Heftige Kämpfe in Libyen – Schweiz fordert zu Ausreise auf

In Libyen toben heftige Gefechte, bei denen zahlreiche Zivilisten ums Leben gekommen sind. Mehrere europäische Länder – darunter auch die Schweiz – fordern ihre Bürger zur Ausreise auf.

Den Gefechten fielen mindestens 38 Menschen zum Opfer: Eine schwarze Rauchwolke steigt über der Stadt Benghasi auf. (27. Juli 2014)

Den Gefechten fielen mindestens 38 Menschen zum Opfer: Eine schwarze Rauchwolke steigt über der Stadt Benghasi auf. (27. Juli 2014) Bild: Esam Omran Al-Fetori/Reuters

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Bei Kämpfen zwischen Truppen des abtrünnigen Generals Chalifa Haftar und islamistischen Milizen sind im Osten Libyens 38 Menschen ums Leben gekommen. Unter den Toten der Gefechte am Samstag und Sonntag seien auch Zivilisten, sagte ein Sicherheitsbeamter der Nachrichtenagentur AP. Deren Häuser in Bengasi seien von Querschlägern getroffen worden.

Haftars Einheiten eroberten demnach vier Militärlager zurück, die islamistische Kampfverbände in den vergangenen Tagen unter ihre Kontrolle gebracht hatten. Die mächtige islamistische Miliz Rafallah Sahati bestätigte auf ihrer Webseite den Tod von acht Kämpfern, darunter auch Ahmed al-Sahawi, der Bruder von Mohammed al-Sahawi, dem Anführer der Terrorgruppe Ansar al-Scharia.

Die USA gehen davon aus, dass Ansar al-Scharia für den Angriff auf das Konsulat in Bengasi verantwortlich war, bei dem am 11. September 2012 Botschafter Chris Stevens und drei weitere Amerikaner getötet wurden.

USA evakuieren Botschaft

Washington fürchtet angesichts der neuen Kämpfe mittlerweile auch um sein Botschaftspersonal in Tripolis und schaffte es am Samstag über den Landweg ins Nachbarland Tunesien. Die diplomatische Vertretung in der libyschen Hauptstadt wurde geschlossen. Dort war es in den vergangenen Wochen unter anderem zu heftigen Gefechten auf dem Flughafen gekommen.

Am Sonntag feuerten Bewaffnete auch auf einen Konvoi der britischen Botschaft in der Hauptstadt, verletzten aber niemanden, wie Botschafter Michael Aron über Twitter erklärte. Die libysche Polizei ging aber davon aus, dass es sich um Kriminelle gehandelt habe, die ein Auto stehlen wollten.

Nach US-Angaben bleibt die Botschaft so lange geschlossen, bis sich die Sicherheitslage verbessert. Es ist bereits die zweite Schliessung der diplomatischen Vertretung seit 2011, als sie ihre Dienste während des Aufstands gegen Machthaber Muammar al-Gaddafi ebenfalls einstellte.

Das State Department gab auch eine neue Reisewarnung für US-Bürger aus, in der sie aufgefordert wurden, nicht nach Libyen zu fahren. Diejenigen, die sich bereits dort befinden, sollten unverzüglich abreisen.

Schweiz rät von Reisen nach Libyen ab

Auch das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) rät von Reisen nach Libyen ab. «Vor dem Hintergrund der extrem labilen Sicherheitslage» empfehle das EDA Schweizer Staatsangehörigen in Libyen, «das Land mit eigenen Mitteln vorübergehend zu verlassen, wenn dies möglich und sicher» erscheine. Der Entscheid zur Ausreise sei ein «individueller Entscheid».

Neue Reisewarnungen

Weitere europäische Länder gaben ebenfalls neue Reisewarnungen ab. Das Auswärtige Amt von Deutschland forderte alle Deutschen zur Ausreise auf. Die Lage in dem nordafrikanischen Land sei «extrem unübersichtlich und unsicher», hiess es in einer am Wochenende aktualisierten Reisewarnung des Aussenministeriums. «Gerade auch deutsche Staatsangehörige sind einer deutlich ansteigenden Anschlags- und Entführungsgefahr ausgesetzt.»

Grossbritannien schloss sich den Warnungen an und reduzierte das Personal in seiner Botschaft. Ein Sprecher der britischen Vertretung teilte am Sonntag mit, ein Konvoi mit Mitarbeitern sei Opfer eines Angriffs Bewaffneter geworden. Demnach wurde aber niemand verletzt. Auch Belgien, Malta, Spanien und die Türkei fordern ihre Staatsbürger seit einiger Zeit zur Ausreise auf.

Auch Frankreich und Italien haben ihre Staatsbürger zum Verlassen des Landes aufgerufen. Alle Franzosen in dem nordafrikanischen Land sollten «so schnell wie möglich» Kontakt mit der Botschaft in Tripolis aufnehmen, erklärte am Sonntagabend das Aussenministerium in Paris. In Rom teilte das Aussenministerium mit, dass bereits rund hundert Italiener sowie weitere Staatsbürger anderer Länder aus Libyen herausgebracht worden seien - unter anderem mit einer italienischen Militärmaschine. (thu/AFP)

Erstellt: 27.07.2014, 20:27 Uhr

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