräbern, unsere Märtyrer, wir werden euch niemals verraten.»

Es war binnen drei Tagen die dritte Rede Ghadhafis mit Durchhalteparolen. Sie richtete sich diesmal an die Stadt Sawija, die Regierungstruppen von den Aufständischen zurückerobert hatten und wo Tausende Anhänger Ghadhafis für ihn demonstrierten.

Übergangsregierung anerkannt

Mittlerweile hätten sich die libyschen Regierungstruppen nach heftigen Kämpfen um Brega in die 50 Kilometer westlich gelegene Stadt Bishr zurückgezogen. Das meldete der Sender al-Arabiya am Samstag. In Brega liegt ein wichtiger Ölhafen.

Der neue militärische Erfolg der Rebellen kam, nachdem rund 40 Staaten ihren Übergangsrat als einzige legitime Vertretung des libyschen Volkes anerkannt hatten. «Solange eine Übergangsregierung im Amt ist, erkennen die USA den TNC (Nationalen Übergangsrat) als die legitime libysche Regierung an», hatte US-Aussenministerin Hillary Clinton am Freitag in Istanbul gesagt. Dagegen habe das Ghadhafi-Regime für die US- Regierung jede Legitimität verloren.

«Zerstampft diese dumme Anerkennung»

Der libysche Machthaber wies die internationale Anerkennung zurück. «Zerstampft diese dumme Anerkennung unter Euren Füssen», rief er seinen Anhängern in einer am späten Freitagabend vom staatlichen Fernsehen ausgestrahlten Audiobotschaft zu.

Am Samstagabend liess al-Ghadhafi eine neue Schimpfkanonade gegen die Aufständischen und die europäischen Staaten ab. Er beschimpfte die Aufständischen als «Verräter und Agenten des französischen Geheimdienstes».

In einer Rede, die nach Angaben des libyschen Fernsehens per Telefon in die Stadt Al-Sawija übertragen wurde, wo sich einige Tausend seiner Anhänger zu einer Pro-Ghadhafi-Kundgebung versammelt hatten, drohte er: «Verschwindet aus Benghazi, die Massen werden zu euch kommen, auch ohne einen Befehl von mir...wir werden die Stadt Misrata befreien, Haus für Haus.»

Kämpfe im Westen

Unterdessen gingen die Kämpfe zwischen Rebellen und Ghadhafi- Truppen in der westlichen Stadt Bir al-Ghanam weiter, wie der oppositionelle Fernsehsender Libya Hurra (freies Libyen) meldete. Die Rebellen kämpfen auch um die Stadt Al-Ghayan auf dem Weg nach Tripolis.

Im Dorf Bir Ajad, 15 Kilometer südlich der Front, waren Gewehrschüsse und Artilleriefeuer zu hören. Von der Region aus sind es etwa 80 Kilometer bis in die Hauptstadt Tripolis.

Laut den Rebellen helfen ihnen die Nato-Luftschläge bei ihrem Vordringen. Bereits am Freitag hatten Kampfflugzeuge in der Nähe von Brega einen Panzer, fünf gepanzerte Fahrzeuge, sieben weitere Fahrzeuge und zahlreiche Raketenwerfer zerstört. (pbe/sda)

Erstellt: 17.07.2011, 06:43 Uhr

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