«Ich rufe alle dazu auf, Friedensstifter zu werden»

Viele Libanesen haben Benedikt XVI. als Friedensboten herbeigesehnt. Der Papst forderte die Libanesen aber dazu auf, ihre Zukunft selber zu gestalten – und wurde dabei von der Armee mit Panzern geschützt.

Vor der Messe sicherten libanesische Streitkräfte das Terrain, Helikopter kreisten in der Luft:  Papst Benedikt XVI. auf dem Weg zur Sonntagsmesse. (16. September 2012)

Vor der Messe sicherten libanesische Streitkräfte das Terrain, Helikopter kreisten in der Luft: Papst Benedikt XVI. auf dem Weg zur Sonntagsmesse. (16. September 2012) Bild: AFP

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Viel wurde von Papst Benedikt im Vorfeld seiner Reise in den krisengeplagten Libanon erwartet. Und er erfüllte die Erwartungen. Der Papst forderte die Libanesen auf, selber zu Friedensstiftern zu werden: «Ich rufe alle dazu auf, Friedensstifter zu werden, wo auch immer sie sich befinden», sagte er in seiner Predigt am Sonntag vor mindestens 300'000 Menschen auf einem riesigen Freigelände zwischen Hafen und Jachthafen.

Die Messe war Höhepunkt seiner dreitägigen, nicht ungefährlichen Reise. Auch im Libanon kam es zu Gewaltakten als Reaktion auf den als blasphemisch empfundenen Film über den Propheten Mohammed. Seit Monaten fürchten zudem die Menschen im Libanon, dass ihr Land in den Krieg in Syrien mithineingezogen werden könnte.

Zugleich war die Reise von vornherein schwierig, waren doch die Hoffnungen und die Vorfreude seiner Gastgeber sehr hoch. Gigantische Plakate mit dem Porträt des Besuchers und dem Motto «Der Friede sei mit Euch», schmückten auch viele Orte, die nicht an der Reiseroute lagen. Die 22-jährige Pharmaziestudentin Racelle Farah, sagte vor Beginn der Messe: «Ich hoffe, dass er wegen der Lage in Syrien eine Botschaft an die Politiker richtet und sie zum ernsthaften Handeln anhält.» Racelle, und mit ihr sicher viele Libanesen und Syrer, wurden in diesem Punkt nicht enttäuscht: «Ich appelliere deshalb an die arabischen Länder, das sie als ihre Brüder gangbare Lösungen vorschlagen, die die Würde jedes Menschen, seine Rechte und seine Religion achten», sagte der Papst nach dem letzten Gebet an der Bucht.

Besuch unter stärksten Sicherheitsvorkehrungen

Am Ankunftstag hatte es fast so ausgesehen, dass die Libanesen, die soviel Hoffnung in die Wirkung des Besuchs setzen, den Gast selbst nur auf Leinwänden und Bildschirmen sehen können. Dabei hatten sie vor ihren Häusern oft Kerzen in den Nationalfarben aufgestellt und sind mit Vatikan- und Libanonfahnen und Papstporträts zu den Schauplätzen gezogen. «Nur einige wenige Privilegierte konnten den Konvoi Benedikts XVI. vom Flughafen zum Sitz der Apostolischen Nuntiatur in Harissa sehen», berichtete die libanesische Tageszeitung in französischer Sprache «L'Orient de Jour» resigniert nach der Landung des Kirchenoberhauptes.

Auch vor der Messe sicherten libanesische Streitkräfte das Terrain, mit Panzern an den Absperrungen und Scharfschützen auf der Mauer zum Strand. Ein Marineschiff sorgte ebenso für Sicherheit wie Hubschrauber, die kurz vor der Ankunft des Papstes noch einmal über die Freifläche neben dem Jachthafen flogen. Innenminister Marwan Charbel hatte schliesslich die umfangreichsten Vorkehrungen für einen Staatsbesuch in der Geschichte des Landes angekündigt.

Christen als kleine Minderheit in einer muslimischen Welt bedroht

Erst am Sonntag kamen wirklich viele Menschen dem Papst nahe. Zumindest das Papamobil war vor der Messe zum Greifen nah. Benedikt XVI. fuhr durch die Reihen, während viele der Besucher noch gar nicht hinter den Absperrungen Platz genommen hatten. Nicht weit von seiner Route sass auch Liliane Karam. Die Moderatorin einer libanesischen Fernsehsendung für Kinder sorgt sich um die Zukunft ihrer Heimat und erhofft auch eine langfristige Wirkung der Begegnung mit dem Kirchenoberhaupt.

«Die Christen sind als kleine Minderheit in einer muslimischen Umgebung bedroht.» Es wanderten daher zu viele von ihnen aus, beklagt die maronitische Katholikin. Ihre 26-jährige Tochter sei inzwischen nach Kanada gezogen. Drei weitere Kinder lebten im Libanon, noch blieben sie hier. «Dieser Besuch sollte zudem zum Frieden zwischen den Religionen, aber auch der Christen untereinander ermuntern», hofft die Fernsehsprecherin.

Papst trifft Vertreter anderer Religionen

Der Dialog mit den anderen Religionen war auch dem Papst wichtig. Die Begegnung mit den Oberhäuptern der Sunniten, Schiiten, Alawiten und Drusen am Samstag im Präsidentenpalast sei herzlich gewesen, meinte später Vatikansprecher Pater Federico Lombardi vor Journalisten. Der Grossmufti des Landes, Scheich Raschid Kabbani, hatte vorab schon zugesichert, dass die Sorgen der Christen zur Sprache kommen würden, wie die englischsprachige libanesische Tageszeitung «The Daily Star» berichtete. Und als krönender Abschluss kam es am Sonntagnachmittag noch zu einer ökumenischen Begegnung mit Würdenträgern anderer Konfessionen.

Erstellt: 16.09.2012, 19:13 Uhr

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