IHH: Hilfsorganisation oder Terrorhelfer?

Laut der israelischen Regierung waren die Schiffstransporte für den Gaza-Streifen versteckte Waffenlieferungen. Die türkische Organisation IHH steht im Zwielicht.

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Das israelische Militär hat einen internationalen Schiffskonvoi mit Hilfsgütern für den Gazastreifen gestürmt. Gemäss der neusten Bilanz kamen fast zwanzig Menschen ums Leben. An der Hilfsaktion massgeblich beteiligt war die türkische IHH, die nun im Fokus der Öffentlichkeit steht. IHH ist eine Nichtregierungsorganisation, die gemäss eigenen Angaben humanitäre Zwecke verfolgt. Gegründet wurde die Organisation Anfang der Neunziger Jahre - aus Anlass des Bosnienkriegs. In erster Linie versorgt IHH Menschen in Krisenregionen mit Nahrungsmitteln, Kleidern und Zelten. IHH betreibt aber auch langfristige Projekte. Ein Schwerpunkt ihrer Tätigkeit sind jene Gebiete im Nahen Osten, in denen Palästinenser leben.

Die Selbstdarstellung kontrastiert jedoch zu dem Bild, das in Israel kursiert: Dort ist IHH vor allem eine radikal-islamische Organisation. Nach Ansicht Israels war der angegriffene Schiffskonvoi nicht nur mit Hilfsgütern unterwegs. An Bord der Schiffe seien Waffen gewesen, liess die israelische Regierung inzwischen an einer Medienkonferenz verlauten. Die Aktivisten auf den Schiffen sollen Verbindungen zum «internationalen Jihad», also zu islamistischen Kämpfern, haben. Was offiziell als humanitäre Aktion dargestellt worden sei, sei nichts anderes als Unterstützung für die radikal-palästinensische Organisation Hamas gewesen.

Laut einer Untersuchung des Danish Institute for International Studies hat IHH Verbindungen zu Hamas, al-Qaida und anderen islamistischen Organisationen in Algerien, Libyen und der Türkei.

Antisemitische Organisation

Die Hilfsaktion für die Menschen im Gaza-Streifen war in Israel schon seit Wochen ein Thema. «Wenn das Ziel ein humanitäres wäre, würden sie Israel die Hilfsgüter transferieren lassen und nicht versuchen, auf illegale Weise in den Gaza-Streifen einzudringen», liess Israels «Intelligence and Terrorism Information Center» verlauten. Bülent Yilderim, der Vorsitzende von IHH, habe kürzlich unter Applaus türkischer Politiker und radikal-islamistischer Extremisten eine radikale Rede gehalten.

«Israel verhält sich, wie Hitler sich gegenüber den Juden verhalten hat. Hitler baute Konzentrationslager in Deutschland, und heute baut das zionistische Gebilde Konzentrationslager in Palästina», soll Yilderim gesagt haben. Das Ziel von IHH sei, «eine Provokation hervorzurufen, um Israel und die israelischen Verteidigungsstreitkräfte zu blamieren und der Hamas und ihrer Regierung im Gaza-Streifen zu helfen». (vin)

Erstellt: 31.05.2010, 12:40 Uhr

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