Haben sich IS und al-Qaida verbündet?

Lange waren sich die beiden Terrororganisationen spinnefeind. Jetzt sollen sie eine Zusammenarbeit vereinbart haben. Ein Problem für die USA.

Gemeinsam statt gegeneinander: Dieses Bild zeigt laut der Nachrichtenagentur AP al-Qaida- und IS-Kämpfer bei einem gemeinsamen Umzug in Raqqa. (30. Juni 2014)

Gemeinsam statt gegeneinander: Dieses Bild zeigt laut der Nachrichtenagentur AP al-Qaida- und IS-Kämpfer bei einem gemeinsamen Umzug in Raqqa. (30. Juni 2014)

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Die Terrororganisationen Islamischer Staat und al-Qaida wollen nach AP-Informationen ihren Kampf gegeneinander einstellen und künftig zusammen gegen ihre Gegner vorgehen. Das erfuhr die Nachrichtenagentur aus syrischen Oppositionskreisen in Istanbul. Zwei Gewährsleute der moderaten Rebellen berichteten, Delegationen beider Gruppen hätten sich am 2. November heimlich in Nordsyrien getroffen und nicht nur die Einstellung der Feindseligkeiten gegeneinander, sondern auch das gemeinsame Vorgehen gegen ihre Gegner vereinbart.

IS und der al-Qaida-Ableger in Syrien, die Nusra-Front, haben sich mehr als ein Jahr lang erbittert bekämpft, um ihren Anspruch auf Führerschaft der Rebellion gegen das Regime von Präsident Baschar al-Assad durchzusetzen.

Ihr Zusammengehen könnte der US-Strategie einen schweren Schlag versetzen, im Kampf gegen die Extremisten in Syrien auf die Bewaffnung moderater Rebellengruppen zu setzen. Die Kampfkraft der moderaten Rebellen wird von Militärexperten nicht so hoch wie die der IS und Nusra-Front eingeschätzt.

Schlagkräftige Waffen

Das Geheimtreffen fand den Gewährsleuten zufolge am 2. November in dem westlich von Aleppo gelegenen Ort Atareb statt. Einer von ihnen gehört der Freien Syrischen Armee an und benutzt den Decknamen Abu Mussafer. Nach seinen Angaben wurden zwei Entscheidungen erreicht:Einstellung der Kämpfe zwischen IS und Nusra-Front und zweitens die Eröffnung gemeinsamer Fronten gegen kurdische Kämpfer in mehreren Gebieten Nordsyriens.

Die Nusra-Front war seit Beginn des Bürgerkriegs 2011 eine führende militärische Kraft der Rebellen im Kampf gegen Assad. Der IS drang 2012 von Irak aus nach Syrien ein und erregte mit grosser Brutalität Aufsehen und Einfluss. Al-Qaida wies zunächst alle Forderungen des IS nach einer Rolle in Syrien zurück und es entwickelte sich ein Krieg im Krieg. Mit den Erfolgen des IS im Irak, bei denen der Terrormiliz schlagkräftige Waffen aus den Beständen der irakischen Streitkräfte in die Hände fielen, schien der IS im Machtkampf mit der Nusra-Front die Oberhand zu gewinnen.

Eine grosse Bedrohung für Assad

Den Gewährsleuten zufolge vereinbarten IS und Nusra-Front, gemeinsam gegen gegnerische Rebellengruppen vorzugehen. Die Syrische Revolutionärsfront, die vom Westen unterstützt wird, solle vollständig aufgerieben werden – diese Gruppe hat nach Schätzungen 10'000 bis 12'000 Kämpfer.

Der amerikanische Analyst Tom Joscelyn, der die Terrogruppen für die Webseite Long War Journal beobachtet, sagt, er habe noch keine Kommunikation zwischen IS und Nusra-Front gesehen, die ein gemeinsame Vorgehen auf dem Schlachtfeld bestätigten. Es habe aber schon vor dem Treffen vom 2. November Informationen gegeben, die zu den Angaben der Gewährsleute passten. «Es hat eine grosse Anstrengung von Seiten der al-Qaida gegen, diese Allianz durchzubringen.» Zusammen stellten beide Organisationen eine grosse Bedrohung für Assad und die moderaten Rebellen dar. (fko/AP)

Erstellt: 13.11.2014, 21:21 Uhr

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