Iraks schwieriger Kampf gegen al-Qaida

Vor knapp einer Woche überrannten al-Qaida-Kämpfer zwei Städte im Westirak. Die Regierung kündigt seither ihre baldige Vertreibung an. Nun überrascht der Ministerpräsident mit einem Appell an die Einwohner.

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Die irakische Armee und ihre Verbündeten kommen im Kampf gegen al-Qaida im Westen des Landes offenbar kaum voran. Ministerpräsident Nuri al-Maliki forderte die Einwohner von Falludscha auf, die al-Qaida-Kämpfer selbst aus der Stadt zu vertreiben. Wie sie das erreichen könnten, sagte er jedoch nicht. Stattdessen ergreifen inzwischen viele Zivilisten die Flucht vor den blutigen Gefechten, bei denen schon Dutzende Menschen getötet wurden.

Falludscha und die Provinzhauptstadt Ramadi in der sunnitisch dominierten Provinz Anbar waren vergangene Woche von Kämpfern des al-Qaida-Ablegers Islamischer Staat im Irak und Syrien eingenommen worden. Irakische Truppen versuchen seitdem, sie zu vertreiben. Es ist das erste Mal seit Jahren, dass islamistische Extremisten in grossen irakischen Städten offen die Kontrolle ausüben.

Einwohner von Falludscha berichteten von Kämpfen an der Überlandstrasse von Bagdad nach Syrien bis zum frühen Montagmorgen. Die al-Qaida-Kämpfer und ihre Unterstützer kontrollieren das Stadtzentrum. Dort wehen Fahnen an Regierungsgebäuden und an von den Militanten erbeuteten Fahrzeugen. Auch in Teilen von Ramadi gab es am Montag weiter sporadische Gefechte, wie Bewohner der Nachrichtenagentur AP berichteten.

Gefechte in Ramadi

Bei den Auseinandersetzungen am Sonntag waren 22 Soldaten und zwölf Zivilisten getötet worden. Die Zahl der getöteten al-Qaida-Kämpfer ist unbekannt. Am Montag berichtete die Polizei, eine mit der irakischen Regierung verbündete sunnitische Miliz habe sechs Extremisten in der Nähe von Falludscha getötet.

Die Regierung in Bagdad hatte am Sonntag einen Grossangriff zur Rückeroberung der Stadt angekündigt. Dazu seien bereits Spezialkräfte vor der Stadt im Einsatz, weitere Truppen würden verlegt. Der Militärkommandeur in Anbar, Raschid Fleih, sagte am Sonntag im Staatsfernsehen, die Extremisten könnten binnen «zwei bis drei Tagen» vertrieben werden. In der Provinzhauptstadt Ramadi gab es der Polizei zufolge am Montag in mehreren Stadtvierteln Gefechte zwischen Sicherheitskräften und Aufständischen.

Inzwischen sind Dutzende Familien in mit Menschen und Habseligkeiten überfüllten Autos aus den beiden umkämpften Städten in nahegelegene Orte geflohen - offenbar in Erwartung einer Militäroffensive. Al-Maliki mahnte die irakischen Soldaten, Wohngebiete von Falludscha nicht zu beschiessen.

«Der Irak ist unser Freund»

Der Islamische Staat in Irak und Syrien (ISIS) gilt als einer der gefährlichsten Ableger des Terrornetzwerks al-Qaida in der Region. ISIS kämpft auch im syrischen Bürgerkrieg. Erklärtes Ziel ist - wie im Namen angedeutet - ein grenzübergreifender islamistischer Staat. In Anbar leben viele Sunniten, die Al-Malikis Regierung Diskriminierung vorwerfen. Dennoch haben sich einige sunnitische Stämme nun mit der Regierung gegen al-Qaida verbündet.

Der schiitisch regierte Iran bot der ebenfalls schiitischen Regierung im Irak Hilfe im Kampf gegen al-Qaida an. Falls der Irak anfragen sollte, werde man mit militärischer Ausrüstung und Beratern helfen, zitierten Medien den iranischen Stabschef Mohammed Hedschasi. «Der Irak ist unser Freund.» Er schloss allerdings aus, Truppen in das Nachbarland zu schicken. Auch die USA haben dem Irak Unterstützung in Aussicht gestellt - allerdings wollen sie ebenfalls keine Soldaten entsenden.

Unabhängig von der al-Qaida-Offensive im Westen rollt seit Monaten eine Gewaltwelle über den Irak. Die Lage ist eskaliert, seit die Regierung im April 2013 mit Gewalt ein sunnitisches Protestcamp räumte. Mit 8868 Toten meldeten die Vereinten Nationen für 2013 die höchste Opferzahl seit 2007. (sly/SDA)

Erstellt: 06.01.2014, 21:39 Uhr

USA wollen Waffen liefern

Die USA wollen nach offiziellen Angaben ihre Waffenlieferungen in den Irak ausweiten und beschleunigen, um der Regierung in Bagdad beim Kampf gegen Extremisten der al-Qaida zu helfen. So sei die Lieferung von Hellfire-Raketen vorgesehen wie der Export von Aufklärungsdrohnen. Das sagte Regierungssprecher Jay Carney. (sda)

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