In den Trümmern Syriens lauern die Seuchen

Die Weltgesundheitsorganisation schlägt Alarm: Zerstörte Spitäler und beschädigte Abwasserkanäle erhöhen in Syrien die Gefahr von Krankheiten. In Damaskus gibt es schon erste Anzeichen dafür.

Fehlende medizinische Versorgung: Ein Mann geht durch einen Operationssaal im zerstörten Spital Dar Al Shifa in Aleppo. (15. August 2012)

Fehlende medizinische Versorgung: Ein Mann geht durch einen Operationssaal im zerstörten Spital Dar Al Shifa in Aleppo. (15. August 2012) Bild: Reuters

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Die syrische Luftwaffe hat nach Angaben von Aktivisten erneut einen Angriff auf die Rebellenhochburg Asas im Norden des Landes geflogen. Dies teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte in London mit. Bei einem Luftangriff auf einen Stützpunkt der Aufständischen in der 70'000-Einwohner-Stadt nahe der türkischen Grenze waren am Mittwoch nach Angaben der Beobachtungsstelle fast 40 Menschen getötet worden. Wie die der Opposition nahestehende Organisation weiter mitteilte, war auch die Handelsmetropole Aleppo unter Beschuss der Regierungstruppen.

Die anhaltende Zerstörung in verschiedenen Städten hat in den vergangen Wochen nicht nur die Zahl der syrischen Flüchtlinge dramatisch erhöht, sondern auch die Situation für jene verschlimmert, welche bisher im Land blieben. Wie der Nachrichtensender «CNN» berichtet, befürchtet die Weltgesundheitsorganisation WHO den Ausbruch von Krankheiten in den umkämpften Gebieten. Richard Brennan, Direktor des Managements für Notfälle der Organisation, sagte gegenüber dem Sender: «Vom syrischen Gesundheitsministerium haben wir erfahren, dass rund 38 Spitäler und 149 sonstige Kliniken entweder schwer beschädigt oder gar zerstört sind. Somit hat sich für viele Syrer der Zugang zum Gesundheitssystem massiv verschlechtert.»

Verseuchtes Wasser in Damaskus

Laut Brennan ist dies jedoch noch lange nicht das einzige Problem: Manche Orte verfügen mittlerweile kaum mehr über funktionierende Kanalisationen und Frischwasserleitungen. Die Gesundheit der breiten Bevölkerung sei somit auf die Dauer stark gefährdet. Die WHO habe deswegen ihre Bemühungen zur Früherkennung von Epidemien verstärkt. «Im Raum Damaskus haben wird jedoch bereits eine Zunahme von Leuten wahrgenommen, die unter Durchfall leiden», so Brennan.

Erste Untersuchungen wiesen darauf hin, dass dies auf die Verseuchung des Frischwassers durch zerstörte Abwassersysteme zurückzuführen sei.

«Flüchtlinge fühlen sich im Libanon nicht sicher»

Angesichts des eskalierenden Bürgerkriegs im Syrien hat alleine in dieser Woche die Zahl der Flüchtlinge erneut stark zugenommen. Wie Adrian Edwards vom UNO-Flüchtlingshilfserk gegenüber «CNN» sagte, flohen inner weniger Tage rund 3500 Menschen in die Türkei. Gesamthaft seien bisher geschätzte 170'000 Syrer in die Türkei, den Irak, Libanon oder Jordanien geflohen. Das Hilfswerk der Malteser, welches im Libanon tätig ist, befürchtet derweil, dass sich die Situation für die Flüchtlinge auch dort verschärfen könnte.

«Es wird zwar immer komplizierter über die Grenze zu kommen, aber wegen der zunehmenden Gewalt in der Grenzregion werden die Menschen mit immer schwereren Verletzungen den Libanon erreichen», sagte die Medienkoordinatorin der Malteser in Beirut, Andrea Krogmann, der Nachrichtenagentur dapd.

Krogmann besuchte ein von den Maltesern unterstütztes Gesundheitszentrum in Chaldie im Norden des Libanons. Dort werden rund 500 Flüchtlinge versorgt, darunter zahlreiche Frauen und Kinder. «Die Menschen sind schwer traumatisiert und fühlen sich auch im Libanon nicht sicher», sagte Krogmann. Angesichts der jüngsten Entführungswelle im Libanon fürchteten sie, in die Auseinandersetzungen zwischen verfeindeten Clans hineingezogen und ihrerseits verschleppt zu werden. Auch ein mögliches Übergreifen des syrischen Konflikts auf das Nachbarland bereite vielen Sorgen.

Menschen fürchten das Chaos

Aus ihrem Heimatland berichteten die Flüchtlinge von rechtsfreien Räumen in den von Aufständischen kontrollierten Gebieten. «Unabhängig von ihrer politischen Haltung fürchten die Menschen das Chaos», sagte Krogmann, die im Norden des Libanons Flüchtlinge zur Lage in Syrien befragt hat. «Die Kriminalität nimmt zu und die Menschen haben Angst.»

Gerade die christliche Minderheit fürchte den Sturz der Regierung von Präsident Bashar Assad. «Nicht, weil sie auf der Seite des Regimes stehen, sondern weil sie nicht glauben, dass es eine Alternative gibt», sagte Krogmann. «Sie haben Angst, dass eine politische Diktatur von einer religiösen Diktatur abgelöst werden könnte.» (kpn/mit Material von dapd)

Erstellt: 18.08.2012, 14:13 Uhr

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Der UNO-Sicherheitsrat hatte angesichts der gescheiterten internationalen Bemühungen um eine Eindämmung der Gewalt in Syrien das Ende der Beobachtermission beschlossen. Die Vereinten Nationen wollen nun ein kleines Verbindungsbüro in dem Land belassen, das künftige Friedensbemühungen unterstützen soll.(sda)

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