IS stürmt letzte Assad-Bastion in Ostsyrien – Gegenschlag mit Gas?

Beinahe hätten Kämpfer der Terrormiliz Islamischer Staat angeblich den einzig verbliebenen Stützpunkt der syrischen Armee im Osten des Landes erobert. Doch dann schlug das Regime zurück.

Heftig umkämpfte Stadt Dair as-Saur zwischen dem IS, gemässigten Rebellen und dem syrischen Regime: Ein Aufständischer mit einem Granatwerfer in der Stadt. (25. Januar 2014)

Heftig umkämpfte Stadt Dair as-Saur zwischen dem IS, gemässigten Rebellen und dem syrischen Regime: Ein Aufständischer mit einem Granatwerfer in der Stadt. (25. Januar 2014) Bild: Ahmad Aboud/AFP

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Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hat heute einen Sturmangriff auf den strategisch wichtigen Militärflughafen Dair as-Saur im Osten Syriens begonnen. Die sunnitischen Extremisten setzten dabei einen Selbstmordattentäter als «Türöffner» ein, wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte meldete.

Die syrische Luftwaffe könnte ihre Gegner danach mit Chlorgas bombardiert haben. IS-Kämpfer litten unter Atemproblemen, hiess es. Einen klaren Beleg für den Einsatz von Chlorgas gab es aber nicht.

Selbstmordattentäter und Luftangriffe

Dem IS sei es zunächst gelungen, Teile des Flughafens einzunehmen. Die Armee habe jedoch den Vormarsch mit massiven Angriffen aus der Luft stoppen und die Extremisten zurückdrängen können, sagte der Leiter der Menschenrechtler, Rami Abdel Rahman, der Deutschen Presse-Agentur.

Der IS hatte in der Nacht auf Donnerstag einen Angriff auf den Flughafen gestartet. Bei dem Sturm am Samstag beschossen sie die syrische Armee zunächst heftig mit Granaten und Raketen, wie die Beobachtungsstelle meldete. Danach habe sich ein Selbstmordattentäter am Eingang des Flughafens in die Luft gesprengt. Bei den Gefechten seien in den vergangenen drei Tagen auf beiden Seiten fast 120 Menschen ums Leben gekommen.

Letzte Bastion der Armee

Der Luftwaffenstützpunkt ist die letzte Bastion der syrischen Streitkräfte in der Provinz Dair as-Saur, die ansonsten fast völlig unter Kontrolle des IS steht. Das Regime nutzt den Stützpunkt, um Gebiete unter IS-Kontrolle aus der Luft anzugreifen und die eigenen Truppen zu versorgen. Der Verlust des Flughafens wäre ein schwerer Schlag für Damaskus. Ende August hatte die Sunnitenmiliz bereits den Militärflughafen al-Tabka nahe der IS-Hochburg Al-Rakka erobert.

Ein Angriff der US-Luftwaffe auf IS-Ziele in der Nähe von Dair as-Saur wirft die Frage auf, ob die USA erstmals direkt den syrischen Regierungstruppen zu Hilfe eilten. Bei dem Luftschlag wurden laut Angaben der US-Botschaft in Damaskus drei Fahrzeuge und ein Bagger zerstört. Auch ein Trainingscamp sei getroffen worden.

Libanesische Geisel getötet

Im Libanon brachen nach der Tötung eines weiteren entführten Soldaten durch radikale Islamisten Kämpfe zwischen Armee und Extremisten aus. Die Al-Nusra-Front und der IS hätten nahe der syrischen Grenze das libanesische Militär angegriffen, sagte ein Armeesprecher.

Die Al-Nusra-Front, syrischer Ableger des Terrornetzwerks al-Qaida, hatte zuvor mitgeteilt, sie habe einen entführten libanesischen Soldaten umgebracht. Zugleich drohte sie mit dem Tod weiterer Geiseln, sollten nicht Frauen in der Gewalt des Militärs freikommen.

Iran bestätigt Luftangriffe

Die iranische Führung bestätigte einem Medienbericht zufolge, Luftangriffe gegen den IS im Nachbarland Irak geflogen zu haben. Dafür habe man sich mit der Regierung in Bagdad abgestimmt, sagte der stellvertretende Aussenminister Ebrahim Rahimpur dem britischen «Guardian».

Mit den USA sei der Einsatz dagegen nicht koordiniert worden. Die Führung in Teheran hatte den Einsatz von Kampfflugzeugen gegen den IS zunächst dementiert. Nun sagte der Diplomat, sein Land werde nicht zulassen, dass es im Irak zu ähnlichen Zuständen wie in Syrien komme. «Und wir helfen dort sicherlich mehr als in Syrien, weil sie uns näher sind.»

Die sunnitischen IS-Extremisten haben weite Teile Syriens und des Iraks erobert und dabei Tausende Zivilisten vertrieben, ermordet oder versklavt. Eine internationale Allianz unter Beteiligung der USA sowie europäischer und arabischer Staaten will mit Luftangriffen die Fanatiker zurückzudrängen. (rub/sda)

Erstellt: 06.12.2014, 16:07 Uhr

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